Buchauszug Uta Rohrschneider: „Sinnhaft führen. Mehr Leistungsfreude mit weniger Führungsaufwand.“

Buchauszug Uta Rohrschneider: „Sinnhaft führen. Mehr Leistungsfreude mit weniger Führungsaufwand.“

 

Uta Rohrschneider (Foto: PR)

 

Umsetzung in die Praxis – Mitarbeiterbeispiele für gezielte individuelle Führung

 

Ihnen stehen vielfältige Wege zur Verfügung, um Ihre Mitarbeiter entsprechend ihrer Motivausprägungen zu führen. Manchmal ist es ganz einfach („ÜberstundenFrei“ am Tag des Kindergeburtstags, bei Mitarbeitern mit einer roten Ausprägung im Motiv FAMILIE), manchmal stellt es höhere Anforderungen an Sie als Führungskraft (Motivation eines aufgrund der internen Reorganisation sehr verunsicherten Mitarbeiters, roten Ausprägung im Motiv SICHERHEIT).

Die Vielfalt im Führungshandeln, die sich aus den 16 Motiven ergibt, macht deutlich, dass Ihr Ziel darin besteht, für jeden Mitarbeiter das individuell passende Führungshandeln zu finden. Den einen, für alle richtigen, Führungsstil gibt es, wie gesagt, nicht. Hätte jeder Mitarbeiter nur ein stark ausgeprägtes Motiv (blau oder rot), würde Ihnen diese Aufgabe relativ leicht von der Hand gehen. Sie werden aber auch Mitarbeiter mit einer vielseitig ausgeprägten Persönlichkeit in Ihrem Team haben und das heißt, diese Mitarbeiter haben mehrere stark blau oder rot ausgeprägte Motive. Daraus ergibt sich eine größere Herausforderung für Ihr Führungshandeln. Nachfolgend stelle ich Ihnen verschiedene Mitarbeiterprofile vor und führe an, was es im Rahmen der Führung dieser Mitarbeiter zu beachten gilt.

 

Selbstverständlich sind alle Motive wichtig und wirksamer Teil der Gesamtpersönlichkeit eines Menschen. Dennoch kann ich auch an dieser Stelle nicht auf alle Motive eingehen. Um Ihren aktuellen Wissensstand zu überprüfen, können Sie sich erst die nachfolgenden Profile ansehen, ohne den zugehörigen Text zu lesen. Überlegen Sie dann für sich: Wie würde ich diesen Mitarbeiter führen? Was ist bei der Führung dieses Mitarbeiters zu beachten?

 

In der Führung von Mitarbeiter A sind insbesondere die folgenden Motive zu beachten:

        rote SOZIALE ANERKENNUNG

        rote Orientierung AUTONOMIE

        rote SOZIALKONTAKTE

        rote STRUKTUR

        rote SICHERHEIT

 

Die Motivausprägungen des Mitarbeiters machen ihn zu einem sehr kontaktorientierten Menschen, der viel Austausch und Spaß mit anderen sucht (rote Ausprägung im Motiv SOZIALKONTAKTE), sich dabei aber nicht tiefergehend auf andere Menschen einlassen will (rote Ausprägung im Motiv AUTONOMIE). Das Verhalten des Mitarbeiters ist zudem dadurch gekennzeichnet, dass er in vielen Situationen unsicher wirkt oder agiert bzw. Unsicherheit kommuniziert und ihm Anerkennung sehr wichtig ist (rote Ausprägung im Motiv SOZIALE ANERKENNUNG). Es ist sehr wahrscheinlich, dass er auf Kritik sehr sensibel reagiert. Auch äußert er Sorgen und sogar Ängste bezüglich möglicher Konsequenzen eines Handlungsausgangs (rote Ausprägung im Motiv SICHERHEIT). In seinem Arbeitsverhalten bevorzugt der Mitarbeiter ein strukturiertes Vorgehen (rote Ausprägung im Motiv STRUKTUR). Er zeigt eine hohe Einsatzbereitschaft hinsichtlich der ihm übertragenen Aufgaben und will möglichst gute Arbeitsergebnisse abgeben (rote Ausprägung im Motiv SOZIALE ANERKENNUNG).

 

Welche Aufgaben sind für diesen Mitarbeiter motivierend?

