Iloyale Mitarbeiter: Was Coachs raten, wenn Manager Heckenschützen in der eigenen Company fürchten müssen

So finden Sie heraus, ob Sie illoyale Mitarbeiter haben

Führungskräfte sollten darauf achten, ob sie illoyale Mitarbeiter haben, die heimlich ihre Projekte torpedieren.

Für Führungskräfte und Manager gibt es im Unternehmensalltag  Anhaltspunkte, an denen sie festmachen können, ob sie solche Heckenschützen, wie sie im Managementjargon genannt werden,  fürchten müssen. Eine Kurzformel, um sich als Vorgesetzter zuerst selbst zu hinterfragen, geht laut Organisationsexperte Raimund Gebhardt so: „Bekomme ich ehrliche Einwände, schnelle Infos, sichtbare Initiative?“ Ist die Antwort dreimal „Nein“, stehe das Team neben ihm, nicht hinter ihm, sagt der Coach.

 

Raimund Gebhardt (Foto: Privat)

Diese Tipps geben Führungskräften Orientierung, um zu merken, wer illoyal ist und wie sie damit umgehen sollten.

 

1. Heimlich Illoyale finden durch Zuhören

Gibt es Indizien, dass im Team verkappte Feinde sind, sollten Manager das nicht ignorieren, sondern versuchen, sie zu finden. Nur, so eindeutig wie bei einer Wahl in der Politik ist die Situation nicht, sondern „in Unternehmen es ist viel komplizierter“, sagt Management-Coach Hanns-Sebastian Müller. Führungskräften rät er, auf allen Ebenen viel zu kommunizieren. Kollegen und Mitarbeitern in der Kantine, aber auch mit Gesellschaftern und Aufsichtsräten oder den Kunden außerhalb des Unternehmens solle man gut zuhören. „Die Menschen verraten viel, bewusst oder unbewusst“, beobachtet der Coach, der zuvor selbst jahrelang Vorstand war. Wichtig sei, das Gespräch zu suchen, gut zuzuhören und vor allem auf die Zwischentöne zu achten.

 

Schwer erkennbare Intriganten und Falschspieler

Müller berichtet von einem typischen Fall: Eine Assistentin trauerte insgeheim ihrem früheren Chef nach und sabotierte den Neuen. Sie sagte dem Neuen nur, dass sein Aufsichtsrat angerufen hat – aber nicht, dass er das schon dreimal tat und wie dringend es war. Deshalb erkannte der Vorgesetzte die Brisanz der Lage nicht, reagierte zu langsam und zog die Wut seines Aufsichtsrats auf sich, schildert Müller. Auf die Idee, daraufhin nachzuhaken und die Frau zu fragen, was ihr Problem war, kam der Mann aber nicht, erinnert sich Müller.

Hanns-Ferdinand Müller  (Foto: C.Tödtmann)

Gefährlich sind auch Menschen, die neidisch sind, frustriert, verzweifelt  oder gekränkt.  Weil sie zum Beispiel selbst auf den Posten ihres Chefs wollten, aber bei der Beförderung übergangen wurden. Die kann ein neuer Vorgesetzter nur herausbekommen durch viel Kommunikation.

Eine andere Taktik von Untreuen ist schwieriger zu erkennen: Sie lenken von sich selbst ab und gaukeln dem Chef vor, dass andere ihm gegenüber illoyal sein, beschreibt Müller. Das Muster ist: Sie lügen, behaupten Dinge über Kollegen, die nicht stimmen und lassen diese als illoyal dastehen. Ihre scheinbar dahingeworfenen, kumpelhaft daherkommenden Sätze wie „Na, mit dem Mitarbeiter haben Sie aber ein Problem“, sollen den Manager bewusst auf die falsche Fährte locken. Diese Intriganten haben sehr unterschiedliche Motive. „Mal wollen sie dem Chef nur eins auswischen, mal dessen Position schwächen“, führt Müller aus.

