Von Querulanten und säumigen Zahlern
Rolf Claessen macht sich zu Weihnachten selbst ein persönliches Geschenk – und darauf freut er sich wie Bolle. Schon wenn er nur davon erzählt, sieben Monate vorher. Die zwei nervigsten Mandanten aus dem vergangenen Jahr wirft der Patentanwalt dann raus. Das kann jemand sein, der nicht zahlt, der sich als Querulant erweist und sagt, er habe die Dienstleistung gar nicht in Auftrag gegeben. Oder wer alles sofort haben will, aber selbst monatelang nicht zahlt. Die Rechnungen nämlich, die nach drei Monaten noch nicht bezahlt wurden, bekommt Claessen auf einer Liste aus der Buchhaltung seiner Kanzlei – Michalski Hüttermann – mit der Vorgabe, sie abzutelefonieren und bei den Mandanten nachzuhaken.
Im Dezember ruft er dann die beiden Klienten, die ihn übers Jahr am meisten genervt haben, persönlich an und sagt ihnen, es sei ihm zu anstrengend mit ihnen. Und dass er sie nicht weiter betreut. Dass sie mehreren Gelegenheiten hatten zu zahlen, aber es habe nicht geklappt. Wie die reagieren? Meistens total aggressiv, sagt der studierte Chemiker.

Rolf Claessen (Foto: C.Tödtmann)
Mit dem Mandanten im Porsche zum Ortstermin
Einer derjenigen, die von Claessen so einen Anruf bekamen, war zum Beispiel ein Musikproduzent mit einem sehr teuren Porsche. Der Mann wollte in eine Dachziegelfirma investieren, die viele Patente besaß. Claessen sollte mit ihm in dessen Porsche zu der Firma in Westfalen fahren und ihm einen Überblick über deren Patente-Portefeuille verschaffen. Dafür sollte sich der Patentanwalt um acht Uhr früh bei dem Produzenten zuhause einfinden und in dessen Porsche mitfahren zu der Firma. Claessen machte die Ansage, der Tagessatz betrüge 2000 Euro und der Einsatz dauerte zehn Stunden, erinnert sich der Kölner. Doch als es daran ging, die Rechnung der Kanzlei zu begleichen, wollte der Produzent kneifen. Er hätte den Patentanwalt ja nie beauftragt, fabulierte er plötzlich. Erst der Mahnbescheid brachte ihn dazu, seinen Dienstleister zu bezahlen.
Dieses Ritual fällt Claessen nicht schwer, weil sein Mandantenstamm aus rund 2000 Unternehmen besteht. Die stammen meist aus dem großen oder kleinen Mittelstand und er berät nicht – wie manche seiner 26 Kanzlei-Kollegen – nur fünf große Konzerne. Der könnten nicht mal eben zwei Klienten verschmerzen.
„Meinen Sie das ernst?“
Doch sogar auf einen Termin vor Gericht ließ es ein anderer säumiger Zahler ankommen: Der Verklagte war ein Schönheitschirurg. Der Mediziner hatte eine Wundsalbe entwickelt, für die Claessen das Patent anmelden sollte und dafür drei Tage gearbeitet hatte. Doch plötzlich besann sich der Arzt um, wollte das Patent doch nicht mehr einreichen und – so seine Logik – auch die Kosten des Patentanwalts von knapp 5000 Euro nicht mehr bezahlen. „Meinen Sie das ernst?“ fragten die Richter den Mann im Termin – und verurteilten ihn zur Zahlung.

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