Worauf Frauen in Bewerbungsgesprächen für Führungspositionen achten – und was sie lassen sollten

Worauf Frauen in Bewerbungsgesprächen für Führungspositionen achten – und was sie lassen sollten. Personalexpertin Claudia Gschwind berät Unternehmen der Gesundheitsindustrie beim Besetzen von Top-Positionen und bei ihrer Personalstrategie.

 

Claudia Gschwind (Foto: Privat)

 

 

Worauf Frauen im Bewerbungsgespräch für den Führungsposten achten sollten – und was sie vermeiden sollten

Do`s und Don`ts für Bewerberinnen

Einleitende Sätze, die zum K.O. führen: „Ich bin mir nicht sicher…“

Um ja nichts Falsches zu sagen, neigen manche Bewerberinnen dazu, sehr vorsichtig zu agieren – und bringen das leider auch deutlich zum Ausdruck. Zum Beispiel durch Sätze wie „Ich bin mir nicht sicher, ob es angemessen ist, das jetzt so zu sagen, aber ich denke, dass…“. Mit solch einleitenden Sätzen will die Kandidatin eigentlich die Erwartungshaltung Ihres Gegenübers abklopfen. Aber diese Äußerungen vermitteln Unsicherheit statt Vorsicht. Und Unsicherheit sollten Anwärterinnen auf eine Führungsrolle auf keinen Fall ausstrahlen. Sie sollten darauf achten, dass auch Ihre einleitenden Formulierungen und Nebensätze Klarheit und Entschlossenheit vermitteln.

 

 

Zaghafte Körpersprache: Zu grade sitzen wirkt verkrampft

Schon wenn man den Raum betritt, kann man viel falsch machen. Geht man aufrecht und sicher, oder zögerlich und abwartend? Sitzt man beim Gespräch übertrieben gerade, wirkt man verkrampft. Doch Obacht: Wer sich zu lässig in den Sessel fläzt, dessen Gegenüber könnte annehmen, dass man das Gespräch und die Anforderungen an die Stelle nicht ernst genug nimmt. Und ein leicht zurückgedrehter Oberkörper signalisiert: Ich möchte nicht anecken. Doch dazu müssen Führungskräfte bereit sein. Schließlich müssen Sie auch Entscheidungen vertreten, die nicht bei jedem gut ankommen.

 

Bloß nicht lachen, um Unsicherheit zu überspielen 

Macht Ihr Gegenüber einen offensichtlichen Scherz, sollte man lachen, auch wenn man ihn nicht für gelungen hält. Aber man sollte unbedingt darauf verzichten, die eigenen Ausführungen immer mit einem Lachen zu beenden, um locker zu wirken, Gesprächspausen zu überbrücken oder das Gesagte zu relativieren. Denn häufiges, unangebrachtes Lachen suggeriert beim Gesprächspartnern vor allem eines: Unsicherheit. Und das wirkt wenig überzeugend.

 

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Lieber ein Outfit, das Understatement vermittelt

Grundsätzlich gilt: Je höher die Position ist, für die man sich bewirbt, desto dezenter sollte der Kleidungsstil sein. Auch Make-Up und Schmuck sollte man wohldosieren und es nicht übertreiben. Die Kunst liegt darin, mit dem eigenen Stil und Auftreten zu vermitteln, dass man zur Führungsriege passt. Dass man vertraut ist mit Dresscode und Accessoires, die Understatement vermitteln. Schrilles und Ungewöhnliches irritiert und weckt kein Vertrauen beim Gegenüber, sondern eher Verunsicherung, ob es wirklich richtig war, den Kandidatin einzuladen.

 

Social Media: Posten, durchaus, – aber nicht zu viel, denn manche Personaler haben dann einen falschen Eindruck 

Man kann sicher sein, dass Personalberater und HR-Verantwortliche sich bei LinkedIn, Twitter, Facebook, Instragram & Co längst über die Kandidatin informiert haben, bevor sie ein persönliches Wort gewechselt haben. Wer in den sozialen Netzwerken täglich viel liked und posted, vermittelt womöglich den Eindruck, dass man seinem Job zu wenig Aufmerksamkeit schenkt, weil seine Social Media-Aktivitäten viel Zeit fressen. Und dann müssen Kandidatinnen mit kritischen Fragen rechnen – vielleicht auch was die Inhalte Ihrer Posts angeht.

