Gedenken an Volker Wolff
Ein Chef für die Redaktion
Ob als WirtschaftsWoche-Chefredakteur oder Journalismus-Professor: Volker Wolff kämpfte für die Unabhängigkeit von Medienschaffenden. Ein Nachruf von WirtschaftsWoche-Ex-Kollege Martin Kessler
Volker Wolff war von 1991 bis 1995 Chefredakteur der WirtschaftsWoche. Er ist am 29. August 2026 im Alter von 75 Jahren verstorben.
Im schillernden Wort „Chefredakteur“ steckt oft etwas Exotisches, Verrücktes, Unberechenbares. Das war Volker Wolff alles nicht. Der gebürtige Bonner stand für einen soliden, kompetenten und aufklärerischen Journalismus, nah am Leser und der Leserin, faktenorientiert und ohne die in der Branche bisweilen maßlosen Übertreibungen. Also fast etwas langweilig?
Nein, das war Volker Wolff auch nicht. Das Aufregende seiner Arbeit kam über seine Art, Zeitung oder Magazin zu machen, um es mal altmodisch auszudrücken. Er riss seine Mannschaft mit, konnte mit Fakten herrlich zuspitzen, wies ungewöhnliche Wege auf und zwang die Kolleginnen und Kollegen mit Nachdruck dazu, immer an die zu denken, die für das Medienprodukt bezahlt haben. Da konnte er unerbittlich sein.
Und noch etwas: Volker Wolff nahm seinen Auftrag ernst, sich stets vor die Redaktion zu stellen. Auch wenn es heikel wurde.
Eigentlich hatte der promovierte Betriebswirt (Uni Köln) den Beruf des Journalisten nicht geplant. Als hoffnungsvoller Assistent in der Chefetage des Kölner Versicherers Colonia schien seine Karriere im Management dieser Branche schon vorherbestimmt. Doch Wolff entschied sich für den anderen, den unsichereren Weg – erst als Redakteur des Handelsblatts, dann als Ressortleiter beim Wirtschaftsmagazin Capital, ehe er als Chefredakteur zur WirtschaftsWoche wechselte.
Dem Wochenblatt verpasste er seit 1991 ein neues Image, verstärkte die Berichterstattung über Verbraucher- und Nutzwertthemen und sorgte auch politisch durch seinen pragmatisch-liberalen und fortschrittlichen Kurs für neuen Wind. Gleich mehrfach sorgte das Magazin damals publizistisch für Aufregung, nicht alle waren mit den kritischen, aber immer gut recherchierten Geschichten einverstanden. Und hier zeigte Volker Wolff sein unnachahmliches Stehvermögen, legte sich mit den Mächtigen an und verteidigte seine Truppe. Voraussetzung war aber, dass die Frauen und Männer in der Redaktion gut arbeiteten und ihre Fakten stimmten.
Im Jahr 1995 verabschiedete sich Wolff aus der Chefredaktion und wurde Journalistenlehrer. Bis zu seiner Emeritierung 2014 war er Professor am Journalistischen Seminar der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. Auch dort blieb der umtriebige Publizist unbequem und streitbar.
Trotzdem wurden ihm viele Ehrenämter angetragen – von der Stiftung Rheinland-Pfalz für Innovation über Beiräte in Versicherungskonzernen bis hin zum Verwaltungsrat der Stiftung Warentest. Wolff blieb sowohl seiner Linie, wie auch seiner Branche und seiner journalistischen Leidenschaft als Anwalt der Verbraucher treu. Er schrieb Bücher über Finanzkommunikation und setzte sich kritisch mit den Meinungsmachern in der Medienlandschaft auseinander.
Das Geheimnis seines Erfolgs lag nicht zuletzt in seiner offenen, humorvollen Zuwendung zu den Menschen. Wolff konnte stundenlang unglaubliche Geschichten erzählen, für Themen und Personen begeistern. Er war sehr politisch interessiert, ohne sich für eine Partei festzulegen. Im Grunde hatte er überall etwas auszusetzen.
Wir werden sein freundliches Wesen, sein breites Wissen und seine mitreißende Art vermissen. Volker Wolff ist am 29. August im Alter von 75 Jahren verstorben.
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