Wenn autoritären Chefs die Leute weglaufen. Was Mitarbeiter aus ihren Unternehmen preisgeben

Führung: Autoritären Vorgesetzten laufen die Mitarbeiter weg

Wollen Teams in Krisenzeiten mit harter Hand geführt werden? Soll das wirklich besser funktionieren? Eine Studie von HR Works jedenfalls kommt zum gegenteiligen Ergebnis nach einer Befragung von rund 2.100 Beschäftigten zum Führungsstil in ihrer Company.

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Das Ergebnis: Kooperativer Führungsstil ist aus Sicht der Mitarbeiter fast dreimal so wirksam wie autoritäre Chefs. Nur 24 Prozent der Befragten glauben an die Wirkung von autoritärem Gebaren in Krisen. Von den Befragten, die autoritäre Chefs haben. Zudem denken 37 Prozent der Beschäftigten mit einem autoritären Vorgesetzten genau deshalb darüber nach, ob sie ihren Arbeitgeber lieber verlassen wollen. Von den Befragten mit souveränen, moderaten Chefs denken nur elf Prozent daran, vergleicht Ivana Baumann von HR Works.

 

Iinhaltlich schneiden die kooperativen Chefs ebenfalls besser ab: 82 Prozent der Mitarbeiter erleben sie als entscheidungsfreudiger,  87 Prozent als lösungsorientierter.

Auch in puncto Kommunikations und Kompetenz sind sie überlegen Sie können aktiver zuhören (86 Prozent) und betragen sich wertschätzend (83 Prozent) und konsequenter (76 Prozent).

Legt das Top-Management keinen Wert auf – teure – Fluktation, sollte es autoritären Führungsstil seiner Führungskräfte abstrafen und verhindern. Denn für 43 Prozent der Beschäftigten sind autoritäre Chefs ein möglicher Kündigungsgrund, 31 Prozent haben genau aus dem Grund schon früher, bei ihren Ex-Arbeitgebern, Konsequenzen gezogen und verließen sie.

 

Über die Studie

Für die Umfrage befragte der Marktforscher Bilendi für HR WORKS 2.083 Beschäftigte im Alter von 18 bis 65 Jahren. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden betrug zum Zeitpunkt der Befragung im August 2025 45 Jahre. 76 % von ihnen waren in Vollzeit berufstätig, 24 % in Teilzeit. Die Studie deckt Unternehmensgrößen von KMU bis Konzernen ab.

 

Was die Mitabeiter konkret am Arbeitsplatz erleben, was sie aus dem Nähkästchen plaudern:  

 

Muster

Kurz-Erklärung

Konkrete Zitate aus den O-Tönen*

Cholerik und Einschüchterung

Explosive Wutausbrüche, Anschreien, Drohgebärden, körperliche Aggression. Erzeugt Angst statt Führung. „Er war ein absoluter Choleriker.“
„Cholerisch, hat Schränke zerkloppt.“
„Cholerische Ausbrüche und Vorführen vor anderen waren Alltag.“
„Er hat mich vor Kollegen angeschrien und beschimpft.“
„Der stand zwei Zentimeter vor mir und hat mich angeschrien.“
„Mitarbeiter wurden vor versammelter Mannschaft angebrüllt.“
„Cholerische Anfälle gepaart mit hinterhältigem Agieren.“
„Jähzornig, rumschreien, keine Wertschätzung, kein Danke.“
„Ein cholerischer Chef trat mir gegen den Bürostuhl, weil ihm etwas nicht passte.“
„Cholerisches Anbrüllen ohne Begründung Niveau: ‚weil ich es Ihnen sage‘.“

