Über Sprachnachrichten bei Whatsapp ärgert sich Cornelia Maetschke-Biersack schwarz. Es sei ein Elend mit diesen Voice Mails. Sie hört sie mit Absicht erstmal tagelang nicht ab, erzählt die Familienrechtlerin von TaylorWessing in Düsseldorf. Kurzum: Sie nerven ohne Ende. Sie sind umständlich. Anders als auf einen Post kann man nicht mal eben kurz draufgucken. Voice Mails sind immer eine richtige Unterbrechung von was auch immer – Konferenzen, einem durchgetakteten Arbeitstag, Arbeiten im Großraumbüro, Zoom-Konferenzen, dem Feierabend, was auch immer. Mal eben sie unauffällig lesen ist nicht.

Cornelia Maetschke-Biersack (Foto: C.Tödtmann)
Zumutungen im Arbeitsalltag: Sprachnachrichten
Wo sie recht hat, hat sie recht. Die Dinger sind eine Zumutung, finden wir beide. Gehen die Absender von Voicemails doch ganz offenbar davon aus, dass der Empfänger nicht so viel zu tun hat. Dass man man jederzeit und ungestört irgendwelche Ansagen abhören kann. Bei denen man vorher nicht absehen kann, wie wichtig und ob sie überhaupt wichtig sind. So als gäbe es keine Großraumbüros, Meetings, Termine, Zoom-Konferenzen undundundund. Maetschke-Biersack vergisst sie manchmal, sieht die Info, kann sie aber nicht unmittelbar abhören – und irgendwann sind sie ganz aus dem Blickfeld verschwunden, weil schon die nächsten Nachricht hinterher gekommen ist. Die man rasch lesen konnte.
Nebenbei bemerkt: Seit ich eine Sprachnachricht bekam von einem PR-Experten, die sagenhafte 15 Minuten dauerte und der offenbar dachte, ich zücke den Stift und schreibe mit, bin ich ebenso bedient wie Maetschke-Biersack von soviel. Denn ich zumindest habe neben meinem Whatsapp-Profil geschrieben, dass ich keine Whatsapps-Voice-Mails haben will – doch selbst das bemerken die Sprachnachrichtler anscheinend nicht mal. Denn ich kann schließlich lesen und schreiben und die allermeisten Informanten auch.
Ob´s hilft? Iwo, so gar nicht. Wer Sprachnachrichten super findet, macht‘ s immer weiter – auch wenn er weiß, er nervt. Ulkigerweise.
Notwehraktion: Nicht abhören
Maetschke-Biersack jedenfalls wehrt sich auf ihre Art: Sie hört ihre Sprachnachrichten einfach nicht ab oder eben erst nach mehreren Tage. Mit Extra, grinst sie. Nach dem Motto: Abstrafen durch Schmoren-Lassen. Das ist pure Notwehr.

Putenbrustsalat im „Beethoven“ (Foto: C.Tödtmann)
Die Slots der Teilzeitarbeiter – für alle anderen
Und wo wir schon bei nervenden Mitmenschen sind, kommen wir prompt auf einen anderen Phänotyp zu sprechen. Teilzeit ist an sich ja eine prima Sache. Maetsche-Biersack ist selbst momentan in Teilzeit tätig, erzählt sie. Nur in der Praxis kann es dann doch kurios werden. Einfach weil viele Teilzeitmitarbeiter diejenigen ihr Kontingent so eisern verteidigen – und vielleicht manche das auch müssen.
Wenn Teilzeit-Kollegen aber allen anderen scheinbar freundlich ihre Arbeitszeiten mitteilen – aber tatsächlich dabei nur Slots verteilen. So wie Lotsen im Tower am Airport. Und gerne mal dann noch per Abwesenheitsmails. Aber mit einem gravierenden Unterschied, wie ich meine: Tatsächlich steckt eine gehörige Portion Rücksichtslosigkeit und Arroganz dahinter: Ich bin weg, wann ich es will und es mir passt, und Du lieber Kollege, hast Dich danach zu richten, basta. Der Firmen-Workflow und die Arbeit aller anderen ist mir schnurzegal. Alle haben auf mein Kommando zu hören.
Die Erwartungshaltung ist nämlich, dass alle anderen sich beeilen müssen, um auf Teufel komm raus die Arbeitszeiten von den Teilzeitkollegen zu erreichen. So, als wäre man nicht arbeitsverdichtet genug. Denn wer auch immer die Teilzeitarbeitnehmer koordiniert, bedenkt nicht die Interessen der Kollegen, die dadurch unter Druck geraten.
Echt peinlich: Externe darunter leiden lassen
Und das müssen nicht mal nur Kollegen sein, es können auch Kunden oder Geschäftspartner sein. Externe, wo es echt peinlich wird. Ich kann nur sagen: Viel Spaß mit einer Teilzeitkraft, die einmal die Woche vier Stunden arbeitet – so drollige Lösungen kommen bei Steuerberaterbüros vor. Da kann die Klärung einer einzigen Frage bis zu drei Monaten dauern, denn diese Teilzeitkräfte haben ja auch noch Urlaub undsoweiter – und die anderen haben womöglich echte Zwänge wie Zoom-Konferenzen mit Teilnahmepflicht und können gar nicht rangieren.
So richtig spaßig wird es dann, wenn man umgeben ist von Teilzeitkollegen, die zu ganz verschiedenen Zeiten an- oder abwesend sind.
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