Am Anfang vom Ende war das Wort.
Gastbeitrag von Frank Dopheide, Gründer von Human Unlimited
Marc Zuckerberg und die De_Materialisierung der Welt.

Frank Dopheide (Foto: C. Tödtmann)
Marc Zuckerberg trägt neuerdings Goldkettchen und Armbanduhr. Genaugenommen die Greubel Forsey Handmade 1 im Wert von 900.000 Dollar. Ein weiterer Beweis, dass amerikanische Multimilliardäre, Gangster Rapper und Basketballstars auf einem anderen Planeten leben. Die übrige Welt bewegt sich eher weg von Bling-Bling und Show-Off. De-Materialisierung heißt das neue Schreckenswort, das auch die Konsum- und Luxusindustrie aus ihren gewohnten Bahnen drängt.
Die Digitalisierung, die zu realen Auflösungserscheinungen führt
Auslöser ist die Digitalisierung, die sich seit Jahren in unser Privat- und Berufsleben quetscht und in der bekannten Welt zu realen Auflösungserscheinungen führt. Was früher als Schreibmaschine, Rolodex, Terminplaner, Telefon, Wiedervorlagemappe das Büro zierte, ist vom Smartphone geschluckt worden, praktisch, handlich, gut. Kein Wunder, dass niemand mehr ins Büro kommt, wenn wir es doch jederzeit griffbereit in der Hosentasche haben, wo immer wir sind.
Wohin wir auch blicken, wir haben das Leben in Nullen und Einsen durchprogrammiert und es hinter der Bezahlschranke monetarisiert: einkaufen, produzieren, informieren, konsumieren, selbst erotisieren – alles ist heute digital möglich, günstiger, bequemer und virtueller als je zuvor.
Die Menschen veränderten ihre Einstellung
Auf diese technologische Veränderung trifft nun eine fundamentale menschliche Einstellungsveränderung und treibt als Turbo diese Entwicklung. Die Anspruchsmodelle der Menschen in den entwickelten Gesellschaften stellen sich gerade auf den Kopf.
Esther Perel, die vermutlich bekannteste Psychotherapeutin der Vereinigten Staaten formuliert es so: früher lebten Menschen privat und beruflich in seiner Produktionsgesellschaft: wir mussten Dinge und Kinder produzieren, um zu überleben. Scheidung oder Kündigung war in diesem System undenkbar. Der Wohlstand wuchs und schaffte die Servicegesellschaft. Man blieb freiwillig zusammen, baute sich ein schönes Leben mit schönen Dingen auf – auch in der Ehe, Sex as a Service statt Überlebensmotiv.
Selbstentfaltung um jeden Preis
Das Freiheitsmotiv, das die Generationen antrieb, ist nun auserzählt und wir als gegeben genommen. Jetzt ist Selbstentfaltung der neue Treibstoff. Mitarbeitende kündigen ohne neuen Job und ohne konkrete Schmerzpunkte mit dem Argument, noch einmal etwas neues probieren zu wollen. Das übrigens gilt auch in Partnerschaften. Ohne Streit und ohne Affäre trennt sich ein Partner getrieben durch Gefühl, ich will etwas neues ausprobieren und mich noch ausprobieren. Die Anspruchshaltung an Partner aber auch die Unternehmen sind gewaltig und ähnlich – Inspiration, Vertrauen, Sicherheit, Empathie, Sinnhaftigkeit, Veränderungsfähigkeit. Nie wurde Unternehmens soviel Persönliches und Emotionales abverlangt. Und da setzt die Veränderung ein:
Die Sehnsucht nach Dabeisein und Erleben
Der Firmenwagen als Lockmittel hat seine Wirkung verloren, dann lieber das Versprechen auf ein Sabbatical nach drei Jahren solider Arbeit.
Während die Ikonen des Luxus Gucci, Burberry, Mercedes und Porsche beginnen, den ungewohnt kalten Gegenwind zu spüren, steigen die Sehnsucht am persönlichen Erleben und Dabeisein in unerreichte Dimensionen. Und damit auch die Ticketpreise für Konzerte. Adele ist in Las Vegas für 2.000 bis 4.000 Dollar die Karte zu sehen.
Gesundheitskliniken werden zu Pilgerorten des Selbstfindens und -entfaltens. Lanser Hof oder Buchinger Wilhelmi Heilfasten Klinik stehen hoch im Kurs. Das Luxus- Arrangement in der Suite kostet da schon mal soviel wie ein Porsche Macan.
In einer Welt die unplanbar ist und vieles aus dem Ruder läuft, konzentrieren sich die Menschen auf das Wesentliche – sich selbst. Mit zunehmender Hingabe und zunehmenden Investment sorgt man dafür, dass das „Ich“ bestens ausgestattet ist.
Mein Körper und mein Geist als höchstes Luxusgut
Wer was auf sich hält und Geld hat macht heute eine MRT-Untersuchung, ohne jeden Verdacht und medizinische Indikation, beruhigt die Nerven aber ungemein und gehört zum Modern Lifestyle dazu. Der Preis von 3.000 Dollar inklusive Gespräch ist es allemal wert.
Probiert es aus und lasst mich wissen, wie es war. 🙂
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