Den Fragebogen „Nahaufnahme“ beantwortet Roger Gothmann, der Gründer der Buchhaltungsplattform Taxdoo. Er ist Pionier und Marktführer für Umsatzsteuer und Finanzbuchhaltung im E-Commerce, Taxdoo hat Kunden wie L’Oréal Deutschland, Ankerkraut oder Snocks. Den Umsatz gibt Gothmann mit zehn bis 20 Millionen Euro an und bringt es auf 50 Mitarbeiter. Weil die EU die Umsatzsteuerregeln ab 2028 ändert, geht Gothmann ab Mai 2026 ein verändertes, neues Geschäftsmodell an.

Roger Gothmann (Foto: PR / Taxdoo)
Erklären Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen tut.
Taxdoo wickelt mit seiner Plattform für E-Commerce-Unternehmen die vollständige Buchhaltung und betriebswirtschaftliche Auswertung -BWA- tagesaktuell.
Womit beginnt Ihr Tag?
Um 6:30 Uhr stehe ich auf, bereite das Frühstück für meine Frau und die Kinder vor, ebenso wie ihre Brotdosen. Die beiden kleineren der vier Kids bringe ich dann in die Kita und die Schule, im Auto hören wir Radio BOB! auf fast voller Lautstärke. Auf dem Rückweg von der Schule nach Hause treibe ich Sport im Stadtwald, wo die Stadt vor Jahren vom Reck bis zum Trampolin zahlreiche Sportgeräte aufgestellt hat.
Was unterscheidet Sie von anderen im Auftreten und im Behave im Job?
Ich höre mehr zu, als ich spreche. Dann entscheide ich erst. Oder, wenn es warten kann, sage ich oft: „Lass mich darüber schlafen.“ Die Antwort auf manche Fragen fühlt sich erst nach etwas Zeit richtig oder falsch an.
… und was würden Ihre Mitarbeiter darauf antworten?
Wenn ich lange schweige, dann heißt es eigentlich, dass ich nicht übereinstimme. Dann kommt nach einer Pause die Entscheidung dagegen.
Tee oder Kaffee?
Grüner und schwarzer Tee und handgemahlener, gefilterter Kaffee
Ihr Spitzname ist…?
Rocher – als Anspielung auf diese goldene Kugel
Verraten Sie eine Marotte.
Ich werde regelmäßig in der Flughafenkontrolle herausgewunken, weil ich nie ohne Schuhspanner aus Zedernholz und Kupfer verreise – egal wie voll der Koffer schon ist.
Was bringt Sie in Harnisch?
Wenn ich am Wochenende nach Stunden auf dem Wochenmarkt und dann anschließend am Herd von den Kids höre: Mama, kann ich lieber Nudeln mit Tomatensauce haben?
…und was bringt andere an Ihnen in Harnisch?
… dass ich stoisch daran festhalte, ein Großmeister der Selbstironie zu sein.
Was möchten Sie gerne in Rente machen?
Nach vielen Jahren im abstrakten und zugleich emotionsgeladenen Steuerrecht kann ich mir vorstellen, weiterhin emotionsgeladen aber deutlich greifbarer zu arbeiten. Ich liebe herausragendes Handwerk in allen Bereichen – Wein, Kleidung, Essen, Möbel – und kann mir vorstellen, eine Lehre als Schreiner, Sommelier oder Koch zu machen.
Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?
Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und, vor allem, Leidenschaft. Ich bewundere Menschen, die in einer Tätigkeit aufgehen – sei es im Job, im Handwerk oder, Sport – und unweigerlich immer besser werden.
Auf welche drei Dinge könnten Sie niemals verzichten?
Meine Airpods, Zedernholz-Schuhspanner und handgemahlenen Kaffee.
Was war Ihr peinlichster Moment?
Ich habe meine Karriere als Betriebsprüfer in einem Finanzamt gestartet und eine meiner ersten Prüfungen war eine Steuerkanzlei. Bis zu diesem Zeitpunkt fühlte ich mich beinahe allwissend. Der alte und knorrige Kanzleiinhaber ließ mich ab der ersten Sekunde auflaufen. Als ich um Einblicke in seine Finanzbuchhaltung bat, hat er seine Angestellten tausende Kontenblätter in Umzugskartons vor meinen Augen aufstapeln lassen und fragte mich dann, ob mir dieser Detailgrad ausreiche. Die Betriebsprüfung einer Steuerkanzlei ist ein Affront; mein damaliger Chef wollte mir wohl damals meine Grenzen aufzeigen. Die Prüfung endete mit einem Nullergebnis und ein paar schlaflosen Nächten – und der wichtigsten Erfahrung: Demut.
Auf welches Erlebnis hätten Sie lieber verzichtet?
Ich sollte unseren damals sechsjährigen Sohn von seinem ersten Schachturnier abholen. Ich kam wegen eines überlangen Meetings in unserer jungen Firma zu spät. Das Turnier war lange vorbei und er stand allein mit dem Siegerpokal und einem riesigen Teddy, die er beide gewonnen hatte, allein vor der Sporthalle und wartete stoisch auf mich. Da musste ich weinen: vor Stolz und aus Scham.
Welche Eigenschaft haben Sie von Ihrer Mutter übernommen?
… der Glaube daran, selbstironisch sein zu können
Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten – welcher wäre das?
Den von Lars Klingbeil, unserem aktuellen Bundesfinanzminister: Größenwahn und Selbstüberschätzung hin oder her, aber in 24 Stunden würde ich versuchen, ein Maximum an Bürokratie einzureißen, weil ich ja keine Rücksicht auf Partei, Lobbyisten und Berichterstattung nehmen müsste.

(Foto: Privat)
„Ich habe das Teeservice meiner Oma als Kind gehasst, weil man die Tassen so schwer halten konnte. Jetzt trinke ich meinen Kaffee nur noch daraus und nehme die Tassen auch mit auf Reisen“, erzählt Gothmann.
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