Aufgaben, die Sie diesem Mitarbeiter übertragen, sollten Sie im Vorfeld dahingehend prüfen, ob der Mitarbeiter diese, vor seinem Kompetenz und Erfahrungshintergrund, erfolgreich lösen kann. Die erfolgreiche Erledigung der übertragenen Aufgaben ist aufgrund seines rot ausgeprägten Motivs SOZIALE ANERKENNUNG für diesen Mitarbeiter sehr wichtig. Teilen Sie dem Mitarbeiter mit, wann die Aufgabe für Sie gut und erfolgreich bearbeitet ist. Für den Mitarbeiter ist es von großem Vorteil, wenn er selbst kontrollieren kann, ob er die Aufgabe richtig und gut bearbeitet. Dabei helfen ihm klare Erfolgskriterien.

Darüber hinaus sollten die Aufgaben entweder in sich eine gewisse Struktur aufweisen oder dem Mitarbeiter sollte die Freiheit eingeräumt werden, seine eigene Struktur bei der Aufgabenbearbeitung zu etablieren. Bei der Aufgabenübertragung sollten Sie des Weiteren darauf achten, dass der Mitarbeiter Aufgaben einzeln und nacheinander bearbeiten kann. Dies trägt seiner roten Ausprägung im Motiv STRUKTUR Rechnung. Insgesamt wird der Mitarbeiter Aufgaben, bei denen er in den Kontakt und Austausch mit anderen Menschen gehen kann, bevorzugen.

Dabei sollten die Aufgaben allerdings so gestaltet sein, dass ihr Erfolg nicht von der Arbeit anderer abhängig ist. Dies ergibt sich aus der Kombination der roten Ausprägung im Motiv SOZIALKONTAKTE und der roten Ausprägung im Motiv AUTONOMIE. Für den Mitarbeiter sollten Spaß und Austausch in der Zusammenarbeit mit anderen im Vordergrund stehen, nicht eine wirkliche, tiefe Teamarbeit. Der Mitarbeiter kann sowohl handlungsorientiert als auch strategisch, konzeptionell und intellektuell arbeiten. Dies ergibt sich aus seinem neutralen (grau) Motiv NEUGIER.

Trotzdem ist bei der Auswahl der Aufgaben für den Mitarbeiter darauf zu achten, dass nicht zu viele wechselnde und neue Aufgaben übergeben werden, die ungewohnte Anforderungen stellen und in ihrem Ergebnis unklar sind. Die Aufgaben sollten nicht zu risikobehaftet sein. Darüber hinaus ist darauf zu achten, dass der Mitarbeiter nicht mit zu vielen Aufgaben gleichzeitig betraut wird. Zu schnell macht sich der Mitarbeiter Sorgen, fühlt sich überlastet und reagiert ggf. mit Demotivation: „Das schaffe ich nie“ (rote Ausprägung im Motiv SICHERHEIT).

 

Wie steuern Sie den Mitarbeiter? Wie gestalten Sie Anleitung, Unterstützung, Vorgaben und Kontrolle?

Hinsichtlich der Steuerung des Mitarbeiters ist es für die Führungskraft wichtig, darauf zu achten, dass der Mitarbeiter sich selbst nicht überlastet. Vor dem Hintergrund seiner roten Ausprägung im Motiv SOZIALE ANERKENNUNG wird es dem Mitarbeiter sehr schwerfallen, „Nein“ zu sagen. Um die gewünschte Anerkennung zu bekommen, wird er sich vielleicht auch bereiterklären, viele Aufgaben von Kollegen zu übernehmen und auch seiner Führungskraft gegenüber keine klaren Grenzen ziehen. Dies wird noch einmal bedeutender, wenn es um neue und im Ergebnis unsichere Aufgaben geht (rote Ausprägung im Motiv SICHERHEIT, rote Ausprägung im Motiv SOZIALE ANERKENNUNG).

