Buchauszug Attila Albert: „Sorry, ihr nervt mich jetzt alle! Mit Nervensägen im Job umgehen, ohne selbst den Verstand zu verlieren”

Buchauszug Attila Albert: „Sorry, Ihr nervt mich jetzt alle! Mit Nervensägen im Job umgehen, ohne selbst den Verstand zu verlieren“

 

Attila Albert (Foto: Privat)

 

Neun Blitzstrategien gegen Nervensägen

Ewige Opfer, verbissene Rechthaber, selbstgerechte Weltverbesserer – warum sind heute nur alle so anstrengend? Chefs, Kollegen und Geschäftspartner können auf ganz unterschiedliche Art nerven. Coach und Autor Attila Albert kennt das:. Wer ihre wahren Motive versteht, kann Konflikte früh entschärfen, aus ihnen Verbündete oder sogar Freunde machen, sagt er. Sieben Nervensägen-Typen und die besten Gegenstrategien.

 

Nach einigen Jahren kennt man seine Chefs, Kollegen und Geschäftspartner fast besser als die eigene Familie. Schließlich hat man auch mehr wache Zeit gemeinsam verbracht, kleine und große Probleme zusammen gelöst, obwohl man eher zufällig zusammengekommen ist und sich arrangieren musste. Aber man kann sich in Menschen auch täuschen. Ist Ihnen beispielsweise auch schon aufgefallen, dass die aggressivsten Facebook-Kommentare von Leuten kommen, die in ihren Profilen liebevoll ihre Haus- und Findeltiere zeigen, von den Fortschritten im Kleingarten berichten und Sprüche, die von Herzen kommen zitieren? „Die Vorsicht, jemanden nicht zu verletzen, ist die schönste Form von Respekt”, lesen Sie dort vielleicht bei jemanden, der Ihnen gerade einen unschönen Tod gewünscht hat. „Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll.”

 

Oder haben Sie schon verstanden, dass auf LinkedIn diejenigen als die größten Experten gelten, die immer nur in Workshops und „inspirierenden” Beiträgen erzählen, wie es theoretisch gehen müsste, aber selbst nie darüber hinauskommen? Anfangs übersieht man das, fünf Jahre später sieht man klar: Aus dieser Ecke wird nie etwas mit Substanz kommen, ewig nur wolkiges PR-Gerede.

 

Auch Nervensägen müssen Sie erst einige Zeit beobachten, ehe Sie mit Sicherheit sagen können, um welchen Typ es sich handelt, welche langfristige Strategie also die beste wäre. Sind Sie oder der andere noch neu im Unternehmen oder haben Sie gerade keine Nerven dafür, sind Sie aber nicht wehrlos. In diesem Kapitel finden Sie neun Blitzstrategien, um Nervensägen möglichst schnell auf Abstand zu bringen.

 

1. Konsequent alle Auffälligkeiten ignorieren

Es ist sicher hilfreich, wenn Sie aufmerksam beobachten, was um Sie herum geschieht und registrieren, was andere sagen oder andeuten. Aber das heißt nicht, dass Sie immer darauf reagieren sollten. Manchmal ist es besser, so zu tun, als hätten Sie es gar nicht bemerkt. Sie ersparen sich dadurch möglicherweise ein unangenehmes Gespräch oder eine Zusage, die Sie bald darauf bereuen. Dem anderen erlauben Sie mit einem diplomatischen Wegsehen oder hören, noch einmal darüber nachzudenken, ob das wirklich unbedingt sein musste.

 

Klagt etwa Ihre Kollegin schon wieder, dass sie ihre Arbeit nicht schafft (ewiges Opfer, Typ 1), verhalten Sie sich so, als hätten Sie das gar nicht gehört. Trösten Sie sie nicht oder verbünden sich nicht verbal mit ihr („Wirklich eine Zumutung hier!”), geben Sie ihr auch nicht den Tipp, doch mal mit dem Chef zu sprechen oder sich eine neue Stelle zu suchen, sondern bleiben Sie sachlich und bei Ihrer Arbeit. Macht ein Geschäftspartner angriffslustige Bemerkungen (Rechthaber, Typ 2), nicken Sie nur kurz und sprechen freundlich weiter, als wären sie nie gefallen. Keine Sorge, er bemerkt es!

