Weiße Elefanten, Aasgeier und Bienenköniginnen im Job. Wissenschaftlerin Barbara Stöttinger über die Business-Welt von ihrer animalischen Seite

Die Business-Welt von ihrer animalischen Seite

Im dichten Unternehmensdschungel unserer Wirtschaftswelt, wo intensiver Wettbewerb herrscht und das Überleben des Stärkeren regiert, tummeln sich bisweilen ganz sonderbare, aber zugleich auch sehr interessante Kreaturen, sagt Barbara Stöttinger. Die Dekanin der WU Executive Academy, hat ihre prominentesten Vertreter genauer unter die Lupe genommen. (Gastbeitrag)

 

 

 

Das sind die schillerndsten Spezies im Dschungel der Business-Tiere, kompakt und übersichtlich anhand ihres Gewichts geordnet:

 

1. Die weißen Elefanten (bis zu 6.000 Kilo)

Weiße Elefanten stehen symbolhaft für riesige Projekte ohne tieferen ökonomischen Sinn, beispielsweise für Bauprojekte im Zuge von Großveranstaltungen wie Sportevents. In vielen Ländern stehen Stadien, die kaum genutzt werden und verfallen.

Weiße Elefanten sind aber auch ein Begriff für Mitarbeiter in Unternehmen, die keine wirkliche Funktion haben – auch in der Politik und in staatsnahen Unternehmen trifft man immer wieder auf diese Tierart. Im unternehmerische Kontext empfehlen sich zwei Strategien, um mit weißen Elefanten zielführend umzugehen:

I. Wie im Sport hilft auch in der Business-Welt konsequentes Training, um unerwünschte Kilos zu verlieren: So können aus weißen Elefanten, wenn sie in einem neuen Betätigungsfeld richtig eingesetzt werden, fleißige Arbeitsbienen werden.

II. So schwierig es vielleicht gerade bei einer „bedrohten“ Tierart sein mag, sie loszuwerden, zahlt sich die Extra Meile in der Regel aus.

 

 

2. Die Narwale (bis 1.500 Kilo) und die Einhörner (Gewicht unbekannt)

Einhörner (oder Narwale, wenn es sich um kanadische Unternehmen handelt) heissen  jene Start-ups, die einen Marktwert von mehr als einer Milliarde US-Dollar erreicht haben und nach 1999 gegründet wurden. Bekannte Beispiele wie AirBnB oder Uber zeigen, weshalb sie sich in einer umkämpften Umwelt durchsetzen konnten: Sie schaffen mit innovativen Neukombinationen Märkte, die die etablierten Player übersehen haben. Einhörner erkennen früh neu entstandene Märkte mit wenig Konkurrenz und zeichnen sich durch intelligente Innovationen (Technologie, Produkt und/oder Geschäftsmodell) mit einem zumindest zeitweiligen Alleinstellungsmerkmal aus.

 

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3. Die Haie (bis 1.100 Kilo)

In den Meeren, die an den Dschungel angrenzen, tummeln sich zahlreiche Haifische, die ihre Runden drehen und Ausschau nach Beute halten. Sie spielen vor allem im Finanzjargon eine große Rolle und gelten als Symbol für angriffslustige, hungrige Konkurrenten, die keine Gelegenheit auslassen, um rasch zuzuschlagen, oder ein Unternehmen feindlich zu übernehmen. Als Abwehrmaßnahme gegen eine derartige Übernahme hilft bisweilen ein sogenannter „shark repellent“ (übers. Haiabwehrmittel), Bestimmungen in einer Unternehmenssatzung, die es schwieriger machen, die Akzeptanz eines feindlichen Übernahmeangebots erfolgreich zu gestalten.

 

 

4. Die Bullen (bis 1.000 Kilo) und die Bären (bis 750 Kilo)

Bullen und Bären gehören in der Business-Welt einfach zusammen. Während die Bullen ein Symbol für steigende Aktienkurse sind, stehen die Bären für sinkende Kurse. Der geschichtliche Hintergrund: einst wurden in Kalifornien diese beiden Tiere bei Kämpfen aufeinander losgelassen. Der Bulle konnte gewinnen, wenn er den Bären mit den Hörnern in die Höhe schleuderte, daher steht er für steigende Kurse. Der Bär hingegen blieb siegreich, wenn er mit seinen gewaltigen Pranken von oben nach unten schlagen konnte – dementsprechend steht er für sinkende Kurse.

