Ein Teller Caesar Salad und ein Glas alkoholfreier Sekt mit Messe-Düsseldorf-Geschäftsführer Marius Berlemann, für den Herrenschuhe glänzen müssen

Marius Berlemann, Geschäftsführer der Messe Düsseldorf (Foto: C. Tödtmann)
Wie im Gefängnis kam ich mir vor, erzählt Marius Berlemann über seinen Lockdown in China. Acht Wochen lang durfte der Geschäftsführer der Messe Düsseldorf seine Wohnung in Shanghai nicht verlassen. Die Regierung stellte ihm und seiner Familie Pakete mit Essen vor die Tür, erinnert er sich. Die Straßen der größten Stadt Chinas mit knapp 25 Millionen Einwohnern waren wie leergefegt. Damit das auch so blieb, wurden die Menschen sogar aufgefordert, diejenigen Leute zu fotografieren, die dennoch auf die Straße gingen.
Nach dem Lockdown packte sich Berlemann drei Rucksäcke – vorsorglich. Einen fürs Büro, falls bei einem Verdachtsfall das Gebäude abgeriegelt wird, einen für sein Auto und einen dritten zu Hause. Er wusste, es kann knapp werden, wenn die weiß gekleideten Männer kamen. Zweimal war er kurzerhand weggelaufen aus seiner eigenen Wohnung, als es sich abzeichnete, dass der ganze Compound abgeriegelt würde. Es gab viele kleine Lockdowns die regional begrenzt waren, erzählt Berlemann. Da ging der gebürtige Düsseldorfer für drei Tage ins Hotel, um weiterarbeiten zu können. Dabei: Homeoffice gibt es eigentlich nicht in China, erzählt er. Im Gegenteil, man arbeitet unter Aufsicht.
Aber die Mentalität „wir probieren´s mal“, die habe ich kennen- und schätzen gelernt, sagt Berlemann. Ebenso wie die Sicherheit: China empfand er als total sicher, jede Ecke war videoüberwacht.
In seinem Büro in Shanghai war er der einzige Europäer unter 65 Chinesen und wollte ihnen ein Vorbild sein. So gab er es zu, wenn er Fehler machte – und verhielt sich damit untypisch für chinesische Vorgesetzte, erinnert er sich. Offenbar mit Erfolg, denn er leitete alle China-Aktivitäten der Messe Düsseldorf und etablierte dort nicht nur die Pro-Wein, sondern unter seiner Führung erreichte ihr China‑Geschäft historische Höchstwerte bei Ausstellungen und Besuchern. Berlemann schwärmt von der angenehmen Zeit in China, bevor er im Sommer 2024 nach Düsseldorf ins Rheinland zurückkam. Natürlich wurden ihm in Shanghai Hühnerfüße zum Essen angeboten, aber gegessen hat er sie in seiner Zeit in China seit April 2019 nie, sagt er.
Herrenschuhe müssen glänzen
Was guter Service ist, hatte Berlemann schon verstanden, als er noch Student war und im Nobelhotel Breidenbacher Hof Geld verdiente für sein Studium. Da jobbte er an den Wochenenden als Hotelpage. Seitdem hat er davon klare Vorstellungen: Nachts sammelte er die Herrenschuhe ein und polierte sie. Seitdem bin ich der Ansicht, dass Herrenschuhe glänzen müssen, erzählt der Rheinländer. Oder dass die Scheiben der Autos der Hotelgäste sauber sein müssen und eine leere Kaugummipackung in der Konsole des Hotelgasts gegen eine volle ausgetauscht gehört. Einem Gast mitten in der Nacht einen Döner besorgen? Kein Thema. Wenn es ein Weltstar ist, was im Breidenbacher Hof durchaus vorkommt, umso lieber.
Schon früh habe er gemerkt, wie gerne er Dienstleister sei und tolles Feedback dafür bekam. Oder er einem Taxifahrer eine Supertour mit einem Gast zum Shoppen nach Roermond besorgte oder gar bis Hamburg.
Und wie sehr es beim Umgang mit Gästen aus aller Herren Länder auf Formen ankommt. Dass er Visitenkarten von Japanern immer mit beiden Händen überreichen, sie lesen und zustimmend nicken muss. Dass man einen Gast nie mit dem Rücken zur Tür setzen darf oder ein Rangniedrigerer beim Anstoßen das Glas nie höher halten darf als der Ranghöhere.
Rohes Hack geht bei Chinesen gar nicht
Und auf Feingefühl. So musste Berlemann lernen, dass Chinesen – wenn sie in Delegationen die Düsseldorfer Messe besuchen – kein rohes Hackfleisch essen wollen. Auch wenn ihnen Mettbrötchen in der Brauerei Schumacher an der Ostrasse erst mal gut schmecken – bis sie verstehen, was sie da essen. Dann ist Schicht im Schacht und nichts geht mehr.
Anders als bei japanischen Delegierten, die zum ersten Mal in den Düsseldorfer Karneval stolpern und sonst extrem zurückhaltend sind. Eine spontane Polonaise von verkleideten Jecken durch die Brauerei macht ihnen einen Riesenspaß.

Caesar Salad mit Grillkäse in der „Schnellenburg“ (Foto: C.Tödtmann)
In der Schnellenburg in Düsseldorf direkt am Rhein im Norden gegenüber der Messe bestellte Marius Berlemann als Lunch Caesar Salad mit Grillkäse und verleitete mich trotz der Tageszeit, einen alkoholfreien Sekt zu testen. Der nämlich hatte sein Coming-out auf der letzten Pro-Wein-Messe 2025. Mich überzeugte er nicht. Vielleicht noch nicht.