 

Mit dieser Strategie geben Sie kleineren Spannungen nicht sofort eine Bedeutung, die sie möglicherweise nie hatten. Wenn andere nerven, hat das oft gar nichts mit Ihnen zu tun, sondern mit beruflichen oder privaten Schwierigkeiten des anderen, von denen Sie nichts wissen und die Sie auch nichts angehen. Beobachten Sie nur, ob dieselbe Person sich fortgesetzt ähnlich Ihnen gegenüber verhält. Dann stößt diese Strategie an ihre Grenzen, und Sie müssen das offene Gespräch suchen – entsprechend den Empfehlungen nach Typ.

 

Attila Albert: „Sorry, Ihr nervt mich jetzt alle! Mit Nervensägen im Job umgehen, ohne selbst den Verstand zu verlieren“ 240 Seiten, 16 Euro, Redline Verlag

 

2. Reden lassen und auf Durchzug schalten

Mit wenigen Phrasen können Sie ein ganzes Gespräch mit einer Nervensäge laufen lassen, obwohl Sie in Wirklichkeit kaum zuhören, sondern sich fast ungestört um Ihre eigenen Angelegenheiten kümmern. Lassen Sie sie nur reden und werfen Sie ohne viel Nachdenken gelegentlich etwas ein: neutrale Zustimmung („Ist wirklich total verrückt.”, „Das stimmt.”, „Aber echt!”, vage Nachfragen und Zweifel („Meinst du wirklich?”, „Ob das so einfach geht?”, „Hmmm…”). Dazu manchmal ein Lächeln, als habe das Gesagte Sie direkt inspiriert auch Ihr eigenes Leben umzukrempeln.

 

Stellt sich die Teamleiterin beispielweise an Ihren Schreibtisch und erzählt Ihnen ungefragt ausführlich vom Wochenende mit ihren Kindern (Helferseele, Typ 4), lassen Sie sie reden. Kommentieren Sie gelegentlich, ohne weiter mitzudenken: „Sicher schön da!”, „Das wäre auch mal was für uns.” Lachen Sie hier und da und blicken – scheinbar über ihre Worte nachdenklich geworden – nach oben, aber in Wahrheit auf Ihren Monitor. Sie können dabei sogar weitertippen, wenn Sie den Eindruck erwecken, dass die Pflicht Sie größte Mühe kostet, weil Sie am liebsten nur zuhören würden.

 

Am Telefon ist diese Strategie unschlagbar und praktisch nicht zu enttarnen. Im persönlichen Gespräch schöpft eine Nervensäge manchmal Verdacht und fragt ein wenig angefasst nach: „Hörst du mir überhaupt zu?” Meist genügt da schon eine kleine Versicherung („Aber sicher! Erzähl weiter…”). Schon redet sie weiter, denn sie ist dankbar, dass jemand mit ihr Geduld hat. Schließlich weiß sie aus Erfahrung, dass sich die Zuhörer nicht gerade um sie reißen. Sie gelten im besten Fall bald als guter Zuhörer und effektiver Mitarbeiter gleichzeitig! So geht angewandte Psychologie.

 

3. So tun, als würden Sie’s nicht verstehen

Wenn Sie die Eitelkeit überwinden können, als besonders intelligent gelten zu wollen, können Sie auch so tun, als würden Sie nicht verstehen, was die Nervensäge von Ihnen will. Stellen Sie sich dafür absichtlich ahnungslos, naiv oder dumm, bis sie entnervt aufgibt und lieber andere belästigt. Das ist eine mittel- bis langfristige Strategie, denn es braucht einige Gespräche, ehe die Nervensäge einsieht, dass Sie ein (vermeintlich) hoffnungsloser Fall sind. Dafür haben Sie danach meist für immer Ruhe, weil sie Sie ganz aufgegeben hat.

