Buchauszug Claas Lahmann: „Wie Arbeit glücklich macht und wann man darüber nachdenken sollte, den Job zu wechseln“

Buchauszug Claas Lahmann: „Wie Arbeit glücklich macht und wann man darüber nachdenken sollte, den Job zu wechseln“

 

Claas Lahmann (Foto: Britt Schilling/Rowohlt)

 

Wenn die Arbeit überhandnimmt

Das Wort Hygiene leitet sich vom griechischen Wort hygieia ab – so hieß die Göttin der Gesundheit, Sauberkeit und Reinheit. Beider Hygiene, also der Erhaltung der Gesundheit durch Sauberkeit, dachte man lange zuallererst daran, dass sich die Leute die Hände waschen, ihr Trinkwasser abkochen und ihre Wunden reinigen. Irgendwann hat man gemerkt, dass auch am Arbeitsplatz eine gewisse Hygiene helfen kann, gesund zu bleiben. Zunächst ging es auch hier um Bakterien, giftige Stoffe oder schlechte Luft. Mittlerweile fassen wir den Begriff allerdings sehr viel großzügiger und zählen auch alles dazu, was die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz stärken kann.

 

Dazu gehört es zum Beispiel, dass wir ein vernünftiges Zeitmanagement haben und eine Besprechung im 7. Stock nicht bis Punkt 12 : 00 Uhr planen, wenn unmittelbar im Anschluss eine im Foyer startet. Da ist der Stress vorprogrammiert. Stattdessen sollten wir Wegzeiten einplanen, einen kleinen Puffer für Unvorhergesehenes, wir sollten darauf achten, dass uns ausreichend Zeit zum Essen und Trinken bleibt, wir nicht jeden Tag Überstunden machen, nicht ständig unterbrochen werden – also ganz basale Dinge, die allerdings viele im Arbeitsalltag nicht berücksichtigen. Stattdessen kauern sie an ihren Schreibtischen, essen zwischen Tür und Angel, weil sie sich keine Zeit für ein richtiges Essen nehmen wollen (oder können), und schütten literweise Kaffee in sich hinein. Läuft man abends gegen 17 : 00 Uhr in die Büros, ist die Luft dort zum Schneiden dick, Menschen sitzen im Halbdunkeln, es stehen keine Getränke auf dem Tisch – und in manchen Branchen ist absehbar, dass keiner vor Mitternacht gehen wird … Da würde jeder halbwegs fürsorgliche Mensch die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und sagen: «Leute, kommt! So geht das nicht!»

 

 

 

Foto: Rowohlt

Wie Arbeit glücklich macht – Prof. Dr. Claas Lahmann, Kerstin Kropac | Rowohlt Verlag: 288 Seiten, 18,00 Euro

 

Arbeitshygiene bedeutet, dass an Ihrem Arbeitsplatz ein Mindestmaß an Ordnung herrscht, dass Sie Ihre Aufgaben und Termine vernünftig planen und eigene Kernarbeitsphasen einrichten, in denen Sie sich nicht stören lassen. Und – das ist ganz wichtig: dass Sie nicht nur Arbeitszeiten und Aufgaben planen, sondern auch den Feierabend und die Pausen – die großen und die kleinen.

 

Viele Menschen aber lassen ihre Pausen ausfallen, um früher Feierabend machen zu können, und wundern sich dann, dass sie keine Muße mehr haben, denselben zu genießen. Oder sie fühlen sich so gestresst, dass sie sich keine Unterbrechung mehr leisten. Das wäre so, als würde der Rennfahrer auf alle Boxenstopps verzichten, in der Hoffnung, damit Zeit zu sparen und schneller ins Ziel zu kommen. Ganz ehrlich: Das wird auf Dauer nicht funktionieren.

 

Bei der Hygiene am Arbeitsplatz ist es wie mit der Schlafhygiene. Auch hier kennen die meisten die Regeln, aber die wenigsten setzen sie konsequent um: zum Beispiel, dass man im Schlafzimmer nicht arbeitet. Dass man abends unmittelbar vorm Schlafengehen keinen Sport treibt, keine großen Mahlzeiten zu sich nimmt, keinen Alkohol oder Kaffee trinkt. Dass man das Schlafzimmer kühl und gut belüftet hält und im Bett nicht mehr aufs Smartphone oder Tablet guckt. Ganz simple Dinge, die dazu führen, dass der Schlaf deutlich besser wird. Sogar besser als nach der Einnahme von Schlafmitteln.

 

Allerdings sind solche Verhaltensänderungen natürlich anstrengender. Und weil sie so banal klingen und obendrein keinen Spaß machen, sagen die meisten unserer Patienten mit Schlafstörungen: «Das klingt sehr interessant. Vielleicht sollte ich das wirklich mal ausprobieren. Aber könnten Sie mir nicht trotzdem eine Tablette verschreiben?» Bei Schlafproblemen wäre das immerhin denkbar. Bei der Arbeitsplatzhygiene hilft keine Medizin. Da müssen wir selbst ran.

 

 

 

 

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