 

 

(Foto: Privat)

 

 

5. Die Cash Cow (bis 750 Kilo)

Die Cash Cow hätte natürlich jeder von uns gerne, denn die Cash Cow – auf Deutsch nur unzureichend mit Cash-Kuh zu übersetzen – sorgt für stete Einnahmen bei überschaubaren Kosten. Auf diese Spezies gilt es, besonders gut aufzupassen, denn bekanntlich geben glückliche Kühe mehr Milch, was wiederum für den Bauern gut ist. Aber Vorsicht: Gerade auf großen Bauernhöfen kann diese spezielle Fürsorge mitunter dazu führen, dass andere Tiere im Stall (=weniger profitable Bereiche) lange vernachlässigt werden, was langfristig negative Auswirkungen haben kann.

 

 

6. Die Goldesel (bis 500 kg)

Eine sehr rare Spezies, die so selten in der Business-Welt vorkommt, dass sie noch niemand wirklich zu Gesicht bekommen hat. Trotzdem sind die Beliebtheitswerte der Goldesel nicht zu übertreffen – jedes Unternehmen hätte nämlich gerne einen solchen im Keller – dann würde so manches leichter fallen.

 

 

7. Die Zebras (bis 450 Kilo)

Zebras sind in der Business-Fauna eng verwandt mit den Einhörnern, allerdings mit einem wichtigen Unterschied: Zebras sind Start-Ups, denen es nicht um Gewinne und exponentielles Wachstum um jeden Preis geht, sondern die auch auf nachhaltige Werte wie soziale Verträglichkeit achten. Sie sind nicht darauf ausgelegt, alles kahl zu fressen, sondern sorgsam mit den Ressourcen umzugehen. Sie sind zugleich profitabel und gesellschaftlich verträglich. Nie würden sie das eine um das andere opfern. Wachstum ist zwar für Zebras, die oft unter der Kategorie der Social Entrepreneurs geführt werden, auch von Bedeutung – aber stets unter der Prämisse eines positiven Wandels von Wirtschaft und Gesellschaft. Die 2005 gegründete E-Commerce-Website Etsy, die sich auf den Kauf und Verkauf von handgemachten Produkten, Vintage und Künstlerbedarf spezialisiert hat, oder Basecamp, ein Unternehmen, das Start-ups umfassend dabei unterstützt, im Silicon Valley Fuß zu fassen, sind nur zwei Beispiele erfolgreicher Zebras.

 

(Foto: Tödtmann)

 

 

8. Die Gorillas (bis 300 kg)

Der Gorilla ist ein Respekt einflößendes Tier – nicht nur in der freien Wildbahn, sondern auch im Business-Kontext ist er stark und beeindruckend. Mit diesem Begriff werden in die dominierenden Unternehmen einer Branche bezeichnet, die allerdings keine Monopolisten sind. Dank ihrer Vorherrschaft am Markt können sie jedoch viel riskieren. Keiner wagt es, sie zu attackieren.

 

 

9. Der Vogel-Strauß- Effekt (bis 150 Kilo) 

Vom Vogel Strauß-Effekt (Gegenteil: siehe „Erdmännchen-Effekt“) spricht man, wenn in der Finanzwelt Anleger versuchen, ungünstige Börsenentwicklungen und –kurse zu ignorieren, und stattdessen lieber ihre Köpfe in den sprichwörtlichen Sand stecken (übrigens eine Eigenschaft, die Sträußen fälschlicherweise zugeschrieben wird). Auf den Unternehmenskontext umgelegt bedeutet eine Vogel-Strauß-Politik, dass Führungskräfte, sobald (größere) Probleme auftauchen, diese kleinereden, ignorieren oder – im schlimmsten Fall – verheimlichen. Ein Verhalten, das im „Best-of-Führungsfehler-Handbuch“ definitiv zu einen der vorderen Plätze einnimmt.

 

 

 

10. Die schwarzen Schwäne (bis 15 Kilo)

Vor rund 15 Jahren hat der Börsenexperte und Philosoph Nassim Nicholas Taleb in seinem gleichnamigen Buch die schwarzen Schwäne beschrieben. Dabei sind sie als Symbole für unerwartete Ereignisse schon mehr als 2000 Jahre bekannt, als solche Tiere noch als gänzlich undenkbar galten. Doch es gibt sie tatsächlich, sowohl in der Natur, als auch in der Wirtschaft und der Weltgeschichte. Mit Black-Swan-Events werden unvorhersehbare Geschehnisse mit dramatischen Auswirkungen bezeichnet. Nassim Taleb meint, dass die Vorhersage solcher Ereignisse so gut wie unmöglich ist und angebliche Propheten wie Börsengurus – wenn überhaupt, dann nur durch Zufall – mit ihren Zukunftsvorhersagen ins Schwarze treffen.

