Wenn man immer wieder krank in die Ferien startet – ein Phänomen, das jetzt erforscht wird

(Foto: C.Tödtmann)
Kaum beginnt der Urlaub und sie werden krank? Schon wieder? Dann sind Sie keine Ausnahme. Eine Studie der IU Internationalen Hochschule zeigt: 72 Prozent der Beschäftigten in Deutschland leiden unter Erschöpfung und Krankheitssymptomen an freien Tagen oder im Urlaub. „Oft beginnt die Freizeitkrankheit direkt zum Start ins Wochenende oder am ersten Urlaubstag, auch der Feierabend kann betroffen sein“, beschreibt die Studie. Der Körper reagiert auf Entspannung paradoxerweise mit Stresssymptomen wie Erschöpfung oder Schlafproblemen.
Wissenschaftler nennen das Leisure Sickness. Diese sogenannte Freizeit- oder Wochenendkrankheit zeigt Symptome wie Erschöpfung, Erkältung, Kopfschmerzen oder Schlafprobleme.
Warum sie entsteht: Laut IU-Studie oft durch chronischen Stress, fehlende Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit und dauerhafte Erreichbarkeit. Der Körper reagiere auf den abrupten Wechsel zwischen Hochleistung und Stillstand. Die sei ein Warnsignal, das ernst genommen werden sollte.
Mangelnde Unterstützung von Chefs und Kollegen
Nach der IU-Studie sind die Belastungsfaktoren insbesondere:
– hoher Arbeitsdruck (34 Prozent),
– mangelnde Unterstützung durch Vorgesetzte und Kollegen (30 Prozent) sowie eine
– unklare Aufgabenverteilung (23 Prozent) und
– unklare Aufgabenstellungen (21 Prozent).
Die Studie weiter: „Die Ergebnisse zeigen, dass Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit, hohe Arbeitsbelastung und fehlende Erholung klare Risikofaktoren für Krankheitssymptome an freien Tagen sind“, sagt Stefanie André, Professorin für Gesundheitsmanagement an der IU. Und weiter: „Besonders jüngere Arbeitnehmende fühlen sich häufiger verpflichtet, außerhalb der Arbeitszeit erreichbar zu sein, was zu einer eingeschränkten Erholung führt.“
Besonders bedenklich: Über 50 Prozent der Beschäftigten bis 25 Jahre haben in der Studie erklärt, dass ihr Privatleben nicht ausreichend Erholung biete, um den Anforderungen im Beruf gerecht zu werden.
Tipps für Führungskräfte
Die Wissenschaftlerin André hat Tipps parat für Führungskräfte: Sie sollten als Vorbild selbst regelmäßig Pausen und Auszeiten nehmen, offene Gespräche über Belastung und Regeneration im Team fördern sowie eigene Grenzen sichtbar machen und akzeptieren.
Dann sollten sie Pausen flexibilisieren und individuelle Erholungsstrategien ermöglichen und klare Regelungen zur Erreichbarkeit etablieren.
Wichtig ist obendrein, die Aufgaben so strukturieren, dass sie nachvollziehbar, machbar und sinnhaft sind.
Wichtig sei es, die drei Grundbedürfnisse gesunder Arbeit zu fördern, nämlich: Verstehbarkeit, Handlungsfähigkeit und Sinnhaftigkeit, so André. Wer diese im Führungs- und Arbeitsalltag stärke, lege die Basis für langfristige Gesundheit bei sich selbst und im Team.


