Zehn Punkte, die deutsche Unternehmenslenker in China beachten sollten
Gastbeitrag von China-Experte Philipp Senff bei CMS in Shanghai für Unternehmens-, Compliance- und Risikomanagement

Philipp Senff (Foto: CMS/PR)
Erstens: Abhängigkeiten identifizieren
Am Anfang ist eine Bestandsanalyse erforderlich, um die Risiken im China-Geschäft zu identifizieren: Haben sich Abhängigkeiten im China-Geschäft eingeschlichen, die womöglich während der Corona-Zeit, in der Manager aus Deutschland kaum nach China reisen konnten, entstanden sind?
Zweitens: So wenige Abhängigkeiten wie möglich
Im Einkauf sollten Abhängigkeiten gering gehalten werden, indem mehrere qualifizierte Zulieferer aufgebaut und einzelnen von ihnen keine Exklusivrechte eingeräumt werden. Bei allen Zulieferern ist ein Hintergrund-Check unverzichtbar, um die Eigentümer- und Managementstrukturen, die Lizenzen, die Anzahl der Mitarbeiter und mögliche Einträge in schwarzen Listen zu prüfen. Falls sich herausstellt, dass zwischen einzelnen Zulieferern Verbindungen bestehen, sollten Sie sie als Vertragspartner meiden. Zum Beispiel: Zwei verschiedene Stahllieferanten haben am Ende denselben Eigentümer und könnten damit das einkaufende Unternehmen bei den Preisen ausspielen.
Drittens: Risiko Zwischenhändler
Die Vertriebsstruktur gehört auf den Prüfstand. Der Verkauf über Scheinfirmen bedeutet immer Korruptionsrisiken und sollte abgestellt werden. Scheinfirmen bezahlt üblicherweise der Verkäufer, damit er den Zuschlag vom Kunden erhält, um damit das Geschäft anzukurbeln. Auch der Vertrieb über Zwischenhändler, Distributoren, sollte zumindest dann hinterfragt werden, wenn es schon ein Vertriebsteam gibt.
Verkauft zum Beispiel ein Unternehmen in China seine Produkte vorwiegend über Zwischenhändler, aber dennoch hat es ein großes Vertriebsteam in China. Dann stellen sich diese Fragen: Warum muss über Zwischenhändler verkauft werden, wenn doch ein eigenes Vertriebsteam besteht? Wer hat die Zwischenhändler ausgewählt? Würden die Kunden auch direkt – ohne Zwischenhändler – einkaufen? Hinzu kommt: Durch den Direktverkauf – ohne Zwischenhändler – könnte das Unternehmen die Preise erhöhen, da es kein Zwischenhändler mehr finanzieren muss.
Viertens: Niederlassungen und Joint Ventures in China müssen in die Unternehmensstrategie passen
Passen die eigenen Niederlassungen vor Ort in die Unternehmensstrategie? Diese Frage stellt sich bei unprofitablen Niederlassungen und Joint Ventures. Letztere könnten mit den gegenwärtigen Eigentümerverhältnissen weitergeführt, die Mehrheit der Geschäftsanteile erworben werden oder der Ausstieg aus dem Joint Venture erfolgen. Beim Schließen von Gesellschaften ist Vorsicht geboten, da Compliance-Risiken, insbesondere steuerliche Risiken, die sich noch in der Gesellschaft befinden, die Schließung signifikant verzögern könnten.
Fünftens: Schutz der eigenen Immobilien in China
Zu checken ist: Haben Produktionsstätten, die deutsche Unternehmen in China errichtet haben, noch einen ausreichenden Bestandsschutz? Üblicherweise gehen dem Bau von Produktionsstätten der Erwerb von Landnutzungsrechten voraus, weil es in China kein Privateigentum an Grund und Boden gibt. Landnutzungsrechte gibt es auch nur zeitlich befristet. Die erlaubte Nutzungsdauer hängt vom Nutzungszweck ab. Landnutzungsrechte für Produktionszwecke können Unternehmen in vielen Städten wie in Shanghai nur noch für 20 Jahre Nutzungsdauer erwerben.
