Den Fragebogen „Nahaufnahme“ beantwortet Marie-Luise Pörtner, Geschäftsführerin der deutschen Windenergietochter des Erneuerbare Energien-Unternehmens BayWa r.e.

Marie-Luise Pörtner (Foto: Privat)
Erklären Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen tut.
Windenergieprojekte entwickeln, und zwar von der grünen Wiese über das gesamte Genehmigungsverfahren bis zur Errichtung und zum Betrieb der Windparks, und damit zur Energiewende und zum Klimaschutz beitragen.
Womit beginnt Ihr Tag?
Mit einem Espresso aus meiner kleinen italienischen Kaffeekanne, gemischt mit heißer Milch. Damit setze ich mich gegen 6:30 Uhr an unseren großen Holztisch und schaue je nach Jahreszeit zu, wie es draußen hell wird oder wie die Vögel in den Bäumen herumhüpfen
Was unterscheidet Sie im Auftreten, in Gewohnheiten, im Behave, von anderen Chefs?
Dass ich mich nicht als Chefin fühle, Themen ziemlich lange ausdiskutiere, mir für keine Aufgabe zu schade bin, als Frida von Abba beim Firmentreffen auftrete und keinerlei Interesse an einem Dienstwagen habe
… und was würden Ihre Mitarbeiter darauf antworten?
Ich denke sie würden das bestätigen und mich als sehr idealistischen, inspirierenden, ehrlichen und – in Anbetracht meines hohen Energielevels – manchmal auch anstrengenden Menschen beschreiben. In Deutschland Windparks zu entwickeln, ist derzeit alles andere als einfach und ich sehe es als meine Aufgabe, den Mitarbeitern durch Frustphasen zu helfen und sie neu zu motivieren. Deshalb haben alle zu Weihnachten unter anderem einen Nussknacker aus Holz bekommen, mit dem sie die nächsten harten Nüsse knacken können …
Tee oder Kaffee?
Kaffee! Am liebsten aus der erwähnten Kaffeekanne und auf einem Campingkocher irgendwo in der Natur zubereitet; Tee eigentlich nur, wenn es sich gar nicht vermeiden lässt …
Ihr Spitzname ist…?
In meiner Familie und von meinen guten Freunden werde ich ‚Luis‘ genannt.
Verraten Sie eine Marotte.
Ich mag es nicht, wenn heiße Getränke nur so heißen, aber lauwarm sind und nerve deshalb die Baristas in den Cafés
Was bringt Sie in Harnisch?
Dass Fliegen immer noch günstiger ist als Zug fahren; dass der Großteil des kostbaren öffentlichen Raums in unseren Städten als Abstellplatz für Autos genutzt wird; dass indigene Völker, die seit Menschengedenken ein nachhaltiges Leben führen, mit brutalster Gewalt vernichtet oder vertrieben werden; dass Männer immer noch behaupten, für bestimmte Positionen gäbe es einfach keine Frauen mit ausreichender Kompetenz; dass …
…und was bringt andere an Ihnen in Harnisch?
Im Job meine Direktheit, dass ich vieles hinterfrage und Streitgespräche nicht scheue. In einem Führungstraining wurden vor kurzem meine Stärken analysiert – „Harmony“ war auf Platz 34 von 34.
Was möchtenSie gerne in Rente machen?
Als Erlebnispädagogin Kindern und Jugendlichen analoge Erlebnisse in der Natur ermöglichen, mehr Zeit an meinem Webstuhl verbringen, mein eigenes Gemüse anbauen, eine neue Sprache und ein Instrument lernen – wobei ich das alles eigentlich schon vor meiner Rente tun möchte.

(Foto: Privat)
Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?
Begeisterungsfähigkeit und Mut, insbesondere wenn dies bedeutet, sich gegen den Mainstream zu stellen, Humor und Freundlichkeit
Auf welche drei Dinge könnten Sie niemals verzichten?
Meine Lesebrille, mein Fahrrad und meine italienische Kaffeekanne.
Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten – welcher wäre das?
Weberin für Harris-Tweed in einem kleinen, sturmumtosten Haus auf den Äußeren Hebriden.

