Wenn die Unternehmen bei Entlassungen am Ende nur draufzahlen

Entlassungen: Wenn das Einsparen am Ende teuer wird

 

Entscheider laufen Gefahr, sich von kurzzeitigen Trends verleiten zu lassen und voreilig zu Massenentlassungen in die Wege zu leiten, nur weil sie gerade mal branchenüblich sind. Progressive Unternehmen dagegen gehen als Gewinner aus Krisen hervor. Dafür müssen sich ihre Führungskräfte aber differenziert mit der eigenen Organisation auseinandersetzen, bevor sie über Maßnahmen entscheiden.

Gastbeitrag von Katja Bauer, Personalexpertin und Partnerin bei  der Personalberatung i-potentials.

 

 

Eine Checkliste, welche Kosten sich in Entlassungen verstecken und in der Gesamtkalkulation nicht unter den Tisch fallen dürfen:

 

Sinkende Produktivität durch Vertrauensverlust in der verbleibenden Belegschaft

Nehmen Führungskräfte unausweichliche Entlassungen vor, sollten sie sie ehrlich und transparent kommunizieren. Mutige und reife Führungskräfte illustrieren ihren Teams die Beweggründe ihrer Entscheidungen, gehen aber mit Maß und Bedacht vor. Nur so können sie das Risiko unverhältnismäßig großer Unsicherheit sowie großem Vertrauensverlust – und Auswirkungen auf Motivation und Produktivität minimieren.

Absolute Ehrlichkeit bedeutet auch, eine allgemein Krise nicht als Ausrede für ohnehin beabsichtigte Restrukturierungen oder eigene Fehlentscheidungen im Unternehmen zu nutzen. Führungspersönlichkeiten brauchen dabei mehr Rückgrat denn je.

Sinkende Produktivität durch Stress in der verbleibenden Belegschaft

Demotivation und Unsicherheit: Laut Gallups “State-of-the-Global-Workplace”-Report fühlten sich Arbeitnehmende 2021 so gestresst wie noch nie – und viele arbeiten dadurch weniger produktiv. Das zentrale Ergebnis: Je wohler ein Mensch sich in seiner Organisation fühlt, desto engagierter ist er – und umso produktiver ist er. Andersherum gesagt: Stress ist ein Produktivitätskiller. Wer Kosten-Nutzen von Entlassungen kalkuliert, sollte daher beziffern, wie stark durch Entlassungen die Produktivität verbleibender Teammitglieder sinkt.

Mit den Entlassenen verschwindet deren Expertise

Mit den Mitarbeitern verlässt auch deren Fachwissen das Unternehmen. Die Lücken, die entstehen, können ungeahnte Folgen fürs Unternehmen haben: über lange Jahre eingespielte Prozesse werden durchkreuzt und Fortschritte, die von eben jenen gekündigten Fachleuten abhängen, verzögern sich oder bleiben ganz aus. Zudem: Beim Fachkräftemangel, der zuzunehmen droht, ist es womöglich teurer, später entsprechende Fachräfte zu suchen und anzuheuern, als sie an Bord zu behalten.

Kosten für Abfindungen und juristische Auseinandersetzungen

200.000 Kündigungsschutzklagen gingen 2020 an deutschen Arbeitsgrichten ein. Alleine 2020 wurden laut BMAS die allermeisten von den Arbeitnehmern eingereicht. Schnellschüsse können ein teures juristisches Nachspiel haben.

Neuerliche Kosten für Neubesetzungen und Onboarding-Prozesse

Für Unternehmen bieten sich mit dem Ende der Rezession neue Chancen, die sie wiederum nur mithilfe der nötigen Fachkräfte erreichen können  – die sowieso an alle Ecken und Enden fehlen.Für jede neu zu besetzende Fachkraft kalkulieren Experten mit Kosten von rund einem halben Jahresgehalt, exklusive der Ressourcen, die für das Onboarding der neuen Fachkräfte erforderlich sind. Ein Reputationsverlust durch Massenentlassungen könnte Unternehmen dabei am Ende teuer zu stehen kommen.

 

 

 

 

 

 

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