Ein weiterer Aspekt, der ebenfalls zu Selbstüberlastung führen kann, ist, dass der Mitarbeiter aufgrund seiner roten Ausprägung im Motiv AUTONOMIE dazu neigt, Dinge zunächst selbstständig zu bearbeiten und andere nicht oder zu spät um Unterstützung bittet. Die Gedanken „Das muss ich alleine schaffen“ und „Ich will den anderen nicht zur Last fallen“ verhindern, dass er Hilfe einfordert. Solange der Mitarbeiter erfolgreich ist, ist das kein Problem. Merkt er jedoch, dass er nicht erfolgreich ist, folgt der Gedanke „Ich muss das schaffen“ und eine erhöhte Anstrengungsbereitschaft. Bei kontinuierlich ausbleibendem Erfolg folgen Selbstzweifel und Sorgen „Ich bin nicht gut genug, was wird das für Konsequenzen haben?“ (rote Ausprägung im Motiv SICHERHEIT, rote Ausprägung im Motiv SOZIALE ANERKENNUNG). Dazu gehört auch, dass der Mitarbeiter Probleme ggf. gar nicht aufzeigt, sondern versucht, alleine eine Lösung zu finden.

Hier sind Sie als Führungskraft gefragt, Schwierigkeiten frühzeitig wahrzunehmen und Unterstützung anzubieten. Durchaus möglich ist, dass der Mitarbeiter nicht nur nicht fragt, weil er meint, er muss es alleine schaffen, sondern auch, weil er meint, dass er, wenn er sich Hilfe holt, in den Augen der Führungskraft weniger gut bewertet wird und dies für ihn negative Konsequenzen haben könnte. Ein weiterer Steuerungsaspekt bei diesem Mitarbeiter ist die Kombination rote Ausprägung im Motiv SOZIALE ANERKENNUNG und rote Ausprägung im Motiv STRUKTUR. Aus der roten Ausprägung im Motiv Struktur ergibt sich ein hoher Anspruch an die Struktur und Planung bei der Aufbereitung der Aufgaben. Dieser wird verstärkt durch das Streben nach Fehlerfreiheit und Perfektion aus der roten Ausprägung im Motiv SOZIALE ANERKENNUNG. Der Mitarbeiter läuft Gefahr, zu viel Zeit in ein perfektes Ergebnis zu investieren. Sie können den Mitarbeiter entlasten, wenn sie ihm, wie oben beschrieben, Erfolgskriterien mitteilen.

 

Insgesamt ist es für den Mitarbeiter motivierend, wenn Sie häufiger den Kontakt und den Austausch mit ihm suchen. Dabei muss die Kommunikation nicht tiefgehend und persönlich sein. Der Mitarbeiter mag zwar häufigen Kontakt mit anderen Menschen, will dabei aber nicht unbedingt über sein Privatleben kommunizieren. Für formale Gespräche mit diesem Mitarbeiter ist es gut, wenn Sie diese Gespräche strukturiert führen. Insgesamt sollten Sie so viel Wertschätzung und Anerkennung wie möglich gegenüber dem Mitarbeiter ausdrücken. Erkennen Sie auch seine Anstrengungsbereitschaft an. In kritischen Zeiten oder in Zeiten der Veränderung ist es für ihn wichtig, dass Sie ihm Sicherheit vermitteln. Lassen Sie ihn wissen, dass Sie alle Veränderungen im Griff haben und für ihn keine unvorhersehbaren Konsequenzen zu befürchten sind. Nehmen Sie die geäußerten Ängste und Sorgen ernst.

 

Wie können Sie gezielt motivieren?

Für diesen Mitarbeiter ist ein wesentliches Motivationsmittel die Anerkennung für die geleistete Arbeit. Nicht weniger wichtig ist es, dem Mitarbeiter zu ermöglichen, mit anderen Kontakt zu haben. Die Kommunikation und der lockere Austausch mit anderen Menschen sind für ihn eine Energiequelle. Geben Sie dem Mitarbeiter den Freiraum, sich seine eigene Struktur und Ordnung zu schaffen. Gleichzeitig sollten Sie nicht zu viel Flexibilität und schnelle Wechsel bei der Aufgabenbearbeitung verlangen. Vermitteln Sie ihm Ihr Vertrauen in ihn, dass er jederzeit mit seinen Fragen, Sorgen oder Bedenken zu Ihnen kommen kann und dass es für Sie keine „falschen“ oder „unnötigen“ Sorgen gibt. Stellen Sie sich aber darauf ein, dass es einige Zeit dauern kann, bis der Mitarbeiter wirklich Vertrauen zu Ihnen gefasst hat.

