Buchauszug Nadja Kahn und Christoph Theile: „Denken wir noch oder fühlen wir schon? Emotionen als Schlüsselfaktor für beruflichen Erfolg – ein Businessroman und Sachbuch zum „Globe of Emotions®“

Nadja Kahn
Positiv? Negativ? Zeit für einen Paradigmenwechsel!
Ist Furcht gut oder schlecht? Und Ekel? Ekel ist doch keine positive Emotion, oder? Und Zorn erst! Wer will denn jemanden erleben, der zornig ist? Sicher siehst du die zeternde Emotia gerade vor dir und hörst ihre schrillen Schreie. Wie nimmst du das wahr? Eher positiv oder negativ?
Wir Menschen lieben Schubladen und haben dafür alle unseren eigenen »Ratio«, der es wunderhübsch findet, Dinge, Gedanken und Emotionen zu sortieren. Einmal aufgeräumt und in der Schublade kommt ein akzeptiertes und wegsortiertes Denkmuster nur noch in der angedachten Form zum Einsatz, Veränderungen sind nicht (mehr) willkommen. Schließlich heißt es ja auch Standpunkt und nicht Bewegtpunkt.
In der Wissenschaft nennt sich eine solche etablierte Denk- oder Vorgehensweise Paradigma.
Paradigmen sind Erkenntnisse und Theorien, die wir fest in unser Bewusstsein integriert haben. Leider werden Paradigmen und auch Glaubenssätze selten hinterfragt. Dabei würde uns genau das helfen: neu zu denken und ein anderes Bewusstsein zu erlangen, um neue Erkenntnisse zu gewinnen.
Ein vorherrschendes Paradigma im Bereich der Emotionen im Business- Umfeld war, dass sie in dieses nicht hineingehören, schon gar nicht in die Führungsetage. Wer Emotionen zeigt, zeigt Schwäche. Im 21. Jahrhundert ändert sich das Bild, und die beiden Schubladen »positive« und »negative« Emotionen haben sich etabliert. Welche sind jetzt aber gut und welche schlecht, und wer beurteilt das? Wut, Gier, Ärger und Neid gehören nach allgemeiner Meinung hier zu den negativen, Freude, Spaß und Begeisterung zu den positiven. Doch ist das wirklich so?
Aus unserer Sicht sind sie nämlich nichts von alldem, denn Emotionen passen in keine dieser einfachen Schubladen! Wir sagen:
Es gibt keine negativen Emotionen.
Das ist unser erster großer Paradigmenwechsel über Emotionen.
Mit oben genanntem Schubladendenken räumen wir deshalb hier an dieser Stelle auf, denn es bringt uns dazu, uns lieber nicht mit den sogenannten »negativen« Emotionen in der Tiefe auseinanderzusetzen. Weg damit!
Unsere Emotionen sind alle sinnvoll und notwendig für unser Überleben. Sie sind für uns wie Leuchttürme und Beschützer unserer Bedürfnisse.
Denn auch gefürchtete und als negativ abgestempelte Emotionen wie beispielsweise Wut, Gier und Angst zeigen uns lediglich, dass eines oder mehrere unserer eigenen Bedürfnisse gerade massiv unerfüllt sind.

Christoph Theile
Damit ist die Emotion an sich allerdings nicht positiv oder negativ zu bewerten.
Sie weist lediglich auf einen starken Mangel hin. Den Mangel und das dahinterliegende Bedürfnis zu erkennen, das ist das Geheimnis, um zu verstehen, warum eine Emotion plötzlich aktiv wird.
Beispiel:
In unserer Geschichte ist Gettler nach dem Showdown unglaublich wütend und schlägt sein Studio kurz und klein. Zuvor hatte ihn Maxi vorgeführt. Sein Bedürfnis nach Anerkennung und Respekt war so massiv gestört, dass es bei ihm blinde Wut ausgelöst hat. Die Emotionen, die ihn in dieser Situation steuern, erklären wir später noch detailliert.
In jedem Fall zeigt die Wut ihm auf intensivste Art seinen erlebten Mangel. Das an sich ist erst einmal sinnvoll und günstig für ihn. Er müsste diesen Mangel nur erkennen und reflektieren, denn er hätte damit die Chance, etwas über sich selbst zu lernen.
Sein Umgang mit der Situation – wie in der Geschichte beschrieben – ist definitiv negativ zu bewerten. Hätte er seine Emotionen souverän im Griff gehabt, hätte er sie zunächst erkannt, dann benannt (ich bin wütend!) und den Grund dafür ausgesprochen (ich fühle mich respektlos behandelt und betrogen). Daraus hätte er eine souveräne Handlung ableiten können. Mehr dazu folgt im Abschnitt »Wut« im Kapitel »Die emotionalen Gesetze« (Gesetz Nr. 4).
Wie findest du nun heraus, in welcher Emotion du dich gerade befindest und was sie bedeutet? In unserer Geschichte hat Valentin das »Werkzeug« dafür bereits vorgestellt, das dreidimensionale Modell unserer Emotionen: den »Globe of Emotions®«, den wir im weiteren Verlauf dieses Buches kurz Globe nennen.

