Unternehmen sollten ihre Produkte noch im Entwicklungsstadium mehrmals von verschiedenen Leuten im Alltagseinsatz prüfen lassen – und es nicht allein den Techniker oder den entsprechenden Profis im Unternehmen überlassen: Da meldet die Agentur AFP einen amüsanten wie tragischen Fall aus den USA von einer Öko-Chipstüte von Frito-Lay, die so laut rascheln soll wie ein Rasenmäher – über 90 Dezibel.
Und das ist so laut, dass sich die Verbraucher über den Lärm beim Knabbern beschweren. Man verstehe sein eigenes Wort nicht mehr, beschweren sich die Chips-Käufer sogar in Filmchen auf dem Video-Portal Youtube. Die US-Supermärkte haben die Lärmbelästigung schon aus den Regalen genommen, der Chips-Absatz dieser „Sunchips“ war bereits um elf Prozent eingebrochen, nun soll eine neue Verpackung auf den Markt kommen – nächstes Jahr. Dass die neue Tüte sich binnen Wochen selbst kompostiert, ist angesichts des Krachs, den sie macht, in den Hintergrund gerückt.
Zumal sich nur 110 Leute fanden in einer Facebook-Gruppe, die unbedingt die laute Tüte behalten wollen – gegenüber zehntausenden, die ihre alten leiseren Tüten wiederhaben wollen.
Und prompt unterläuft dem Unternehmen ein dusseliger Kommunikationsfehler. In Kanada wandte sich die örtliche Frito-Lay-Vizechefin Anne-Marie Renaud via Youtube an die Kunden: Kaufen sie eine Tüte und wenn sie sie zu laut finden, schicken wir ihnen Ohrstöpsel, bot sie den Lärm-Genervten an.
Nur, was sollen sie damit? Sie abends am Fernseher die Ohren zustöpsel, um zwar geräuschlos Chips essen zu können – aber leider auch den Fernsehapparat und die Familie nicht mehr zu hören. Im Kino derselbe Effekt.
Und was ist unterwegs, etwa in der Bahn? Soll man die anderen Menschen drumherum mit dem Lärm nerven – um selbst mit Ohrstöpseln gesegnet vergnügt zu kauen? Ganz zu schweigen vom Autofahren, wo man ganz sicher nicht sich mit Ohrstöpseln dem Verkehr entziehen darf. Solch ein Spot – so gut er gemeint sein mag, wenn ein Manager als Gesicht der Firma selbst in den Ring steigt – klingt in den Ohren von Kunden wie Hohn und Spott. Gleich kübelweise ausgeschüttet über dem Kopf vom Lärmgeschädigten. Soll das witzig sein?
Ich frage mich wirklich, warum die Produktmanager vor der Markteinführung nicht ein paar Tüten Chips übrig haben – und sich lieber noch ein klein wenig Zeit nehmen, aber dafür einen einen Riesen-Reinfall verhinden könnten -, die sie ihren Kindern zum Ausprobieren geben. den nachbarn, den Mitarbeitern, wem auch immer. Und sie danach befragen, wie´s denn so war.
Hasso Nauck, der Inhaber der Schokoladen-Manfaktur in Bremen stellt in seiner Produktion Schüsseln mit den eigenen Produkten auf – und wenn etwas länger liegen bleibt, weiss er, die Geschmacksrichtung kommt nicht an. Und dann kann er nachfragen und erforschen, woran es denn liegt. http://www.handelsblatt.com/hasso-nauck-der-bremer-schokoladen-prinz-von-hachez;2553583
Und so viel Interesse kann man den Nutzern seiner Produkte ja auch mal entgegen bringen.
