Fragebogen „Nahaufnahme“ mit FinTech-Unternehmer Hans Stockfisch, dessen Dinnergäste kaum ein zweites Mal zum Essen kommen

Den Fragebogen „Nahaufnahme“ beantwortet Hans Stockfisch, Gründer und CEO des Hamburger Leasing-FinTechs Flexvelop

 

Hans Stockfisch (Foto: PR)

Erklären Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen tut.

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Womit beginnt Ihr Tag?

Um vier Uhr früh mit einer Laufrunde, Meditation und guter Laune. Dann wache ich gegen 6.30 Uhr tatsächlich auf und schlafwandle mit mäßiger Stimmung zur Kaffeemaschine.

 

Was unterscheidet Sie von anderen im Auftreten und im Behave im Job?

Ich war vor meinem Unternehmerleben zwölf Jahre Offizier bei der Bundeswehr und da haben sich Vorsätze wie „Fünf Minuten vor der Zeit ist des Soldaten Pünktlichkeit“ bei mir eingebrannt: Ich bin immer der erste in Meetings.

 

… und was würden Ihre Mitarbeiter darauf antworten?

 „Wo bleibt Hans?“

 

Tee oder Kaffee?

Long Island Ice Tea jederzeit. Bei warmen Getränken kommt für mich nur Kaffee in Frage. Echten Tee habe ich schon immer gehasst. Warmes Wasser mit fadem Beigeschmack. Ohne mich.

 

Ihr Spitzname ist…?

In der Schule war ich immer Hansi – der Kanarienvogel. Daher hatte ich mich besonders auf mein neues Leben bei der Bundeswehr gefreut, wo mich ja noch niemand kannte und „Hansi“ noch nicht gesetzt war. Bereits am zweiten Tag wurde ich dann im Kameradenkreis „Stocki“ getauft. Vom Regen in die Traufe.

 

Verraten Sie eine Marotte.

Essen muss bei mir immer pikant gewürzt sein. Und mit pikant meine ich höllisch scharf im Habanero-Style. Praktisch schmeckt damit jedes Gericht immer gleich. Dinnergäste kommen meist nie wieder.

 

Was bringt Sie in Harnisch?

Wenn ich telefoniere und währenddessen jemand anderes immer wieder versucht, mich zu erreichen, statt auf meinen Rückruf zu warten, dreht sich meine Stimmung.

 

…und was bringt andere an Ihnen in Harnisch?

Dass man sich mit mir nicht streiten kann. Manche Menschen brauchen einfach das emotionale Reiben und Drama ab und an. Aber das kann ich nie ernst nehmen, was die Leute dann noch rasender macht.

 

Was möchten Sie gerne in Rente machen?

Mit Panama-Hut bewaffnet die Hortensien im Garten schneiden und mich darüber aufregen, dass die Hunde schon wieder die frisch gepflanzten Setzlinge ausgebuddelt haben und mit ihren dreckigen Pfoten nun die Lobby verschmutzen.


Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?

Hunde sind für mich die besseren Menschen und ich schätze sehr, dass Hunde grundsätzlich immer fröhlich, ehrlich und treu sind. Beim Menschen ist es häufig kompliziert.

 

Auf welche drei Dinge könnten Sie niemals verzichten?

  1. Auf einen kleinen Siegelring, den mir meine Mutter zum 18. Geburtstag geschenkt hat. Diesen habe ich nun seit 20 Jahren nicht abgenommen.
  2. Ich habe mir das Traumauto aus meiner Jugendzeit selbst zu Weihnachten geschenkt. Der Wagen muss ständig in die Werkstatt und treibt mich in den Ruin, aber hinter dem Steuer bin ich der glücklichste Mensch der Welt.
  3. Eine uralte Cartier-Tank-Armbanduhr. Die hatte mir der Concierge eines Apartmentkomplexes in den USA geschenkt hat, als ich bei meinem Studium kurz dort lebte. Der Gentleman war vor 50 Jahren selbst Austauschstudent gewesen – in Österreich – und plauderte gerne in wackeligem Deutsch mit mir. Daraus hat sich eine Freundschaft entwickelt. Die Uhr war stets sein wertvollster Besitz gewesen und er hat sie mir anvertraut. Das rührt mich bis heute.

 

Was war Ihr peinlichster Moment?

Als ich Austauschoffizier auf einem singapurischen Kriegsschiff gewesen bin und mir dort die Ehre zuteil wurde, als Jury-Mitglied bei einer geselligen Talentshow der Besatzung mitzuwirken. Bei dem Gesangsauftritt einer zivilen Journalistin, die die Reise begleitete, kommentierte ich am Mikrofon, dass ich in Deutschland noch extra Punkte gegeben hätte, wenn der Auftritt nackt erfolgt wäre. Etwas gewagt, aber es war lustig gemeint. Daraufhin ist der Kommandant aufgestanden und hat die Veranstaltung mit einem Satz beendet. Alle 200 Soldaten kehrten betreten zurück auf ihre Posten und haben drei Tage lang nicht mit mir gesprochen. Das ist auf einem engen Schiff schon sehr unangenehm. Nach meiner Entschuldigung beim Kommandanten erklärte mir der, dass sexuelle Anspielungen in Singapur ein extremes Tabu seien. Die Journalistin selbst hatte dagegen gelacht und mir ihre Nummer zugesteckt. Aber ich habe gelernt, mich künftig kulturell feinfühliger zu verhalten.

 

Auf welches Erlebnis hätten Sie lieber verzichtet?

Auf die Ausbildungsfahrt auf dem Segelschulschiff Gorch Fock. Im Winter. Da habe ich mich sechs Wochen lang fast jeden Tag übergeben und am Ende nicht mehr befürchtet zu sterben, sondern befürchtet, noch länger zu leben.

 

Welche Eigenschaft haben Sie von Ihrer Mutter übernommen?

Unverhältnismäßige Großzügigkeit. Meine Mutter ist Halb-Dänin und Dänen sind sehr großzügig. Mein Vater ist dagegen Preuße und äußerst sparsam. Da komme ich klar nach meiner Mutter. Das erklärt auch den Wagen, den ich mir selbst geschenkt habe. Meine Viertel-Gene sind schuld.

 

Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten – welcher wäre das?

Ich wäre gerne für einen Tag lang Tischler. Der Job ist sicher anstrengend, aber ich würde am Ende des Tages – hoffentlich – stolz auf meine Arbeit gucken. In meinem digitalen Finanzalltag fehlt mir meist ein griffiges Resultat zum Anfassen. Die Lorbeeren meiner Arbeit zeigen sich meist erst Monate später. Da hilft nur Geduld und Disziplin. Die habe ich aber von meinem Vater geerbt.

 

 

 

 

 

 

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