Schweden will nun doch nicht auf Bargeld verzichten. Im Gegenteil. Die schwedische Zentralbank macht eine Vollbremsung auf dem Weg zur bargeldlosen Gesellschaft und plädiert für Cash. Denn: Nur Bargeld ist für jeden zugänglich und steht auch in Krisensituationen zuverlässig zur Verfügung, analysiert Wolfram Seidemann, CEO von Giesecke+Devrient Currency Technology. Ein Gastbeitrag.
Anmerkung: Der internationale Konzern ist Anbieter von Sicherheitstechnologien für Bezahlen, Identitäten wie Ausweise und Reisepässe, Konnektivität und digitale Infrastrukturen. Früher war das Unternehmen auf Banknoten- und Wertpapierdruck spezialisiert.

Wolfram Seidemann (Foto: PR/ Giesecke + Devrient Currency Technology)
Die Zentralbank von Schweden, die Sveriges Riksbank, fordert in ihrem Jahresbericht zu Massenzahlungssystemen: Bargeld muss einen festen Bestandteil im Zahlungsmittel-Mix der Zukunft bilden. Sie verlangt vom Gesetzgeber einen entsprechenden rechtlichen Rahmen.
Eigentlich hatten die politischen Entscheidungsträger des Landes eigentlich ganz andere Pläne. Im Lauf der nächsten zehn Jahre sollten Scheine und Münzen abgeschafft und Schweden zur bargeldlosen Gesellschaft gemacht werden.
Warum das jetzt unterbunden wird? Die skandinavischen Länder sind Vorreiter bei digitalen Zahlungen und so konnte auch Schweden in den letzten Jahren umfassende Erfahrungen mit der flächendeckenden Digitalisierung des Zahlungsverkehrs sammeln. Doch die Nationalbank erkannte zwei große Schwächen:
- Erstens können Ereignisse wie Stromausfälle oder Cyber-Attacken die Funktionsfähigkeit digitaler Zahlungsmittel beeinträchtigen. Deshalb sind sie nicht geeignet, für einen resilienten und stabilen Zahlungsverkehrs in solchen Situationen zu sorgen. Das kann bislang nur Bargeld.
- Zweitens haben manche Teile der Bevölkerung keinen Zugang zu digitalen Diensten oder kommen mit dem Angebot nicht zurecht. Das einzige Zahlungsmittel, das von allen Bürgern uneingeschränkt und jederzeit benutzt werden kann, ist immer noch Bargeld.
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(Foto: C.Tödtmann)
Wenn Strom und Internet ausfallen
Damit liefert die Schwedische Zentralbank zwei gewichtige Argumente für die Beibehaltung von Bargeld und plädiert für die Einführung einer digitalen Zentralbankwährung.
Was widersprüchlich klingt, ist es nicht. Eine Central Bank Digital Currency, kurz CBDC, kann nämlich – im Gegensatz zu digitalen Zahlungsmitteln, die derzeit nur von der Privatwirtschaft angeboten werden -, die Vorteile von Cash in die digitale Welt übertragen. Dies besonders, wenn sie auch offline funktioniert. Denn das kann bisher keine digitale Bezahllösung: Verfügbarkeit und Funktionsfähigkeit des Digitalgeldes gewährleisten, wenn der Strom und das Internet ausfallen.
Vorschlag: Die Koexistenz analoger und digitaler, staatlich legitimierter Zahlungsmittel
Ohne Bargeld wird es auch künftig nicht gehen, das ist klar. Aber digitale Zentralbankwährungen können Bargeld ergänzen und in die digitale Welt verlängern. Von einer Koexistenz analoger und digitaler, staatlich legitimierter Zahlungsmittel würden Wirtschaft und Gesellschaft erheblich profitieren. Das sieht auch die schwedische Zentralbank so und arbeitet bereits an der E-krona. Und im Euro-Raum treibt die EZB die Entwicklung des digitalen Euro voran. Beide digitalen Währungen könnten schon in den nächsten Jahren startklar sein.
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