Die entscheidenden Kriterien sind: Kann die Nutzungsdauer der Landnutzungsrechte verlängert werden? Setzt diese Verlängerung der Nutzungsdauer eine Verlängerungsgebühr an den chinesischen Staat voraus?
Sechstens: Auf Hinweisgeber vorbereitet sein
Auch in China gibt es Hinweisgeber, also Whistleblower. Sie erheben üblicherweise Vorwürfe zu einem möglichen Fehlverhalten von einzelnen Managern im Unternehmen in China. Oft richten Hinweisgeber per E-Mail diese Vorwürfe direkt an das Management in Deutschland, um einen Handlungsdruck in der Zentrale in Deutschland aufzubauen. Ob die Vorwürfe stimmen, kann nur durch eine unternehmensinterne Ermittlung, also Internal Investigations, ermittelt werden. Sobald E-Mails von Hinweisgebern in der Zentrale in Deutschland eingehen, ist es wichtig, mit der gebotenen Sorgfalt diesen Vorwürfen im Rahmen einer unternehmensinternen Ermittlung nachzugehen.
Siebtens: Teure Datenschutzverstöße
Auch in China ist das nationale Datenschutzrecht wichtig: Wer es nicht einhält, riskiert, dass das firmeninterne IT-Netzwerk abgestellt wird und obendrein eine Geldbuße bis zu fünf Prozent des letzten weltweiten Jahresumsatzes.
Achtens: Unternehmensstrafrecht und Schwarze Listen
Anders als in Deutschland gibt es in China ein Unternehmensstrafrecht. Das bedeutet, dass sich auch das Unternehmen – und nicht nur die Manager – strafbar machen kann.
Und: China sanktioniert Regelverstöße auch durch das Sozialkreditsystem. Das Sozialkreditsystem ist ein Punkte- und Ratingsystem dafür, ob die Unternehmen die chinesischen Gesetze und Regularien einhält. Unternehmen können bei Regelverstößen auf der schwarze Liste landen. Die Folge: Das betroffene Unternehmen könnte von den chinesischen Behörden verstärkt inspiziert und bei Finanzierungen mit lokalen Banken stellen die Behörden strikte Anforderungen. Zudem können Blacklistings Geschäftseinbrüche auslösen, weil Kunden auf Abstand gehen könnten. Denn Einsicht in die Datenbank des Sozialkreditsystems kann jeder weltweit nehmen.
Neuntens: Gefährdete Manager in der Zentrale in Deutschland
Regelverstöße im China-Geschäft können persönliche Haftungspflichten der Unternehmenslenker in Deutschland auslösen. Beispiel Aktiengesellschaft: Soweit der Vorstand seine Sorgfaltspflichten beim China-Geschäft verletzt und dadurch der Gesellschaft ein Schaden entstanden ist, kann die Gesellschaft den Vorstand auf Schadensersatz in Anspruch nehmen. Die Vorstandshaftung ist streng. Denn der Vorstand haftet bereits bei leichter Fahrlässigkeit und unbegrenzt mit seinem Privatvermögen.
Zehntens: Nicht ohne eine D&O-Versicherung
Zum Risikomanagement gehört unbedingt eine Manager-Haftpflichtversicherung, also D&O-Versicherung.
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Um den Lesefluss nicht zu behindern, wird in Management-Blog-Texten nur die männliche Form genannt, aber immer sind die weibliche und andere Formen gleichermaßen mit gemeint.
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Super Artikel!
Ggf ergänzen durch Themen wie:
1. Regierungsbeziehungen: Die Pflege lokaler Beziehungen und das Verständnis politischer Dynamiken sind essenziell.
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3. Geopolitische Risiken: Strategien zur Abmilderung von Spannungen, wie Diversifikation der Märkte.
4. Kulturelle Nuancen: Subtile Verhandlungsstile und regionale Unterschiede sind entscheidend.
5. Risikomanagement bei wirtschaftlichen Schwankungen: Flexibles Finanzmanagement hilft, auf ökonomische Veränderungen zu reagieren.
6. Nachhaltigkeit und ESG-Kriterien: Berücksichtigung von Umwelt- und Sozialstandards verbessert das Unternehmensimage und den Zugang zu Finanzierungen.