Nadja Kahn/Christoph Teile: Denken wir noch oder fühlen wir schon? Emotionen als Schlüsselfaktor für beruflichen Erfolg – ein Businessroman und Sachbuch zum „Globe of Emotions®“ 24,99 Euro, 320 Seiten
Der Globe of Emotions®
Warum nutzen wir als Modell für die Veranschaulichung unserer Emotionen eine Kugel, die wie eine Weltkugel aussieht?
Unsere Erde als Globus ist eine wunderbare Metapher für uns, um dieses komplexe Thema zu veranschaulichen. So wie unsere Erde über Berge und Täler, Flüsse und Meere verfügt, hat letztlich jeder Mensch innere Berge und Täler, seinen eigenen Mount Everests und seine eigenen tiefen Abgründe. Und so wie auf der Erde gibt es ebenso auf dem Globe emotional keinen Anfang und kein Ende.
Auch unsere Sprache nimmt in der Beschreibung emotionaler Zustände genau diese Topografie und sogar unser Wetter auf.
Mal befinden wir uns emotional »tief im Tal«, mal »auf der Höhe«, mal sehen wir den »Wald vor lauter Bäumen nicht« oder haben ein »nebulöses Empfinden«, mal »fließt« es, mal fühlt es sich »kalt« an oder auch »heiß«. Manche Menschen empfinden wir als »windig«, andere als »vernebelt« oder »strahlend«.
Genau aus diesen Gründen ist der Globus so gut geeignet, um uns unsere emotionale Welt sicht- und sogar greifbar zu erklären. Und dabei ist letztlich jeder von uns sein eigener kleiner Globus mit seiner eigenen höchst persönlichen Topografie. Mal gibt es mehr »Ebenen« – also nicht so hohe emotionale Ausschläge, und mal gibt es eine Berg- und Tal- Reise wie in einer gigantischen Achterbahn.
Das Wasser der Erde ist darüber hinaus ein wunderbares Bild dafür, wie Emotionen fließen und in welchen Aggregatszuständen sie auftauchen können – von dampfend bis eisig.
Auf der Erde herrschen Naturgesetze. Und hier kommt der absolut wichtigste Aspekt für unsere Art der Darstellung der Emotionen als Globe: Durch ihn gelingt es erstmals zu veranschaulichen, dass Emotionen Gesetzmäßigkeiten folgen!
Diese Erkenntnis ist neu, denn bisher wurde allgemein angenommen, dass Emotionen keiner Ordnung und Struktur folgen, oder anders gesagt, die Frage wurde vielleicht einfach noch nicht gestellt, ob es so sein könnte.
Der Globe of Emotions (kurz Globe) zeigt genau, dass es diese Gesetzmäßigkeiten gibt!
Die Darstellung mit der Reihenfolge der Emotionen auf dem Globe ist nicht etwa zufällig gewählt. Nein, sie folgt einer zwingenden Anordnung, um diese Gesetzmäßigkeiten zu veranschaulichen.
Die Emotionen stehen in Abhängigkeit zueinander und folgen klaren Regeln.
Emotionen folgen Gesetzmäßigkeiten.
Dabei muss dir bewusst sein, dass der Wechsel von einer Emotion zur nächsten nicht schafkantig mit einem Klick stattfindet, sondern, wie bereits gesagt, eher Wasser entspricht, das weich fließt, wie das Beispiel zeigt.
Aus unserer Geschichte (Zurück ins Chaos):
Doch trotz der niedergeschlagenen Stimmung und unseren dazu passenden Mienen hörte ich mit einem Mal, wie Anne anfing zu glucksen. Ein Lachen bahnte sich den Weg und sie klopfte mir lobend auf die Schulter …
Emotionen fließen in diesem Beispiel von niedergeschlagen zu lustig und dann sogar noch weiter zu erstaunt. Die Fließgeschwindigkeit ist mal langsam, mal stetig und mal rasant.


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