Drei Frauen-Typen sollten lieber keine Führungskräfte werden, sagt Top-Management-Beraterin und Personalprofi Wiebke Köhler

Wiebe Köhler, Geschäftsführerin der Strategieberatung ImpactWunder, Ex-Personalvorständin der Axa Versicherung und früher Headhunterin bei Heidrick & Struggles und Zehnder, hat drei Frauentypen ausgemacht, die sich selbst im Weg stehen und lieber nicht auf die Führungsebene befördert werden sollten. Ein Gastbeitrag.

 

Foto: Wiebke Köhler (Foto: Privat)

 

 

Chefinnen-Typ Nummer eins: Der bessere Mann

Hart und unsympathisch

Sie hat erste beachtliche Erfolge errungen, weil sie sich durchgekämpft und gelernt hat: Management-Karriere ist Kampf; vor allem Kampf mit „den Männern“. Will sie gewinnen, muss sie besser sein als die Männer, muss der bessere Mann sein – denkt sie.

 

Vom engagierten Kampf bis zur verbiesterten Verkrampfung ist es jedoch nur ein kurzer Weg – jedoch: ein Holzweg. Alles, was frau als Frau mitbringt, wird unter dem Diktat des männlichen Filters bewertet und weggedrückt, bis die Frau mit den Jahren hart gegenüber sich selbst und anderen wird. Das macht sie nicht sympathisch. Dabei ist Sympathie, der Nasen-Faktor, immer noch eine Karriere-Determinante.

 

Angeglichen, aber sie kann nur sich selbst etwas vormachen

Sie kleidet sich androgyn bis maskulin, verzichtet auf Schmuck und Accessoires und gibt sich betont rational, kühl, kurz angebunden. Lachen, Lächeln oder gar freundlich auf andere zugehen, ist ihr suspekt und das oft auch begründet. Denn in vielen Organisationen wird eine zu häufig lächelnde Frau immer noch als „not tough enough for business“ missinterpretiert. Dieser Typ Karrierefrau sollte sich diese Art Karriere zweimal überlegen, denn so sehr sie sich auch angleicht und Männer übertrifft: Niemand wird sie jemals für einen Mann halten. Frau kann sich selber etwas vormachen, doch das Gegenüber wird sie immer als Frau wahrnehmen.

 

Die daraus resultierende kognitive Dissonanz „sieht aus wie Frau – agiert wie Mann“ führt letztendlich zum Scheitern von Führung und der Karriere. Einmal ganz davon abgesehen, dass es auch ein Schlag ins Gesicht der Diversität ist: Frauen, die wie Männer agieren? Haben wir nicht schon genug reale Männer im Management? Ganz zu schweigen davon, dass die permanente Selbstverleug-nung all dessen, was uns als Frau ausmacht, zu einer Beschädigung des Charakters bis hinein in die Neurose führt.

 

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Chefinnen-Typ Nummer zwei: Die Eisprinzessin

Sie weiß, was sie kann und zeigt das auch. Sie ist so selbstbewusst, dass sie ob ihrer unbestritten herausragenden Leistungen die weniger herausragenden Leistungen anderer, sachlich durchaus berechtigt, nicht wahrnimmt – auch die ihres Chefs nicht. Worauf viele Vorgesetzte allergisch reagieren. Sie setzen vorenthaltene Anerkennung selbst für die trivialsten Erfolge mit Lèse-majesté gleich, Majestätsbeleidigung. Vorgesetzte wollen unter anderem bewundert und anerkannt werden (sonst wären viele nicht Chef geworden). Sie wollen anerkannt sein als großer Deal Maker, als graue Eminenz, als innovative Visionärin oder zumindest als Chef oder Chefin. Sie erwarten, dass Mitarbeiter ihren Status anerkennen und würdigen.

 

 

Wer Vorgesetzte nicht anerkennt und lobt, macht selten nachhaltig Karriere

Sie erwarten das auch von der Eisprinzessin, die schlicht nicht auf die Idee kommt, weil sie eher noch meint, es sei dem Chef peinlich, wenn er „wegen so einer schwachen Leistung“ auch noch gelobt wird. Das ist eine Fehleinschätzung der menschlichen Natur. Bewunderung nimmt ein Mensch von allen Seiten gerne entgegen. Wenn diese dann sogar von einer Mitarbeiterin kommt, die richtig gut ist, wiegt die Bewunderung doppelt – wie auch deren Vorenthaltung. Wer Vorgesetzten Anerkennung vorenthält, macht selten nachhaltig Karriere.

 

Denn der Chef wird sich bewusst oder unbewusst für die vorenthaltene Anerkennung rächen, indem er schlicht andere Kandidaten fördert, die ihn stärker bewundern oder überhaupt respektieren. Nota bene: Einschmeicheln oder Brownnosing sind etwas komplett anderes als berechtigte Anerkennung spenden – doch das wollen Eisprinzessinnen oft nicht wahrhaben: „Ich krieche doch meinem Chef nicht hinten rein!“ Davon war nie die Rede. Authentische Anerkennung ist etwas komplett anderes als manipulative Schmeichelei. Wer den Unterschied kennt, macht eher Karriere und führt auch den eigenen Vorgesetzten besser.

 

Chefinnen-Typ Nummer drei: Die Boss-Blamiererin

Sie ist die große Schwester der Eisprinzessin. Sie ist rein sachlich und fachlich nichts weniger als brillant und hat in Sachfragen praktisch pausenlos Recht – was sie ohne jegliches politische Gespür auch jedem gerne sachlich absolut korrekt mitteilt. Doch wenn andere ständig Recht haben, kann das bei bestimmten Vorgesetzten dazu führen, dass sie sich nicht ernst genug genommen fühlen – oder gar lächerlich gemacht fühlen.

 

Wer den Boss blamiert, steigt nicht mehr auf

Die Abteilungsleiterin zum Beispiel befürwortet die spontan in einem Meeting auf-kommende Idee einer bestimmten Produktinnovation mit glühenden Worten. Die Boss-Blamiererin sagt, sachlich absolut wasserdicht: „So neu ist die Idee nicht. Es gibt dazu ein drei Jahre altes Papier der Projektgruppe, die das mal durchgerechnet hat: Rentiert sich nicht, verkauft sich nicht, beschädigt unser Image.“ Wie gesagt: Sachlich absolut korrekt. Aber was noch? Sie brüskiert und blamiert die eigene Vorgesetzte. Anstatt dass sie sie nach dem Meeting unter vier Augen darauf anspricht. Oder im Meeting sagt: „Tolle Idee, wird sicher super. Lassen Sie mich das mal durchrechnen – vielleicht haben wir sogar schon Daten dazu aus irgendeiner Projektgruppe.“ Dann hätte sie immer noch Recht – und gute Karrierechancen obendrein. Wer aber den Boss blamiert, hat keine.

 

… und sie merkt es meistens nicht einmal

Der psychologische Overkill besteht darin, dass die Boss-Blamiererin meist völlig überrascht ist, wenn sie merkt, dass sie der Vorgesetzte meidet oder kaltstellt. Sie ist sich keines Vergehens bewusst. Sie hat doch nur mit ganzer Leidenschaft die eigentliche Sache verfolgt und ihre ganze Brillanz eingebracht – zum Wohle des Unternehmens. Leider nicht zu ihrem eigenen – oder dem ihres Vorgesetzten.

 

 

 

 

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