„Wetten-dass…?“ reloaded mit den Kaulitz-Brüdern: Samstagabends wieder bei Chips und der Family vorm Fernseher?

Marken wiederbeleben lohnt

„Wetten, dass…?“ – gestern angestaubt, morgen stylish

Ob es gelingt, die traditionsreiche TV-Marke „Wetten, dass..?“ mit den Kaulitz-Brüdern wiederzubeleben? Mit der richtigen Verjüngungsstrategie durchaus

(Zuerst erschienen auf wiwo.de am 24.01.2026)

Bill und Tom Kaulitz moderieren die nächste Ausgabe von „Wetten, dass..?“ im ZDF (Fotomontage). Foto: IMAGO/Sven Simon/wiwo.de

Die populären Zwillingsbrüder Bill und Tom Kaulitz übernehmen die legendäre Samstagabend-Show „Wetten, dass..?“ und moderieren sie im Dezember. Ergibt es Sinn, eine angestaubte Marke wiederzubeleben, statt eine neue zu etablieren?

Das ist passiert

Die Presse feiert die Nachricht, dass die Kaulitz-Brüder die ZDF-Show „Wetten, dass..?“ nach dem Abgang des Kult-Moderators Thomas Gottschalk übernehmen. Die Brüder, die einst mit ihrer Band Tokio Hotel Jugendidole waren, sind beim jüngeren Publikum mit ihrer Reality-Show „Kaulitz & Kaulitz“ und ihrem Podcast „Kaulitz Hills – Senf aus Hollywood“ beliebt. Als Ehemann von Heidi Klum ist Tom Kaulitz in der Boulevardpresse omnipräsent. Können die stets gut gelaunten 36-Jährigen der Klassiker-Marke „Wetten, dass..?“ neues Leben einhauchen, Zuschauer zurück an die Bildschirme holen und Jüngere als neue Zielgruppe gewinnen?

Das können Sie daraus lernen

Eine bekannte und etablierte Marke ist wertvoll – auch wenn sie nach vielen Jahren veraltet wirken könnte. Eine Markenverjüngung gelang etwa dem Gesundheitssandalenhersteller Birkenstock oder dem Kräuterlikörproduzenten Jägermeister. Nur in ganz seltenen Fällen sollte man etablierte Marken einstellen: Etwa wenn etwas Kriminelles, Unmenschliches, Desaströses passiert sei und die Marke beschädigt habe, resümiert Markenexperte Frank Dopheide, Inhaber der Beratung Human Unlimited und langjähriger Chef der Werbeagentur Grey. Die „Wetten, dass..?“-Show wirkt wie aus der Zeit gefallen und ist vorhersehbar, sagt er. Alles darin wirkt wie schon mal gesehen und schon mal gehört. Zudem läuft sie im ZDF auf einem Kanal, der die besten Zeiten hinter sich hat und den viele junge Leute vielleicht nie einschalten, urteilt Dopheide.

Doch weil „Wetten, dass..?“ alle Altersklassen und Schichten verbinde und als Marke in den Köpfen fest verankert sei, lohne es, sie wiederzubeleben, meint der Markenprofi. Solch ein Schritt sei aber auch ein Rechenexempel, sagt er: So kostete es den Konzern E.On  50 Millionen Euro, nur den neuen Namen als Marke bekannt zu machen nach der Fusion von Veba und Viag. Die Wiederbelebung einer bereits etablierten, aber in die Jahre gekommenen Marke mit einer ausgeklügelten Strategie koste dagegen ein Zehntel. Wie das funktioniert:

1. An Erlebnisse und Erinnerungen anknüpfen

Unternehmen können mithilfe der emotionalen Zuschreibungen der Konsumenten den Markenwert wieder steigern. Lief „Wetten, dass..?“, saßen in den Achtziger- und Neunzigerjahren die Menschen samstagabends mit der ganzen Familie vor dem Fernseher. Montags redete man bei der Arbeit und in der Schule über die TV-Show. Es war ein Ereignis, „Wetten, dass..?“ hatte Bedeutung.

(Foto: C.Tödtmann)

Vorbilder erfolgreicher Wiederbelebung liefern die Autohersteller VW und BMW, die mithilfe solcher Erinnerungen an die guten alten Zeiten der Sechziger- und Siebzigerjahre anknüpften und Autos wie den Bully, den Käfer und den Mini wieder aus der Versenkung holten.
Bei ihren Werbespots im Kino spielten sie die Musik von damals. „Es entsteht ein Remix: Die Menschen tauchen in das Lebensgefühl von damals ein, rufen alte Erinnerungen ab und verknüpfen diese mit dem Aktuellen, Zeitgemäßen“, erklärt Dopheide.

2. Mut zu Grenzüberschreitungen und neuem Terrain

Viele Unternehmen scheuen – Unrecht – radikale Maßnahmen, beobachtet der Düsseldorfer. Der typische Denkfehler geht so: Die wenigen verbliebenen Konsumenten will man nicht auch noch verscheuchen. Dabei sind Wahrnehmungsbrüche dringend erforderlich, um die nötige Aufmerksamkeit, besonders bei neuen Zielgruppen, zu erhalten. Die verbliebenen Konsumenten halten in Wirklichkeit eine Menge aus, sagt Dopheide. Sie seien die treuen Wegbegleiter mit hoher Markenbindung.

Unternehmen sollten also ruhig etwas wagen. So wie es Birkenstock als Produzent langweiliger Sandalen mit Gesundheitsfußbett gelang, mit dem Wahrnehmungsbruch mit völlig unerwarteten neuen Modellen mit Fell, Lack oder Glitzersteinen sein Image zu verbessern. Als dann Hollywood-Stars die gestylten Sandalen bei öffentlichen Auftritten trugen und damit in der Boulevardpresse erwähnt wurden, avancierte Birkenstock zum Luxus-Label.

3. Interaktionen der Konsumenten auf Social-Media-Kanälen   

Wenn nun jüngere Zielgruppen auf Instagram, TikTok und Facebook die wiederbelebte Marke erwähnen oder feiern, ist ein weiteres Ziel erreicht: Teure Influencer-Honorare werden dann unnötig. Posten die Kaulitz-Brüder über „Wetten, dass..?“ für ihre Follower, sei der Werbewert enorm und kaum bezahlbar, analysiert Dopheide. Tom Kaulitz hat bei Instagram eine Million und sein Bruder Bill 1,5 Millionen Follower, Fans des Podcasts summieren sich auf 1,2 Millionen Menschen. Weil die Brüder weder abgehobene Typen noch aggressive Rapper seien, sondern als nette, junge Männer daherkämen, vermittelten sie ein menschliches Wohlgefühl, das gut zu „Wetten, dass..?“ passe, erklärt der Experte. Für die Marke gibt das Hoffnung – nun muss sich die Sendung als Produkt beweisen.

 

 

 

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