 

Will ein ambitionierter Vorgesetzter unbedingt „Ihr Potenzial entwickeln” (Problemlöser, Typ 5), tun Sie anfangs so, als verstünden Sie gar nicht, warum das gut sein sollte. Fragen Sie anschließend bei seinen Erklärungen mehrmals umständlich nach und wiederholen Sie einfachste Aussagen langsam, als müssten Sie sie erst gedanklich verarbeiten. Bald wird er bereuen, überhaupt auf diese Idee gekommen zu sein, und Sie können wieder Ihrem eigenen Plan folgen (zum Beispiel lieber ausreichend Zeit für Ihren Nebenjob zu haben).

 

Die Ahnungslosen in Ihrem Umfeld werden bald wirklich glauben, dass Sie ein bisschen begriffsstutzig sind, und mitleidig über Sie lächeln. Damit haben Sie aber immer noch den Erfolg, dass man Sie zukünftig nicht mehr nervt. Erfahrene Kommunikationsprofis werden dagegen bewundernd registrieren, wie raffiniert und nachhaltig Sie sich von lästigen Nervensägen abschirmen. Bei dieser Strategie kommt es im eigenen Interesse langfristig nur darauf an, von den jeweils Richtigen für klug beziehungsweise dumm gehalten zu werden. Das macht Sie zum echten Menschenkenner.

 

4. Anerkennen und direkt zurückgeben

Manchmal trifft man auch auf eine Nervensäge, die grundsätzlich recht hat. Nur können oder wollen Sie gerade nichts weiter für sie tun. Dann können Sie ihr versichern, dass Sie ihr völlig zustimmen, auch wenn Sie im Detail vielleicht anders denken. Fragen Sie danach auch aus Höflichkeit nicht nach, um sich nicht ungewollt ewige Erläuterungen anhören zu müssen. Kritisieren Sie auch nichts, denn dann finden Sie sich in einer Diskussion um eine Sache wieder, die sie weder interessiert noch betrifft. Geben Sie den Ball direkt zurück.

 

Erzählt Ihnen Ihr frustrierter Schreibtischnachbar wieder einmal, dass ihn sein Job anödet und er deshalb „überlegt”, zu gehen (Zögerer, Typ 3), könnten Sie ihm beispielsweise direkt zu seiner Entscheidung gratulieren: „Gute Idee! Das ist sicher der beste Weg in deiner Situation.” Erklärt Ihnen der Praktikant, wie das Unternehmen eigentlich geführt werden müsste (Welterklärer, Typ 6), stimmen Sie ihm völlig zu: „Das würde ich sofort so angehen, wenn du deine Ausbildung abgeschlossen hast – oder du gründest gleich selbst ein Unternehmen.”

 

Mit dieser Strategie bestätigen Sie die Nervensäge und erfüllen damit bereits einen Teil ihrer Bedürfnisse, nämlich die nach Zustimmung und Anerkennung. Gleichzeitig verblüffen Sie sie, denn die Verantwortung ist direkt wieder bei ihr gelandet, obwohl sie sich das ganz anders vorgestellt hatte. Manchmal ist sie darüber so erstaunt, dass sie wortlos zu ihrer Arbeit übergeht. Dann haben Sie Ihre Ruhe. Oder sie wird wirklich nachdenklich. Dann nervt sie in Zukunft möglicherweise weniger, weil sie mit sinnvolleren Dingen beschäftigt ist.

 

5. Ohne schlechtes Gewissen auflaufen lassen

Grundsätzlich sind die meisten Menschen hilfsbereit und verständnisvoll, Sie hoffentlich auch. Wenn eine Nervensäge das aber immer wieder ausnutzt, können Sie sie auch ohne schlechtes Gewissen auflaufen lassen. Bei dieser Strategie vergessen Sie Ihre gute Erziehung zu Aufmerksamkeit und Höflichkeit und verschließen einseitig die Kommunikation. Sie stehen weder als Tröster noch als Helfer zur Verfügung, sondern verweigern sich jeder Vereinnahmung. Das sorgt für eine gewisse Ernüchterung, klärt aber die Situation.