Demütigung und öffentliche Bloßstellung

Lächerlich machen, öffentliche Beschämung, verbale oder körperliche Demütigung vor Dritten. „Unterdrückung der Mitarbeiter, Bloßstellen vor Kollegen.“
„Bloßstellen das war sein Standardwerkzeug.“
„Ich bekam vor allen Mitarbeitenden eine gescheuert.“
„Ich wurde vor dem ganzen Team bloßgestellt.“
„Lächerlichmachen meiner Erfolge in der Teamsitzung.“
„Regelmäßige Bloßstellungen am Montagmorgen vor allen Führen mit harter Hand.“
„Bloßstellung und Psychoterror statt Feedback.“
„Er stellte mich in einem Meeting demonstrativ bloß, um sich selbst zu profilieren.“
„Demütigung jeden Tag nie ein konstruktives Wort.“
„Kritik grundsätzlich vor Publikum, um jemanden ‚fertigzumachen‘.“

Mobbing und systematische Ausgrenzung

Gezieltes Fertigmachen, Isolation, Intrigen, Bossing häufig mit Machtgefälle. „Das übliche Mobbing angeführt von der Führungskraft.“
„Ich wurde systematisch isoliert.“
„Der Chef hat Kollegen gegen mich aufgehetzt.“
„Bewusstes Vorenthalten von Infos, damit ich schlecht dastehe.“
„Die Führungskraft hat Mobbing aktiv unterstützt.“
„Ständige Schikane mit dem Ziel, mich rauszudrängen.“
„Psychischer Druck, bis ich innerlich gekündigt habe.“
„Sticheleien vor anderen, jeden Tag.“
„Gezieltes Ausgrenzen aus Terminen und Projekten.“
„Abwertung und Lächerlichmachen über Monate statt Klärung.“

Sexismus und sexualisierte Kommentare

Sexistische Sprüche, sexualisierte Anspielungen, Abwertung aufgrund des Geschlechts, sexualisierte Machtspiele. „Meistens sexistische Kommentare vom Vorgesetzten.“
„Sexuelle Belästigung durch zweideutige Bemerkungen.“
„Ich solle besser Hausfrau sein und in die Küche gehören.“
„Frauen wurden nur als Deko gesehen.“
„Kommentar über meinen Körper vor dem ganzen Team.“
„Anzügliche Nachrichten nach Feierabend.“
„Blöde Sprüche über Schwangerschaften und Mütter.“
„Kolleginnen wurden offen nicht ernst genommen, nur wegen ihres Geschlechts.“
„Sexistische Witze waren fester Teil der ‚Führungskultur‘.“
„Führungskraft nutzte ihre Position für übergriffige Annäherungen.“

Druck bei Krankheit und fehlende Empathie

Abwertung oder Sanktionierung von Krankheit, psychischer Belastung und privaten KSchwangerschaft und Familie als Problemrisen; Null-Empathie. „Druckausübung während meiner Krankschreibung.“
„Mir wurde gesagt, ich sei nicht krank genug, um zu fehlen.“
„Zwang zur Arbeit trotz ärztlicher Krankschreibung.“
„Keine Rücksicht bei schwerer Krankheit in der Familie.“
„Krankheit wurde als Illoyalität ausgelegt.“
„Psychische Probleme wurden ins Lächerliche gezogen.“
„Nach einem Todesfall wurde mir vorgeworfen, zu sensibel zu sein.“
„Kommentar: ‚Stellen Sie sich nicht so an.‘“
„Erwartung, mit Fieber im Büro zu erscheinen.“
„Private Schicksale wurden kalt abgebügelt nur Zahlen zählten.“
Offene Abwertung von Schwangerschaft, Elternzeit und familiären Pflichten; Diskriminierung von (werdenden) Eltern. „Schlechte Beurteilung wegen Elternzeit.“
„Kein Verständnis für Alleinerziehende.“
„Aussage: Ich solle zu Hause bei den Kindern bleiben.“
„‚Dann stelle ich eben keine Frauen mehr ein, die werden nur schwanger.‘“
„Abwertung nach Mitteilung meiner Schwangerschaft.“
„‚Kannst ja wiederkommen, wenn du geworfen hast.‘“
„Familienpflichten wurden als lästig und unprofessionell dargestellt.“
„Keine Rücksicht bei Krankheit des Kindes.“
„Mütter galten automatisch als weniger belastbar.“
„Vater in Elternzeit wurde offen verspottet.“

