Ein Teller Currywurst mit Jan Byok von Bird & Bird, der seit Corona eine Kommandobrücke unterm Dach hat

Noch bevor Jan Byok richtig sitzt, fliegt schon eine Biene auf unserem Tisch herum, über die wir uns beide freuen. Hier, in Düsseldorfs Innenstadt im Trendviertel Flingern in der Kneipe „Beethoven“. Und der Anwalt von Bird & Bird erzählt, dass er in seinem Garten kürzlich ein Insektenhotel aufgehängt habe und dass es tatsächlich funktioniere.

Zuhause ist er seit Corona meistens. Unterm Dach hat er sich sein Arbeitszimmer eingerichtet, seine Kommandobrücke, wie es seine Familie nennt. Reisen? Freunde treffen? Mandanten ? Alles nicht, ich bin erst sein zweites persönliches berufliches Treffen seit vergangenem März. Bücher hat er seitdem viele gelesen, am liebsten die Biographien von Stefan Aust oder Wolfgang Schäuble, erzählt er. Und dass er sich auf die nächsten großen Bergtouren mit seinen drei Söhnen freut.

Bestellt hat sich Byok im „Beethoven“ vegane Süßkartoffeln mit Gemüse und obendrein eine Currywurst, „die fehlende Fleischeinlage“ grinst er verschmitzt.

 

Jan Byok (Foto: C.Tödtmann)

 

Hofiert vom Ausland, unbehelligt von der Öffentlichkeit

Byok erzählt von seinen ersten Berufsjahren, als er sich vor 22 Jahren noch auf Energierecht spezialisiert hatte. Da machten die Anwälte ihre Geschäfte, völlig unbehelligt von der Öffentlichkeit. An Visibilität – die heute unerlässlich ist für Top-Anwälte – war gar nicht zu denken. Man wurde noch hofiert, es war eine gute Zeit, erinnert er sich. So wie bei dem Anruf aus London, ob er zu einer internationalen Konferenz kommen und die Liberalisierung erklären könne. Seine Bedingung: 10.000 Mark Honorar und ein Business-Class-Flugticket. Zwei Minuten später kam die Bestätigung per Fax, erzählt er. Profan war die Materie nicht, drei Tage Arbeit machte allein die Ausarbeitung der Rede.

 

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Und kaum zurück aus London kam er aus dem Staunen nicht mehr raus: Rund zehn verschiedene ausländische Energiefirmen riefen bei ihm in Düsseldorf an mit den verschiedensten Rechtsfragen: Eine wollte eine deutsche Tochter gründen, die nächste Arbeitnehmer in Deutschland entlassen und wieder eine andere brauchte eine Lizenz, um auf dem deutschen Markt auftreten zu können.

 

Paragraphenfrühstück in der Kanzlei

Doch je transparenter der Anwaltsmarkt in den vergangenen 25 Jahren wurde – ohne Internet und Fachredaktionen wie „Juve“ – , umso mehr mutierten die Anwälte im Verborgenen zu ehrgeizigen Dienstleistern. So wie es in London schon länger war, wo Rankings über Top-Juristen und Branchennewsletter schon früher zum Tagesgeschäft gehörten. Doch als die Rankings deutscher Wirtschaftsanwälte kamen, war es vorbei mit der Herrlichkeit, sagt Byok. Plötzlich drehten Seminaranbieter den Spieß um und verlangten Geld dafür, wenn Top-Juristen vor anderen Anwälten und am liebsten Unternehmensjuristen als möglichen Mandanten auftraten und ihr Wissen teilten, erinnert sich Byok. Und dann folgten die Paragraphenfrühstücke, wozu Kanzleien in ihre eigenen Räume einluden. Ein Vortrag am frühen Morgen mit Kaffee und Croissants, kostenlos für die eigenen Mandanten und solche, die es werden sollten.

 

Süßkartoffeln mit Gemüse plus Currywurst im „Beethoven“ (Foto: C.Tödtmann)

 

Nette Geste für Junganwälte statt Marketinginstrument

Bis Corona passierte. Und die Großkanzleien Webinare als Marktinginstrument entdeckten. Die aber sind sehr gemischter Güte. Im schlimmsten Fall ohne Unterhaltungswert und neue Erkenntnisse. Interpretieren Kanzleien sie nämlich in erster Linie als nette Geste gegenüber den eigenen Junganwälten, damit auch die mal ihren Auftritt bekommen, kann das Ganze böse in die Hose gehen. Mandanten sind keine Versuchskaninchen. Wenn die Youngsters die Firmenvertreter an ihren PC-Bildschirmen mit Lehrbuchvorträgen langweilen – frei von mutigen Hintergrunderzählungen und souveränen Einsichten – erledigen sich Kanzleiwebinare von selbst. Früher oder später.

 

Voller Einsatz ohne Gewähr auf Erfolg

Byok zweifelt sowieso an deren Wirksamkeit als Marketinginstrument auf der Pirsch nach Geschäft. Man verteile nur sein Know how unters Volk, doch ob´s Mandate bringt? Das weiß man nicht. Das habe er begriffen, es sei einfach nicht messbar. Was Topleuten gegen den Strich geht, voller Einsatz ohne die Gewähr auf Erfolg und Gewöhnungseffekt bei der Zielgruppe. Weil Visibilität eines Wirtschaftsanwalts locker fünf Jahre dauere und Blut, Schweiß und Tränen koste. Ob man es dann auch schafft, die Ungewissheit ist das Unangenehmste, sagt der Bird & Bird-Gründungspartner. Schließlich brauche man auch die richtigen Fälle, die im Erfolgsfall dann auch den Weg in die Öffentlichkeit finden. Pech für die Anwälte, wenn ihre Mandanten dann alles wollen, aber nicht ins Licht der Öffentlichkeit. So wie in Managerhaftungsfällen, bei Strafanklagen oder Cybererpressungen.

 

 

 

 

 

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