 

 

11. Die Aasgeier (bis 12 kg)

Aasgeier sind so wie eine deutlich kleinere Gattung, die Heuschrecken (siehe weiter unten), Symbole für Investoren wie beispielsweise bestimmte Hedgefonds, die geschwächte Unternehmen nur wegen kurzfristiger Gewinne übernehmen und an einer langfristigen Entwicklung gar nicht interessiert sind.

 

 

12. Die fetten Katzen (bis sieben Kilo)

Bei den in der Fachsprache oft als „fat cats” bekannten Tieren handelt es sich um in der Regel sehr reiche und gierige Menschen, die ein großes Vermögen besitzen und sich der Arbeit anderer bedienen, um durch sie noch reicher zu werden. Als „fat cats“ werden aber auch Top-Manager und Konzern-Bosse bezeichnet, die in wenigen Tagen so viel verdienen, wie ein Arbeitnehmer in einem ganzen Jahr. Der weltweit ermittelte „Fat Cat Day“ ist jener Tag, an dem das jährliche Einkommen von Beschäftigten durch Vorstandsmitglieder bzw. Vorstandsvorsitzende bereits verdient wurde. In Österreich ist dieser Tag der 9. Jänner, in Deutschland der 5. Jänner. Spitzenreiter bei der Lohnungleichheit sind die USA: Dort müsste der Chef nicht einmal zwei Tage arbeiten, um das Jahresgehalt eines durchschnittlichen Mitarbeiters zu verdienen.

 

 

(Foto: Privat)

 

 

13. Die lahme Ente (bis fünf Kilo)

Der Begriff „lahme Ente“ stammt aus der Börsenwelt und umschreibt einen Investor, der die Verluste nicht mehr ausgleichen kann. Unter lahmen Enten versteht man aber heute in der Wirtschaft auch jene Unternehmen, die wenig Offensivkraft entwickeln können; in der Politik bezeichnen sie handlungsunfähige Politiker, wie etwa den amerikanischen Präsidenten, der noch bis mit Januar im Amt war, obwohl im November des Vorjahres bereits ein neuer Präsident gewählt wurde.

 

 

(Foto: Tödtmann)

 

14. Der Erdmännchen-Effekt (bis 0,8 Kilo)

Erdmännchen sind proaktive Anleger, die ihre Finanzportfolios ständig auf Anzeichen für positive oder negative Nachrichten überprüfen. Im Gegensatz zum Vogel-Strauß-Effekt stecken Investoren bei schlechten Vorzeichen nicht den Kopf in den Sand, sondern verhalten sich wie hyper-wachsame Erdmännchen, die immer auf der Hut sind – vor allem dann, wenn sich ungünstige Marktentwicklungen abzeichnen, oder Märkte zusammenzubrechen drohen.

 

15. Die Heuschrecken (bis vier Gramm)

Siehe “Aasgeier”.

 

 

16. Die Bienenköniginnen (bis drei Gramm)

Bienenköniginnen heißen weibliche Führungskräfte in einem von Männern dominierten Umfeld, die Mitglieder aus ihrem Team (absichtlich) nicht bei ihrer Entwicklung fördern, insbesondere dann, wenn es sich um Frauen handelt. Aktuelle Forschungsergebnisse stützen die Hypothese, dass Frauen an der Macht (die sich wie Bienenköniginnen verhalten nach dem Motto „im Bienenstock kann es nur eine wie mich geben“) hauptsächlich auf ihresgleichen herumzuhacken scheinen. Ein bekanntes Beispiel für den Bienenköniginnen-Effekt ist der Hollywood-Klassiker „Der Teufel trägt Prada“: Neben der narzisstischen Chefredakteurin Miranda Priestly (gespielt von Meryl Streep) gibt es für andere Frauen in ihrem Team keine Möglichkeit, sich zu entfalten – vor allem nicht für die zweite Protagonistin, Mirandas Assistentin Andy (gespielt von Anne Hathaway).

 

17. Die Killer-Bienen (bis 2,5 Gramm)

Killer-Bienen sind externe Unternehmen oder Einzelpersonen wie Investmentbanker, Wirtschaftsprüfer, Anwälte oder Steuerexperten, die von einem von einer Übernahme bedrohten Unternehmen beschäftigt werden, um ein Übernahmeangebot abzuwehren. Ziel ist es, verschiedene Anti-Übernahme-Strategien zu identifizieren und anwenden, um das Zielunternehmen wirtschaftlich unattraktiv und die Übernahme kostspieliger zu machen (siehe „die Haifische“ und „shark repellents“).

 

 

 

 

 

 

 

 

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