Fragebogen „Nahaufnahme“ mit Kultbäcker Josef Hinkel, der den Spitznamen Jüppken hatte

Den Fragebogen „Nahaufnahme“ beantwortet Kult-Bäckermeister und Düsseldorfer Bürgermeister Josef Hinkel

 

Josef Hinkel (Foto: PR/Stadt Düsseldorf)

Erklären Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen tut.

Als Bäckermeister der vierten Generation backe ich all die gesammelten und erarbeiteten Brotrezepte  handwerklich und verkaufe sie sehr menschennah.

Als Bürgermeister stehe ich für unsere Demokratie in unserer Stadt Düsseldorf und bin als Stellvertreter des Oberbürgermeisters Stephan Keller auch sehr volksnah unterwegs.

 

Womit beginnt Ihr Tag?

Um kurz nach sechs Uhr beginne ich mit einem großen Glas warmem Wasser meine Tai-Chi-Übungen, dann Stabilitätsübungen an Terra-X-Bändern und das rund 20 Minuten. Anschließend gibt es einen ersten Espresso zu meinem Magnificat. Um sieben Uhr wird dann mit meiner Frau und meinem Sohn gefrühstückt.

 

Was unterscheidet Sie von anderen im Auftreten und im Behave im Job? 

Ich lege Wert auf einen schicken Anzug, trage gerne Fliege und farbige Weste. Es ist mir wichtig, beim Betreten des Rathauses mit einem fröhlichen „Guten Morgen…!“ zunächst die Pförtner zu begrüßen. Als ich im Jahr 2008 Karnevalsprinz wurde, spürte ich, wie man Energie in einen Raum fließen lassen kann: Wenn ich ankomme, stelle ich mich gerne erst mal kurz an den Rand eines Raums und erspüre die Wirkung, bevor ich hineingehe und die Menschen begrüße.

Als ehrenamtlicher Politiker fresse ich mich nicht gerne durch Papierberge, sondern verlasse mich auf meine Referentin. Um dann, wenn es sein muss, meine Meinung zu revidieren und neu zu ordnen.

 

… und was würden Ihre Mitarbeiter darauf antworten?

Dass man mich in meiner Spontanität eben nicht so leicht einordnen kann. Ich sei vielseitig, empathisch, aber durchaus unkonventionell. So haben wir zum Beispiel für Altweiber einen eigenen Song auf die Melodie von ABBA „Waterloo“ mit „Düsseldorf, Altweiber nur in Düsseldorf“ gedichtet und in einem Tonstudio aufgenommen. Damit sind wir dann durch die Stadt gezogen – es war großartig.

 

Tee oder Kaffee?

Einen guten Cappuccino

 

Ihr Spitzname ist…?

Ältere Damen hier in der Altstadt nannten mich als Kind Jüppken. Sie sprachen noch richtiges Platt. Heute werde ich noch häufig Jupp genannt.

 

Verraten Sie eine Marotte.

Alles, was mir zufliegt – auch Probleme –, möglichst sofort zu klären. Ich muss manchmal bewusst innehalten, mal eine ganze Minute nur auf den Sekundenzeiger einer Uhr gucken. Das ist ganz schön schwer.

 

 Was bringt Sie in Harnisch?

Faulheit gepaart mit Dummheit – insbesondere Faulheit ertrage ich nicht. Ich bin zum ersten Mal im Leben ausgerastet, als mich jemand als junger Bäckermeister vorführen wollte.
Meine Mitarbeiter leben von ihrer Eigenverantwortlichkeit. Wer nicht mitmacht, kommt schwer ins Team.


… und was bringt andere an Ihnen in Harnisch?

Meine Frau sagt immer: „Josef, hör doch mal zu!“.

 

Was möchten Sie gerne in Rente machen?

Ich bin nicht derjenige, der auf Weltreise gehen will. Ich habe schon so vieles gesehen.

Man muss beizeiten anderen Luft geben, etwas zu machen – wie mein Vater es bei mir tat. Und so mache ich es heute auch bei meiner Tochter Sophie – sie hat jetzt unseren Betrieb übernommen. Zur allgemeinen Überraschung bin ich dann in die Kommunalpolitik eingestiegen – wenn ich dann nach zehn Jahren meine 71 erreicht habe, werde ich mich neu orientieren. Zehn Jahre Bürgermeister werden dann eine tolle Zeit gewesen sein. Aber meine anderen Ehrenämter, vor allem im Brauchtum wie im „Förderverein Düsseldorfer Karneval“ führe ich fort. Ich kann dann wieder mehr Zeit in Freundschaften und in die Familie investieren, mehr Klavier spielen und eigene Texte auf bekannte Melodien für meine Handwerksbäckerfreunde komponieren und gemeinsam auf die Bühne bringen.

Wenn ich wieder mehr Zeit habe, werde ich auch mit meiner Bäckermeisterkluft auf dem Fahrrad durch die Düsseldorfer Altstadt zu meinem Geschäft radeln.

 

Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?

Charakter. Wer einen ausgeprägten Charakter hat, der bleibt sich selbst treu – auch dann, wenn es unbequem wird.

 

Auf welche drei Dinge könnten Sie niemals verzichten?

Die Bücher von Benediktinerpater Anselm Grün, meine Espressotasse vom Prinzenclub, meine Hoppeditz-Figur von Bert Gerresheim.

 

Von Josef Hinkels Espressotasse ist der Aufdruck vom Prinzenclub nach etlichen Jahren abgewaschen (Foto: Privat)

 

Was war Ihr peinlichster Moment?

Mir ist nichts peinlich, außer wenn mir eine Rede nicht gelingt – wenn mir als Bürgermeister kein ordentliches Wort herauskommt. Aber meine Frau und meine Kinder versanken vor Peinlichkeit, als ich einmal auf der Bühne gefragt wurde, wann ich denn das erste Mal intim war, und diese Frage erfrischend ehrlich beantwortete.

 

Auf welches Erlebnis hätten Sie lieber verzichtet?

Als ich vor vier Jahren jemandem mit dem Fahrrad Brot bringen wollte und vom Rad fiel. Ich brach mir den Arm, der Daumen blieb unbeweglich, es gab Nachoperationen. Noch heute kribbelt es und beim Klavierspielen bin ich nicht mehr so gut wie vorher. Man muss aber auch nicht glauben, dass man ungebraucht zum lieben Gott zurückkommt.

 

Welche Eigenschaft haben Sie von Ihrer Mutter übernommen?

Verzeihen können, sie war sehr liebevoll.

 

Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten – welcher wäre das?

Vielleicht ein Mönch – innehalten und auf dem Weg zur Einheit von Körper, Geist und Seele sein. Einen anderen Beruf wünsche ich mir nicht. Nicht mal Kardinal in Köln zu sein.

 

 

 

 

 

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