 

Nervt Sie eine Kollegin beispielsweise erneut mit ihrer komplizierten Beziehungsgeschichte und fragt nach Ihrem Rat, den sie sowieso nie befolgt (Zögerer, Typ 3), könnten Sie ihr kühl sagen: „Tut mir leid. Das ist bei dir sinnlos. Frag mich dazu nicht mehr.” Jammert ein Kollege mal wieder, dass er mit Excel nicht klarkommt, und blickt dann hilfesuchend zu Ihnen (ewiges Opfer, Typ 1), wäre eine denkbare Antwort: „Tut mir leid, dein Problem.” Dafür müssen Sie noch nicht einmal aufsehen, weil Sie es bei dieser kurzen Reaktion belassen – keine weitere Erklärung.

 

Diese Strategie ist ein wenig harsch und bietet sich deshalb vor allem an, wenn freundliche Ansätze wiederholt nicht funktioniert haben und Ihre Geduld als Zustimmung missverstanden wurde. Sie eignet sich vor allem für Nervensägen, die Ihnen hierarchisch gleichgestellt sind und mit denen Sie den Austausch folgenlos auf ein Minimum beschränken können. Manche Führungskräfte wenden sie auch gegenüber Mitarbeitern an („kaltstellen”). Damit schaden sie sich aber eher selbst, weil ihnen damit eine Arbeitskraft ausfällt, die sie trotzdem weiter bezahlen müssen.

 

6. Absichtlich eskalieren lassen

Bei hartnäckigen Nervensägen hilft manchmal nur eine leichte Form der Schocktherapie: Sie eskalieren den Konflikt absichtlich, indem Sie – eindrucksvoll gespielt – ausflippen. Rücken Sie ihr nahe ans Gesicht und pressen Sie einige wütende Worte hervor, die allerdings aus rechtlichen Gründen unverfänglich bleiben müssen. Mit Nachdruck, vielleicht sogar geschrien, haben sie trotzdem genug Durchschlagskraft. Gerade wenn Sie sonst als ruhiger, besonnener Mensch gelten, kann das eine Nervensäge so nachhaltig erschüttern und verängstigen, dass sie sich nie wieder in Ihre Nähe traut. Sie haben gewonnen, nämlich endlich Ihre Ruhe!

 

Wenn Ihr Kollege Sie wieder mit seinen umständlichen Philosophien nervt, anstatt endlich seine Arbeit zu erledigen (Welterklärer, Typ 7), könnten Sie die Hände hoch- und die Augen aufreißen und ihn anbrüllen: „Ich will das nie wieder hören! Hast du das verstanden?! Lass mich in Frieden – ein für alle Mal!” Er wird zusammenzucken, vor Schreck erbleichen und sich hinter seinen Computer flüchten. Plappert die allzu gesellige Sekretärin (Helferseele, Typ 4) pausenlos, könnten Sie sie anfahren: „Kannst du mal ruhig sein? Unerträglich!”

 

Allerdings müssen Sie hier bedacht vorgehen. Diese Strategie birgt im Zeitalter der „Achtsamkeit” gewisse Risiken. Denn offene Aggressivität ist nun überall verpönt, passiv-aggressive Kommunikation dagegen erlaubt. Achten Sie also darauf, dass Sie nichts Justiziables sagen und es möglichst keine Zeugen gibt. Verlassen Sie stattdessen die Szene ruhig und lassen Sie bei den anderen durchklingen, dass Sie besorgt sind, ob es dem Kollegen noch gut geht. Er wirke so angespannt. Beklagt er sich über sie, blickt er in sorgenvolle Gesichter: „Du brauchst wahrscheinlich mal eine Pause!”