 

Wichtig in der Führung bei Mitarbeiterin B sind insbesondere die folgenden Motive:

        blaue NEUGIER

        blaue SOZIALE ANERKENNUNG

        roter EINFLUSS

        roter STATUS

        blaue SICHERHEIT

        rote REVANCHE

 

In der abgebildeten Kombination führen die Motive dazu, dass Sie eine sehr selbstbewusste, selbstsichere, leistungsorientierte und auch dominante Mitarbeiterin haben. Die Mitarbeiterin neigt dazu, sich selbst zu überschätzen (blaue Ausprägung im Motiv SOZIALE ANERKENNUNG) und sich selbst als sehr wichtig wahrzunehmen (rote Ausprägung im Motiv STATUS). Sicherlich besteht bei dieser Mitarbeiterin die Gefahr, dass sie anderen – auch Kollegen – gegenüber dominant, rechthaberisch und auch kämpferisch auftritt. Diese Komponente ergibt sich aus ihrer roten Ausprägung im Motiv EINFLUSS- und der roten Ausprägung im Motiv REVANCHE.

Dazu kommt, dass der Mitarbeiterin aufgrund ihrer blauen Ausprägung im Motiv SOZIALE ANERKENNUNG und ihrer blauen Ausprägung im Motiv SICHERHEIT die Konsequenzen ihres Verhaltens relativ egal sind. Sie macht sich einfach keine Gedanken darüber. Zum einen ist es ihr egal, was andere von ihr denken (blaue Ausprägung im Motiv SOZIALE ANERKENNUNG), zum anderen kommt sie erst zu einem sehr späten Zeitpunkt auf die Idee, dass etwas negative Konsequenzen für sie haben könnte (blaue Ausprägung im Motiv SICHERHEIT).

 

Uta Rohrschneider: „Sinnhaft führen. Mehr Leistungsfreude mit weniger Führungsaufwand.“ 187 Seiten, 44,99 Euro, SpringerGabler,  https://www.springer.com/de/book/9783658298678

 

 

Welche Aufgaben sind für die Mitarbeiterin motivierend?

Hinsichtlich der Aufgaben für diese Mitarbeiterin ist es wichtig, Aufgaben entsprechend ihres Kompetenz- und Erfahrungsspektrums auszuwählen, bei denen sie einen ihrem Entwicklungsstand angemessenen Verantwortungs- und Entscheidungsspielraum hat (rote Ausprägung im Motiv EINFLUSS). Darüber hinaus sollten die Aufgaben herausfordernd sein und können auch gewisse Risiken umfassen (blaue Ausprägung im Motiv SICHERHEIT). Die Mitarbeiterin kommt gut mit Aufgaben klar, bei denen der Ausgang und die Aussicht auf Erfolg ungewiss sind. Das heißt, ihr dürfen Sie immer wieder neue und veränderte Aufgaben geben. Sie lernt durch try & error und kann mit Misserfolg gut umgehen, wenn es sich um unbekannte Aufgaben handelt. Dabei ist das damit verbundene Risiko für sie anregend und motivierend.

Aufgrund der blauen Ausprägung im Motiv NEUGIER ist es für diese Mitarbeiterin befriedigender, Aufgaben zu bearbeiten, die eine hohe Handlungsorientierung und weniger eine intellektuelle Auseinandersetzung erfordern. Auch Routineaufgaben wird sie gern bearbeiten. Diese dürfen aber unter dem Aspekt Herausforderung nicht langweilig werden. Durchaus geeignet sind für diese Mitarbeiterin Aufgaben, die viele Verhandlungen, wie z. B. im Bereich Vertrieb, Einkauf etc. erforderlich machen. Für diese Handlungsfelder kann sie aufgrund ihrer roten Ausprägung im Motiv REVANCHE sehr gut geeignet sein.

 

Wie steuern Sie die Mitarbeiterin? Wie gestalten Sie Anleitung, Unterstützung, Vorgaben und Kontrolle?

