Stellen Sie sich mal ganz dumm

In den Niederlanden und Großbritannien sind Unternehmenslenker keine Fachkräfte, erzählte kürzlich Management-Coach Jürgen W. Goldfuss. Und dass er das gut findet.So erlebte er zum Beispiel auch einen schwäbischen Familienunternehmer aus der Textilbranche, der seinen Mitarbeitern gerne mal sagt: „Du bist doch der Fachmann, ich muss nur die richtigen Kontrollfragen stellen.“
Ein anderer Chef beeindruckte Goldfuss damit, dass er seine Sekretärin bei einem Coaching-Termin bei ihm gleich mit im Schlepptau hatte. Warum? „Wenn wir beide dasselbe wissen, haben wir es doch leichter miteinander.“ Wie weise. Keine Spur von – dem nur vermeintlich wichtigen und karriereförderlichen – Herrschaftswissen. Stattdessen absolute Teamorientierung und das auch noch über die Hierarchie hinweg.
Und dann wartete der Coach mit einer überraschendem Ansage auf: “Junge Leute sollten einfach mal die Klappe halten.“ Denn: Jungen Menschen, die zum Beispiel in einem Familienunternehmen in die Rolle des Firmenchefs hineinwachsen sollen, gibt Goldfuß diesen Rat: „Jüngere sollten sich bewusst dümmer stellen als sie sind – um so festzustellen, ob die anderen überhaupt kapiert haben, was sie machen.“
Andersherum berichtet der Management-Coach von der schwäbischen Alp von alten Haudegen, die mit neuen, verrückten Ideen ihrer Brut rechnen – und mauern, was das Zeug hält. „Das geht bis zur Sabotage“, erzählt er. Manche von ihnen lassen die Jungen auflaufen, nur damit sie sich die Hörner abstoßen.
Wenn`s denn klappt.
Und Jürgen W. Goldfuß berichtet von Mitarbeitern, die 40 Jahre dabei sind, und solche jungen Heißdüsen dann so ausbremsen: Indem sie Dienst nach Vorschrift schieben oder einfach mal technische Rückfragen stellen nach dem Motto „Meinen Sie ISO 2000 oder ISO 2001?“ Klar kannten die Altgedienten die Antwort, stellten sich aber bewusst doof. Um ihn erst mal zu verunsichern – und dann (triumphierend) zu korrigieren.
Und Goldfuß’ Generalansage in Richtung Familienunternehmen: „In dem Moment, wo die Familie eine Rolle spielt, kommen Emotionen hoch, wird’s kompliziert. Und Emotionen, die sind nur im Vertrieb gut, sonst nirgends.“

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Alle Kommentare [2]

  1. Der Goldfuß-Adlatus sollte die Betriebsführung nach seiner längeren Abwesenheit in allen Belagen unter die Lupe nehmen:

    Mancher Chef ist Fehleinschätzungen erlegen, hat sich für unabkömmlich gehalten. Nicht immer – aber auch nicht selten – klappt es in Urlaubszeiten besser… bei fehlender oberster Instanz.

    Wer Verantwortung richtig deligiert, macht sich und seinen Mitarbeitern das Leben leichter… Herr Goldfuß.

  2. Die Schlauheit geht noch weiter: Viele Führungskräfte trauen sich nicht nur, vier Wochen Urlaub zu verbringen, sie planen auch die Schläue und Erfahrung externer Berater ein. Das befreit davor, bei Wirtschaftsspionage erwischt zu werden oder wegen Wettbewerbsverstößen abgemahnt zu werden. Der Consultant vermittelt angepasst ans eigene Unternehmen, was woanderes bereits gut funktioniert. Das ist preiswerter und förderlicher fürs Betriebsklima als zermürbende juristische Auseinandersetzungen, die sowieso mit einem Vergleich beendet werden, weil der Richter nicht versteht, was Sache ist.

    Oliver Knittel, IT-Consultant in der Versicherungswirtschaft: „Was haben zufriedene Mitarbeiter mit zufriedenen Kühen gemeinsam? Sie sind auf der richtigen Wiese. Klare Prozesse, Übertragung von Kompetenzen auf die Mitarbeiter und eine Struktur, die auf den Kunden ausgerichtet ist, ist das Rezept für zufriedene Kunden.“

    Gute Führungskräfte interessieren sich nicht nur, was hinter den Stirnen freundlich lächelnder Mitarbeiter vor sich geht, sondern sie entwickeln zusammen mit ihren Mitarbeitern betriebliche Strukturen, die auf die Kunden ausgerichtet sind. Dabei erfahren sie mehr über die Selbsteinschätzungen ihrer Mitarbeiter, als durch zweifelhafte Tricks und Schliche, die bestenfalls Unbehagen auslösen. Um eventuell vorhandene Betriebsblindheit zu überwinden, macht sich ein guter externer Freelancer immer gut.

    Hans Kolpak