 

7. Durch Beschäftigung zum Schweigen bringen

In keinem Unternehmen ist die Arbeitsbelastung gleichmäßig verteilt. Da mögen Produktion, Vertrieb und Kundenservice noch so wegen Überlastung ächzen, in den Bürokratien abseits der Wertschöpfung kann man sich jahrelang mit sich selbst beschäftigen. Dieses Gefälle machen Sie sich mit der folgenden Strategie zunutze: Sie verteilen Arbeit an unterbeschäftigte Nervensägen im Team und anderswo und binden deren überschüssige Energie so produktiv. Möglicherweise kommt dabei sogar etwas heraus, was allen nutzt.

 

Hebt ein Kollege mit Hang zum Salonbolschewismus zu einem Vortrag darüber an, wie die Weltökonomie gerechter organisiert werden müsste (Weltverbesserer, Typ 6), könnten Sie ihm eine halbfertige Präsentation in die Hand drücken: „Gut, dass du da bist! Kannst du hier noch die Fotos einsetzen und auf Tippfehler lesen?” Redet die Assistentin nur noch vom nächsten Team-Event (Helferseele, Typ 4), könnten Sie sagen: „Super, du hast also gerade Zeit. Wollen wir gleich mal den Marketingplan fürs nächste Jahr durchgehen?” Erheben Sie sich beim Sprechen schwungvoll und mit einem erfreuten Lächeln, als könnte es jetzt direkt losgehen.

 

Diese Strategie ist für Sie in jedem Fall vorteilhaft: Entweder, die Nervensäge behauptet plötzlich, selbst noch viel zu tun zu haben, und verschwindet. Dann haben Sie Ihre Ruhe. Oder sie lässt sich tatsächlich einspannen und übernimmt eine sinnvolle Aufgabe. Dann haben Sie unerwartete Unterstützung. Redet sie dabei trotzdem weiter, ist das ein kleiner Preis dafür. In seltenen Fällen beklagt sich die Nervensäge, dass sie ungefragt vereinnahmt wurde. Hier hilft ein Hinweis auf teamübergreifende Kooperation: „Kein Silo-Denken!”

 

8. Unerwartet konsequent Grenze setzen

Ganz ohne laute Worte und Dramatik kommt die nächste Strategie aus: Sie setzen eine eindeutige, konsequente Grenze – der Nervensäge direkt oder ihrem Vorgesetzten. Machen Sie klar, dass Sie nicht über Details verhandeln oder zurückstecken. Notfalls möge man sich jemand anders suchen. Damit verblüffen Sie alle, die Sie bisher immer nur freundlich und geduldig kennen. Treten Sie so vehement auf, weiß jeder, dass ein echter Notfall vorliegen muss und Sie sicher im Recht sind. Daran lassen Sie keinen Zweifel. Um Sie nicht zu verlieren, wird man eine andere Lösung finden.

 

Hat Sie beispielsweise ein störrischer Teamkollege (Rechthaber, Typ 2) genug geärgert, können Sie Ihrem gemeinsamen Abteilungsleiter ruhig mitteilen: „Ich werde mit diesem Kollegen nicht mehr zusammenarbeiten. Bitte sorge dafür, dass er in ein anderes Team, besser noch in eine andere Abteilung versetzt wird.” Anfangs wird er mit ihnen feilschen und Sie – schon, um sich Arbeit zu ersparen – zum Einlenken bewegen wollen. Auch verzögern und verschleppen. Sie bleiben hart: „Das war mein Ernst. Kümmere dich darum. Ich arbeite mit diesem Kollegen keinen Tag mehr.”

 

Diese Strategie setzt voraus, dass Ihr Ruf untadelig ist, und kann in Ihrer gesamten Karriere nur wenige Male benutzt werden. Schließlich wollen Sie nicht als jemand dastehen, der selbst ständig Schwierigkeiten macht. Am besten funktioniert sie in großen Organisationen, in denen sich leicht Alternativen in anderen Teams oder Außenstellen finden lassen und wo interne Versetzungen und Rotationen sowieso üblich sind. Treten Sie klar und konsequent auf, stehen Sie am Ende sogar als jemand da, der Schaden vom Unternehmen abgewendet hat. Dafür wird man Sie umso mehr respektieren.