Hinsichtlich der Steuerung der Mitarbeiterin gilt, die Mitarbeiterin bei entsprechender Leistung an der „langen Leine“ zu führen. Bei der Aufgabendelegation sollten Sie ihr das Ziel erklären und sie den Weg dorthin selbst bestimmen lassen. Dabei sollten Sie jedoch immer mit einem Auge hinschauen, da die Mitarbeiterin dazu tendiert, sich selbst und ihre Arbeitsergebnisse zu überschätzen. Vereinbaren Sie Feedbacktermine, zu denen Sie sich über den aktuellen Stand der Aufgabenbearbeitung informieren lassen.

Interventionen, die die Zusammenarbeit der Mitarbeiterin mit Kollegen betreffen, können sich für Sie daraus ergeben, dass die Mitarbeiterin gegenüber Kollegen zu dominant auftritt. Hier sollten Sie ihr vermitteln, dass sie für ihren eigenen Aufgabenbereich gerne Entscheidungen treffen kann, dies aber nicht für die Aufgabengebiete ihrer Kollegen gilt. Es kann passieren, dass die Mitarbeiterin gegenüber Kollegen kämpferisch und provozierend auftritt. Die Gefahr, dass sie ihre Meinung unverblümt äußert und andere damit erschreckt und vor den Kopf stößt, ist durchaus groß (blaue Ausprägung im Motiv SICHERHEIT, rote Ausprägung im Motiv EINFLUSS und REVANCHE). Passiert dies, ist es für Sie wichtig, der Mitarbeiterin Feedback zu der Wirkung ihres Verhaltens auf andere zu geben und ihr so die Möglichkeit zur Selbstkontrolle ihres Verhaltens zu bieten.

Ein weiterer kritischer Punkt ist, dass sich die Mitarbeiterin ggf. zu sehr in den Vordergrund stellt und ihre eigenen Leistungen gegenüber denen der anderen zu sehr hervorhebt und betont (blaue Ausprägung im Motiv SOZIALE ANERKENNUNG, rote Ausprägung im Motiv STATUS). Ein solches Verhalten stößt nicht unbedingt auf Gegenliebe bei den Kollegen. Auch hier sollten Sie über Feedback eine Selbstreflexion und Selbstkontrolle des Verhaltens ermöglichen. Bei Ihren Feedbacks gilt es zu beachten, zeitnah beobachtete Beispiele zu benennen und die Auswirkungen auf andere klar und deutlich aufzuzeigen.

 

Wie können Sie gezielt motivieren?

Motivieren können Sie die Mitarbeiterin, indem Sie ihr gegenüber die Herausforderungen, Besonderheiten, Einzigartigkeit, aber auch die Schwierigkeiten der übertragenen Aufgaben betonen. Darüber hinaus sind Situationen, in denen sie mit anderen in den Wettbewerb gehen kann, z. B. um die besten Vertragsabschlüsse, schnellsten Bearbeitungen, höchsten Rabatte etc. sehr anspornend für sie. Gezielte Motivation erreichen Sie bei der Mitarbeiterin auch über ihr Bedürfnis nach Status.

Soweit es in Ihnen möglich ist, sollten Sie ihr Statussymbole zukommen lassen. Wenn Sie hier nur eingeschränkte Möglichkeiten haben, ist es wichtig, dass Sie ihr immateriellen Status zukommen lassen, indem Sie ihr z. B. ermöglichen, ihre Arbeitsergebnisse an höherer Stelle zu präsentieren, sie im Unternehmen sichtbar machen und auch durchaus öffentlich loben. Entsprechend ihrer fachlichen Kompetenz sollten Sie mit der Mitarbeiterin eine Entwicklungs- und Karriereplanung machen.

 

Wichtig bei dieser Mitarbeiterin sind insbesondere die folgenden Motive:

        blaue NEUGIER

        rote SOZIALE ANERKENNUNG

        blauer EINFLUSS

        blaue AUTONOMIE

        rote SOZIALKONTAKTE

        blaue REVANCHE

        Tendenz zu rotem SOZIALEM ENGAGEMENT

        Tendenz zu roter FAMILIE

 

Diese Motivkonstellation macht die Mitarbeiterin zu einer sehr menschenorientierten, an Unterstützung, Zusammenarbeit, Kooperation und gutem Miteinander interessierten Mitarbeiterin. Die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiterin kommt aus der Zusammenarbeit mit anderen. Mit anderen zusammen und für andere zeigt sie eine hohe Leistung.