Kontrolle und Misstrauenskultur

Überwachung, extremes Micromanagement, ständiges Infragestellen; kein Vertrauen in Mitarbeitende. „Absolute Kontrolle über alles.“
„Er hat alles überwacht und niemandem etwas zugetraut.“
„Jede Kleinigkeit musste abgesegnet werden.“
„Vertrauen gab es nicht nur Kontrolle.“
„Arbeitszeit und Pausen wurden streng überwacht.“
„E-Mails und Aktivitäten wurden regelmäßig kontrolliert.“
„Jede Entscheidung wurde angezweifelt.“
„Micromanagement bis ins Absurde.“
„Man stand permanent unter Beobachtung.“
„Misstrauen war die Standardhaltung gegenüber dem Team.“

Drohung, Kündigung und Machtspielchen

Offene oder subtile Drohungen mit Kündigung/Abmahnung, Ausspielen von Macht, Einschüchterung über Job-Sicherheit. „‚Wenn es Ihnen nicht passt, können Sie gehen.‘“
„Drohungen, dass man gekündigt wird, wenn man widerspricht.“
„Er drohte ständig mit Abmahnungen.“
„Kündigung wurde als Druckmittel eingesetzt.“
„Sie hat meine Kündigung betrieben und darüber gelacht.“
„Botschaft: Du bist jederzeit austauschbar.“
„Mit Entlassung gedroht, weil ich Kritik geäußert habe.“
„Angst statt Dialog das war das Führungsprinzip.“
„Ständige Androhung, Projekte oder Zuständigkeiten zu entziehen.“
„Machtspiele statt Führung, um sich überlegen zu fühlen.“

Dauerverfügbarkeit und Überlastung

Erwartung ständiger Erreichbarkeit, extreme Überstunden ohne Ausgleich, Abwertung von Pausen/Freizeit. „Überstunden ohne Bezahlung wurden erwartet.“
„Trotz erheblicher Überstunden hieß es: ‚zu wenig Leistung‘.“
„Es wurde erwartet, auch am Wochenende zu arbeiten.“
„Urlaub wurde infrage gestellt, wenn etwas liegen blieb.“
„Ich durfte so viele Überstunden machen, wie ich wollte auszahlen wollte sie keiner.“
„Pausen galten als Schwäche.“
„Dauerstress war normal, Klagen unerwünscht.“
„Erreichbarkeit auch abends und im Urlaub wurde vorausgesetzt.“
„Wer Grenzen zog, wurde als nicht belastbar abgestempelt.“
„Realistische Arbeitszeiten wurden als Illoyalität interpretiert.“

Abwesenheit und Desinteresse

Führung findet nicht statt: nie da, nicht erreichbar, kein Interesse an Menschen, Stimmung oder Problemen. „War nie an seinem Arbeitsplatz, war schwer erreichbar.“
„Hat sich nicht interessiert, wie man sich fühlt.“
„Desinteresse am Team, keinerlei Rückhalt.“
„Desinteresse und keine Kommunikation.“
„Desinteresse am Mitarbeiter.“
„Desinteresse, freche Antworten, inkompetente Ratschläge.“
„Null Interesse für seine Mitarbeitenden, nur für die eigene Karriere.“
„Desinteresse am Team und kaum Einbindung in Entscheidungen.“
„Völliges Desinteresse mitten im Gespräch einfach weggegangen.“
„Nie da faktisch führungslos.“

Fachliche oder persönliche Inkompetenz

Offensichtliche Führungs- oder Fachdefizite; Entscheidungen aus Ahnungslosigkeit, Überforderung oder Ego heraus. „Ja, die Person war einfach inkompetent und hatte mit ihren eigenen Launen zu kämpfen.“
„Absolute Unfähigkeit.“
„War absolut inkompetent.“
„Inkompetenz gepaart mit Rechthaberei das hat die Arbeitsplätze aller gefährdet.“
„Mir wurde gesagt: ‚Du bist nicht geeignet und kannst das nicht.‘“
„Unfähig in sämtlichen Belangen einer Unternehmenskultur.“
„Auf Rückfragen konnte er fachlich nichts erklären.“
„Ein Chef, der weniger Ahnung hatte als das ganze Team und das mit Härte überspielte.“
„Fehlentscheidungen am Fließband, weil die Grundlagen nicht verstanden wurden.“
„Keine Führungsqualitäten, aber großes Ego.“