 

Kritiker sind keine Saboteure

Der Chef hatte eine neue IT angeschafft für eine sechsstellige Summe. Die konstruktiven Typen aus der Belegschaft sprachen offen mit ihm über die Schwächen der neuen Technik. „Sie schenkten ihrem Chef ihre Meinung“, nennt es Coach Müller. Die zählten nicht zu den Saboteuren – auch wenn Manager sie zuweilen wegen ihres vermeintlichen Widerspruchs im Feindeslager verorten. Richtig sei das Gegenteil. Bei vielen Führungskräften beobachte Müller jedoch, dass sie den Fehler machten, Kritik persönlich zu nehmen, statt sie als Chance zur Verbesserung zu erkennen – und von ihrer Person zu trennen. Dass jemand inhaltlich eine andere Meinung hat, heiße nicht, dass er die Person nicht unterstütze und illoyal ist. „Eitle Chefs verwechseln das und wittern Illoyalität, doch das ist unprofessionell“, sagt Müller.

Heikel sind dagegen Saboteure, die aus Illoyalität oder Abneigung gegen den Chef ihre wahre Gesinnung verheimlichten. Diese Mitarbeiter lehnten solch ein neues IT-Projekt oder jede andere Veränderung ab, redeten hinter dem Rücken des Managers schlecht darüber und blockierten, wo immer es ging.

 

So erkennen Chefs loyale Teams: An ihrer Sprache….

Wenn nach einem Misserfolg keine Schuldzuweisungen erfolgen, sondern mit Fehlern gemeinsam umgegangen wird. Raimund Gebhardt präzisiert:  Dann hört der Vorgesetzte  aus dem Team Sätze wie „Da haben wir die internen Deadlines wohl zu optimistisch kalkuliert“ und nicht Schuldzuweisungen vorzunehmen wie „da hat er etwas falsch eingeschätzt“.

Dasselbe gilt für Erfolge. Die Sprache zeigt die Haltung, so der Coach. Heißt es „wir haben etwas Gutes auf die Beine gestellt“ und nicht „ich habe das Konzept durchgesetzt“, stimme die Loyalität.

 

 … und an ihrer Hilfe

Andere Hinweise auf gelebte Team-Loyalität seien Schnelligkeit und Selbstverständlichkeit, wenn er selbst Hilfe braucht. Muss der Chef nicht lange bitten, sondern wird er spontan unterstützt, hat er einiges richtig gemacht: Braucht er zum Beispiel Input für eine Präsentation und die Mitarbeiter schicken ihm nicht nur Material, sondern ergänzen es noch mit persönlichen Einschätzungen, stimmt die Loyalität.

 

Positive Indizien: Unterstützung, Respekt und Vertrauen untereinander

Unterstützen sich die Teammitglieder gegenseitig und arbeiten gut zusammen, ist auch das ein positives Zeichen für den Manager. Was er dafür tun kann? Respekt und gegenseitiges Vertrauen unter den Mitarbeitern fördern sowie auf positive und kollegiale Arbeitsatmosphäre hinzuarbeiten, rät Gebhardt. Sein Rat: Chefs sollten regelmäßig mit dem Team kommunizieren, die Meinungen ihre Teammitglieder einholen und sicherstellen, dass sich jeder einzelne unterstützt und wertgeschätzt fühlt. Das Ziel ist, dass sie sich wohlfühlen und die Zusammenarbeit schätzen.

 

Was man tun kann gegen Illoyale

Das Gegenmittel ist offene Kommunikation, rät Müller. Sieht es so aus, als sei man auf einen illoyalen Menschen gestoßen, sollte man ihn offen ansprechen, sonst gärt das Problem weiter. Nur so kann eine Führungskraft herausbekommen, wo dessen Problem liegt.  Und so kann sich zeigen, ob derjenige vielleicht gar nicht illoyal ist, sondern er tatsächlich Opfer einer Intrige eines anderen ist.

 

 

 

 

 

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