Fragebogen „Nahaufnahme“ mit Modularbank-Chefin Vilve Vene, die keine Zeit für Plaudereien hat und sich als Softie bezeichnet

Den Fragebogen „Nahaufnahme“ beantwortet die Fintec-Pionierin Vilve Vene (59), CEO und Mitgründerin der Modularbank aus Tallinn in Estland – jetzt Tuum. Die studierte Mathematikern digitalisiert seit 25 Jahren Banken und baut Finanztechnologie-Unternehmen auf. Ihr Fintech hat sein Büro in Berlin. Ihr erstes Startup Icefire hat das Steuersystem von Estland mitentwickelt, das sich rühmt, eins der modernsten der Welt zu sein: Dem Finanzminister liegt nur einen Tag nach dem Jahresabschluss sein Abschlussbericht vor, erzählt sie 

Vilve Vene (Foto: Privat)

 

Erklären Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen tut.

Wir bieten eine Core-Banking-Infrastruktur, also eine technologische Plattform für Banken, aber auch für Fintechs und andere Unternehmen, die kundenorientierte und nahtlose Finanzprodukte und -dienstleistungen auf den Markt bringen.

 

Womit beginnt Ihr Tag?

Ich um sieben Uhr auf und nehme mir dann Zeit für mich. Ich lasse frische Luft hinein, höre, brühe frischen Kaffee auf und mache mir Orangensaft. Ich nehme mir einen Moment Zeit, um mich beim Frühstück auf den Tag einzustimmen.

 

Was unterscheidet Sie von anderen im Auftreten und im Behave im Job? 

Ich bin sehr offen und geradeheraus; eine No-Bullshit-Person. Ich habe  keine Zeit für Plaudereien und ich komme direkt auf den Punkt. Deshalb neigen die Leute, wenn sie mich zum ersten Mal treffen, dazu, sich von mir einschüchtern zu lassen und sich vorzustellen, dass ich diese wilde Superwoman bin, die vor nichts und niemandem Angst hat. Aber das könnte nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein. Ich bin das komplette Gegenteil. Ich bin ein absoluter Softie. Ich werde jedes Mal nervös, wenn ich auf der Bühne stehe, und bin leicht zu rühren, wenn mein Team nette Worte findet und gute Arbeit leistet…

 

… und was würden Ihre Mitarbeiter darauf antworten?

Ich stelle nur schlaue Leute ein, die mich also schnell durchschauen. Es wird gemunkelt, dass ich im Team der Modularbank – jetzt Tuum – als fürsorgliche Mutterfigur gelte.

 

Tee oder Kaffee?

Morgens Milchkaffee, nachmittags Tee. Bei Tee bin ich nicht wählerisch, aber am besten ungesüßter Früchtetee.

 

Ihr Spitzname ist…?

Meine Enkelkinder nennen mich Mummu, was auf Finnisch Oma bedeutet. Das Lustige daran ist, dass niemand in unserer Familie jemals Finnisch mit ihnen gesprochen hat – sie haben den Namen selbst erfunden, ohne dass sie die Sprache vorher kannten.

 

Verraten Sie eine Marotte.

Ich habe eine Schwäche für skandinavische Krimis. Meine Leidenschaft gilt dem Detektiv Harry Hole und seinen Einsätzen in den Büchern von Jo Nesbø.

 

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Was bringt Sie in Harnisch?

Ich kann intolerante und oberflächliche Menschen nicht ausstehen. Das sind die Eigenschaften von Personen, mit denen ich mich nicht umgeben möchte.

 

…und was bringt andere an Ihnen in Harnisch?

Mein Gesicht spricht mehr als tausend Worte. Alles steht darin geschrieben. Wenn ich denke, dass mich jemand übers Ohr hauen will, kann derjenige in meinem Gesicht ablesen, dass ich das genau weiß.

 

Was möchten Sie gerne in Rente machen?

Ich würde nach Italien ziehen und ein Buch schreiben. Es wird definitiv Belletristik sein.

 

Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?

Den Mut, anders zu sein, anders zu denken, anders zu handeln – auch wenn es nicht immer der richtige Weg ist. Wenn wir alle gleich handeln und denken und in unserer kleinen Welt bleiben, wird sich nie etwas ändern.

 

Auf welche drei Dinge könnten Sie niemals verzichten?

Meine Familie, mein Haus auf dem Land auf einer winzigen Muhu-Insel in Estland und eine gute Flasche vollmundigen, italienischen Rotwein. Am liebsten alle drei gleichzeitig.

 

Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten – welcher wäre das?

Herzchirurgin. Ich habe Ärzte schon immer bewundert, aber das Herz eines Menschen zu behandeln – das ist ein ganz anderes Level. Ich kann eine Bank umstrukturieren und ihren Kern erneuern, aber Tag für Tag Menschen aufzuschneiden und den Kern eines lebenden Menschen zu behandeln, das übersteigt für mich die Grenzen der menschlichen Fähigkeiten.

 

(Foto: Privat)

Hier in ihrem Haus auf der Insel Muhu in Estland („Ein Ort, an dem die Zeit stillsteht“ ist der Slogan der Insel) ist Vilves ruhiger, sicherer Ort, an dem sie ihre Batterien auflädt. Genau auf dieser Mauer trinkt sie ihren Morgenkaffee.

 

 

 

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