 

9. Darauf vertrauen, dass sie sich selbst erledigen

Die meisten unserer Blitzstrategien erfordern, dass Sie auf irgendeine Weise aktiv werden. Doch manche Nervensäge erledigt sich ganz von selbst ohne Ihr Zutun, wenn Sie nur geduldig abwarten können. Insbesondere die Typen 1 und 2 sind von negativer Energie (Leiden beziehungsweise Konflikt) beherrscht, während es bei den Typen 3 bis 7 aufsteigend besser wird. Dabei ist es unvermeidlich, dass die spezielle Negativität der Nervensägen sich, obwohl sie zuerst nerven, bald auch gegen sie selbst richtet. Sie öden sich bald genau mit dem selbst an, mit dem sie andere belasten.

 

Sehen Sie etwa, dass eine Branchenkollegin ständig andere auf Twitter angreift und kritisiert (Rechthaber, Typ 2), brauchen Sie gar nicht einzugreifen und sie zurechtzuweisen. Beobachten Sie nur, was passiert. Sie wird zuerst Beifall dafür erhalten, dass sie „klare Kante zeigt”, es sich aber genau deswegen bald mit so vielen verderben, dass sie überall in Ungnade fällt. Erst wird sie immer häufiger ihre Beiträge nach Kritik wieder löschen, bald vielleicht sogar ihr ganzes Konto. Damit hat sich das Problem erledigt, ohne dass Sie sich positionieren oder überhaupt etwas tun mussten.

 

Hier zeigen Sie Ihr Vertrauen auf eine langfristige Gerechtigkeit, die Sie nicht allein vorantreiben müssen. Auch eine gewisse spirituelle Reife. Diese Strategie fällt umso leichter, je älter Sie sind. Denn mit wachsender Lebenserfahrung haben Sie beruflich und privat genug Fälle beobachtet, in denen es langfristig doch gerecht zuging. Jeder bekommt früher oder später einmal, was er verdient („Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein”). Das macht es leichter, zeitweise Ungerechtigkeiten gelassener hinzunehmen und abzuwarten.

 

Flexibel einsetzen

Im Laufe Ihres Berufslebens werden Sie auf jeden Nervensägentyp treffen und alle genannten Strategien einmal anwenden können. Machen Sie sich zunächst theoretisch damit vertraut, probieren Sie bei passender Gelegenheit unterschiedliche Ansätze aus und entscheiden Sie danach fallweise, was Ihnen geeignet erscheint. Am effektivsten sind Sie mit einem weitgefächerten Arsenal an Methoden und Flexibilität beim Einsatz. Nach einiger Zeit müssen Sie dann gar nicht mehr lange überlegen, welche Strategie Sie anwenden. Sondern entscheiden situativ und wechseln, wenn Ihnen ein anderer Ansatz erfolgversprechender scheint. Das hat zudem den Vorteil, dass Ihr Kommunikationsverhalten intuitiv und natürlich wirkt, nicht kalkuliert und mechanisch angewendet.

 

In der Branche begegnet man sich wieder

Wenn Sie länger im Unternehmen bleiben wollen, lohnt es sich, Vorgesetzte und Kollegen näher kennenzulernen, um sie einschätzen und einem Nervensägentyp zuordnen zu können. Das braucht eine gewisse Zeit, erlaubt Ihnen aber individuelle Strategien. Identifizieren Sie in diesem Fall den Typ und folgen Sie im jeweiligen Kapitel dem Abschnitt, um ihn sich zum Freund oder sogar zum Verbündeten zu machen. Ist absehbar, dass Sie sowieso nur kurz bleiben wollen, kann das ebenso sinnvoll sein, weil Sie sich nach einigen Wechseln innerhalb der Branche trotzdem immer wiedersehen werden. Die Blitzstrategien eignen sich daher insbesondere für Ausnahme- und Notfälle und wenn Sie keine Rücksicht auf Verluste, auch auf Ihrer Seite, nehmen können oder wollen.

 

 

 

 

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