Mangelnde Wertschätzung und Respekt

Kühle, herablassende, respektlose Haltung; keine Anerkennung, kein Danke, Menschen werden klein gemacht. „Respektlosigkeit, Bedrohung und Beleidigung.“
„Respektloses Verhalten gegenüber mir.“
„Respektlos von oben herab.“
„Keine Wertschätzung, kein Danke nur Kritik.“
„Ältere Kolleginnen wurden mit süffisantem Lächeln abgekanzelt.“
„Schlechte Entlohnung, keine Wertschätzung.“
„Lügen, Manipulation, respektlos, unfreundlich.“
„Meine Leistung wurde klein geredet, egal wie gut sie war.“
„Kunden waren mehr wert als ich das hat er mir klar gesagt.“
„Man war nur eine Nummer, nie ein Mensch.“

Unfairness und Bevorzugung

Bevorzugung einzelner, Vetternwirtschaft, Willkür bei Aufgaben, Chancen, Bewertung. „Hat andere Mitarbeitende bevorzugt behandelt.“
„Familienmitglied in der Abteilung wurde ständig bevorzugt.“
„Schlechte Kommunikation und Ungleichbehandlung ich Chef, du nix.“
„Ungerechte Behandlung immer die gleichen mussten einstecken.“
„Bevorzugung von Kolleg:innen wegen persönlicher Nähe.“
„Cholerisch und ungerecht.“
„Ungerechtigkeit und falsche Beschuldigungen.“
„Nur wer geschleimt hat, wurde befördert.“
„Wenn von drei Mitarbeitenden immer einer die schönen Aufgaben bekommt.“
„Willkür bei Urlaubsvergabe und Arbeitszeiten.“

Schlechte Kommunikation und Inkonsequenz

Keine oder widersprüchliche Infos, unklare Ziele, Zusagen werden gebrochen; erzeugt Unsicherheit. „Schlechte bis gar keine Kommunikation.“
„Schlechte Kommunikation, weil die Führungskraft kaum Deutsch konnte.“
„Fehlende Kommunikation.“
„Desinteresse und keine Kommunikation.“
„Unklare Ansagen, danach etwas anderes entscheiden.“
„Probleme wurden nie direkt angesprochen.“
„Informationen kamen immer zu spät oder gar nicht.“
„Heute so, morgen so keine Linie.“
„Versprechen gemacht, die nie eingehalten wurden.“
„Mitarbeitende erfuhren von Entscheidungen über den Flurfunk.“

Grenzverwischung und  Unprofessionalität

Vermischung von Privat und Beruf, persönliche Angriffe, Übergriffigkeit, private Dienste, fehlende professionelle Distanz. „Es wurde erwartet, dass ich private Erledigungen für ihn mache.“
„Im Privatleben eingemischt.“
„Mein Chef wollte privat etwas von mir nach der Ablehnung wurde ich systematisch fertiggemacht.“
„Beleidigungen weit unter der Gürtellinie.“
„Handgreiflichkeiten und Beleidigungen endete vor Gericht.“
„Privatleben wurde gegen mich verwendet: ‚Ihre Probleme interessieren mich nicht.‘“
„Zu viel privates Gequatsche mit Lieblingskollegen, während andere die Arbeit machen mussten.“
„Unprofessionelle Kommentare über Aussehen und Beziehungsstatus.“
„Vorgesetzter kümmerte sich lieber um seinen privaten Weinberg als um Mandanten und Team.“
„Grenzüberschreitende Sprüche, Alkohol, Flirtversuche auf Firmenevents.“

Qiuelle: Umfrage von HR Works 2025

 

 

 

 

 

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