 

Knapp und eindeutig antworten, ist besser als langatmig verteidigen

Lamentos und lange Einleitungen sind ebenso wenig gefragt wie ein Bückling durch den Sprachgestus. Womit man sich dagegen von Mitbewerbern positiv abheben kann, ist Klarheit. Wichtig sind eine klare Ausdrucksweise und vor allem klare Aussagen. Werden Sie zum Beispiel gefragt, wie Sie Job und Familie vereinbaren, sollten Sie nicht lang und breit darlegen, wie Sie sich privat organisiert haben, sondern mit einem diesen kurzen Sätzen parieren: „Wir haben die Kinderbetreuung gut organisiert. Ein krankes Kind hält mich nicht vom Arbeiten ab, falls das Ihre Sorge ist.“

 

Aufrechte Haltung, freundlich lächeln und den anderen direkt angucken

Manche Menschen knicken bei unangenehmen Fragen regelrecht ein, ziehen sich mit dem Körper zurück und machen den Eindruck, sie wären gerade gern ganz woanders. Wer sein Gegenüber mit einem selbstsicheren Auftreten überzeugen will, sollte mit seinem Körper nach vorne gehen und dabei eine aufrechte Haltung bewahren. Man sollte seinen Gesprächspartner direkt ansehen und nicht vergessen, freundlich zu lächeln. Die Hände sollte man absetzen und ruhig für Gesten einsetzen, mit denen man Gesagtes unterstreichen will.

 

 

Erfolge feiern, statt sie zu verheimlichen

Gerade Frauen tun sich oft schwer damit, ihre Erfolge sichtbar zu machen und selbstbewusst zu vertreten. Dabei ist das Vorstellungsgespräch genau die Bühne, um bisher verbuchte Erfolge souverän zu präsentieren, um das Gegenüber darin zu bestätigen, die richtige Wahl für den Führungsposten zu treffen. Benennen Sie Ihre Leistung konkret: „Die Gewinnsteigerung ist mir gelungen, weil…“ oder „Ich konnte auch kritische Mitarbeitende begeistern, indem ich…“. Sich hinter dem Team oder dem Vorgesetzten bei Ihrer Erfolgsbilanz zu verstecken und den eigenen Anteil kleinzureden, ist nicht bescheiden, sondern beschränkend – auch für Ihre Chancen, den Job zu bekommen. Besser ist es, offen persönliche Stärken zu benennen.

 

 

Gute Vorbereitung ist die halbe Zusage: Gehalt, Gehaltsgefüge und Fordern 

Wer sich vor dem Gespräch ein vollständiges Bild von dem Unternehmen, seinen Geschäftsfeldern, Kunden, propagierten Zielen macht, ist im Vorteil. Man sollte überlegen: Was man für dieses Unternehmen leisten kann. Mit welchem Beitrag und welcher Strategie will man künftig den Unternehmenserfolg steigern? Wer hier im Gespräch mit konkreten Ideen aufwarten kann, punktet. Zu einer guten Vorbereitung gehört ebenso, sich im Klaren darüber zu sein, wie hoch sein Gehalt sein soll. Dazu sollte man das Gehaltsgefüge im Unternehmen kennen – und den eigenen Wert. Und diesen sollte man in der Gehaltsverhandlung auch selbstbewusst vertreten. Schließlich kann man davon ausgehen, dass die männlichen Mitbewerber es genauso tun – und in der Regel mit bis zu 20 Prozent mehr aus den Verhandlungen hervorgehen.

 

 

Mit Posts und Likes auf LinkedIn oder Twitter den Marktwert steigern

Der Aufbau der eigenen Persönlichkeit als Marke spielt in Zeiten von LinkedIn, Twitter, Facebook & Co. eine wichtige Rolle. Denn durch die sozialen Netzwerke wird man weithin sichtbar und kann durch Posts und Likes steuern, wie man wahrgenommen wird. Dessen sollte man sich bewusst sein. Man sollte: Eigene Beiträge posten. Dazu beitragen, sein Profil zu schärfen. Auf Omnipräsenz verzichten, aber die Kanäle nutzen, um gezielt seine Expertise mit Fachbeiträgen oder Verweisen auf Tagungen oder Ähnliches, an denen man teilnimmt, zu untermauern.

 

 

 

 

 

 

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