Elon Musk und seine Bande auf der Flucht von Mutter Erde in die unendlichen Weiten des Alls
Gastbeitrag von Frank Dopoheide von Human Unlimited

Gastb Frank Dopheide (Foto: C. Tödtmann)
Kapitalismus im Endstadium.
„Je reicher jemand wird, desto weniger glaubt er an die Zukunft,“ sagt Douglas Rushkoff, Professor für digitale Wirtschaft in New York in seinem neuen Buch „Survival of the Richest“. Der amerikanische Vordenker hat unsere Vorstellung von der Zukunft und Begriffe wie »viral gehen« und »Digital Natives« geformt. Nun beschreibt er einen massiven „Mindshift“ der Tech-Milliardäre, ihren Größenwahn und zunehmenden Fluchtinstinkt. Und die Auswirkungen für alle. Doch fangen wir vorne an.
Einst brachten Unternehmensgründer und -lenker menschliche Bedürfnisse und technologische Möglichkeiten zusammen und schufen so Fortschritt, große Unternehmen und große Vermögen.
Am Anfang war der Wille zum Guten
Es war eine verheißungsvolle Zeit, als das Internet und die heute wertvollsten Konzerne des Planeten das Licht der Welt erblickten. Eine neue Ära, um den Einzelnen und die Menschheit als Ganzes zu ermächtigen. Das Internet als direkter Draht zu Märkten und Möglichkeiten und dem gesammelten Wissen der Menschheit – frei zugänglich für jedermann. Eine weltumspannende Maschine, um die menschliche Intelligenz und Kreativität zu entfesseln. Das Silicon Valley machte sich an die Arbeit, um die Welt besser zu machen. „Think different“ und „Don’t do evil“ waren Versprechen, die Millionen Menschen und Milliarden Dollar bewegten.
Es ging um die Zukunft und um alle
Doch die Logik der Finanzmärkte erstickte die romantischen Vorstellungen im Keim. Mit dem großen Geld kamen nicht die großen Möglichkeiten, sondern die großen Profits. Statt Menschen zu beflügeln, begann die Technologie, Menschen zu tracken, um ihr Verhalten berechen- und monetarisierbar zu machen. Einer Art Zeckenindustrie, die menschliche Aufmerksamkeit und Daten absaugt und meistbietend weiterverkauft. Die Zukunft mutierte zum Geschäftsmodell.
Nun wendet sich Tech-Elite vom Menschen ab
Der Mensch ist kostspielig, kompliziert und unkalkulierbar. Ihn zu ersetzen verspricht große Profitsprünge. Kapitalismus next level. Der Kunde ist schon längst nicht mehr König, sondern nur noch User. Eine Art Übergangstechnologie, auf dem Weg zum Bot und in die Singularität – die neue Zeitrechnung, in der die Maschinen überlegen sind. Silicon Valley Ikone Ray Kurzweil, schrieb schon vor zwanzig Jahren das passende Buch über diese nächste Stufe der Evolution: die Mensch-Technologie-Verschmelzung. Willkommen im Zeitalter des den Transhumanismus.
So ist das Ziel der Tech Milliardäre nicht mehr die Realität zu verbessern, sondern ihr zu entkommen, sagt Rushkoff.
Silicon Valley ist nicht länger auf Weltrettung programmiert, sondern auf der Flucht.
Rette sich, wer es sich finanziell leisten kann. Das fängt schon in den eigenen vier Wänden an. Statt Smarthome ist heute Survival Architecture angesagt, um für den Weltuntergang gerüstet zu sein. Der Doomsday Bunker als Signature Piece. Sicher ist sicher. Fragen Sie Marc Zuckerberg.
Die Technologie wird zur Rettungskapsel in neue Welten: Metaverse, Marskolonie oder Kryonik (das Einfrieren nach dem Tod). Entstanden aus der Überzeugung, dass man mit grenzenlosen Mengen an Geld, Daten und Serverkapazitäten selbst Naturgesetze aushebeln kann – inklusive Schwerkraft, Klimawandel, und den eigenen Tod.
Was passiert mit der Zukunft, wenn selbst die reichsten und wirkmächtigsten Menschen den Glauben an sie verloren haben?
Wenn sich eine Wirtschaftselite aus der Welt ausloggt, statt sie zu gestalten? Der Tech-Milliardär flieht auf den Mars, der deutsche Topmanager in die Quartalszahlen. Selbst Gründer starten ihr Unternehmen heute gern mit einem Exitplan. Wer denkt heute noch in Generationen? Allerdings kann mit keiner Dividende der Welt eine verlorene Zukunft zurückgekauft werden. Aber anders als die Schwerkraft ist der Kapitalismus keine Naturgewalt, die in alle Ewigkeit wirkt.
Wir sollten dem amerikanischen Narrativ nicht auf den Leim gehen
Die Zukunft ist kein Planet, auf den man flieht. Sie ist ein Ort, den wir erschaffen. Nach mir die Sintflut, ist kein Rettungsplan, nicht einmal für die Flüchtigen. Kein Ort auf der Erde ist so tot wie der Mars: Minus siebzig Grad, kein Sauerstoff, kein Wasser, kein Grün, aber jede Menge tödliche Sonneneinstrahlung.
Zum Wesen der Zukunft gehört es, dass sie noch nicht geschrieben ist. Wir wissen, was zu tun ist, und haben die Technologie dazu. Es braucht keine Innovation, die Rendite steigert, sondern eine, die Türen öffnet. Denken wir die Zukunft nicht ohne den Menschen. Der Mensch ist kein Systemfehler, sondern ein besonderes Wesen. Wenn ein Sturm aufzieht, gehören Kapitän, Crew und alle Mann an Deck, nicht in den Fluchtwagen. Und bündeln wir unsere Kräfte – in Deutschland und in Europa. Wir haben den größten Binnenmarkt der Welt, bewiesen, dass der Wille zur gemeinsamen Gestaltung einen ganzen Kontinent befrieden, verändern und beflügeln kann. Und sind das weltweit erfolgreichste Beispiel, dass Verbünden wirkungsvoller ist als Spalten. Lassen wir uns nicht klein und nicht irre machen.
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Endlich eine positive Sicht der aktuellen Lage. Wir Menschen sind stärker als jede politische und wirtschaftliche Strömung. Das Leben ist Veränderung und gerade in der Not undaunted Druck reift der Mensch; wird zum Überlebenskünstler, wird innovativ und hört auf sich gängeln zu lassen. Danke für endlich einmal ein Artikel der an den Menschen glaubt.