 

Welche Aufgaben sind für die Mitarbeiterin motivierend?

Hinsichtlich der Aufgaben, die Sie dieser Mitarbeiterin geben, spielen alle Aufgaben eine Rolle, bei denen die Mitarbeiterin mit anderen Menschen in Kontakt ist und mit diesen intensiv und gut zusammenarbeiten kann. D. h., die ausgewählten Aufgaben sollten nicht konfliktär oder wettbewerbsorientiert sein und einen hohen Anteil an Unterstützungsleistung für andere bieten. Darüber hinaus sollten die Aufgaben der Mitarbeiterin die angestrebte soziale Anerkennung ermöglichen. D. h., für die Mitarbeiterin geht es um Aufgaben, mit denen sie anderen „etwas Gutes“ tun kann, aber nichts Unangenehmes von anderen verlangen muss. Dies können betreuende, lehrende, ausbildende Tätigkeiten sein.

Wichtig bei den ausgewählten Aufgaben ist auch, dass diese stärker handlungsorientiert und weniger konzeptionell, strategisch oder intellektuell ausgerichtet sind. Das ergibt sich aus der blauen Ausprägung im Motiv NEUGIER der Mitarbeiterin. Z. B. ist es für die Mitarbeiterin motivierend, einen Auszubildenden direkt anzuleiten. Weniger motivierend ist es für sie, ein Konzept zur Anleitung von Auszubildenden zu erstellen.

 

Wie steuern Sie die Mitarbeiterin? Wie gestalten Sie Anleitung, Unterstützung, Vorgaben und Kontrolle?

Hinsichtlich der Steuerung der Mitarbeiterin ist es wichtig, dass Sie ihr ermöglichen, mit den Aufgaben, die sie übernimmt, Erfolge zu generieren, um die für sie notwendige Anerkennung zu bekommen. Wie weiter oben schon einmal beschrieben, sind die Kommunikation von Erfolgskriterien und Selbstkontrolle hier wichtig. Bei neuen, bisher unbekannten Aufgaben sollten Sie die Mitarbeiterin anleiten, betreuen und ihr Entscheidungshilfen anbieten. Sie sollten ihr als „Sparringspartner“ zur Verfügung stehen oder ihr einen solchen zur Seite stellen. Gerät die Mitarbeiterin in konfliktäre oder wettbewerbsgeprägte Situationen, ist Ihre Unterstützung notwendig. Hier sollten Sie mit ihr gemeinsam Möglichkeiten erarbeiten, wie sie die Situation für sich lösen kann, ohne das Gefühl zu haben, sich anderen gegenüber schlecht oder unkorrekt zu verhalten.

 

Wie können Sie gezielt motivieren?

Motivation erfährt die Mitarbeiterin aus dem Kontakt und der vertrauensvollen und guten Zusammenarbeit mit anderen. D. h., dieser Mitarbeiterin sollten Sie auf jeden Fall die Zusammenarbeit in einem Team ermöglichen. In Ihrem persönlichen Kontaktverhalten zur Mitarbeiterin sind die persönliche und häufige Ansprache – auch über private Themen – sowie ein sehr wertschätzendes Verhalten motivierend. Insgesamt benötigt die Mitarbeiterin ein vertrauensvolles und konfliktfreies Umfeld, um sich wohlzufühlen.

Mitarbeiter D hat ein sehr ausgewogenes Motivationsprofil mit ausschließlich neutral ausgeprägten Motiven. Viele Motive liegen im Bereich der maximalen Verhaltensflexibilität, andere zeigen eine Tendenz auf. Dies macht ihn zu einem ausgewogenen und breit einsetzbaren Mitarbeiter. Sie werden bei diesem Mitarbeiter weniger konfliktbehaftetes Verhalten im Umgang mit anderen oder Unwillen, bestimmte Aufgaben zu übernehmen, finden. Er verfügt über ein breites Verhaltensspektrum und kann die Motive und Emotionen einer Vielzahl von Kollegen gut nachvollziehen.

Diesen Mitarbeiter führen Sie am besten, indem Sie ihm unterschiedliche, häufig wechselnde Aufgaben übertragen. Für ihn liegt die Motivation aufgrund seiner neutralen Motivausprägungen im Wechsel zwischen unterschiedlichen Anforderungssituationen. Er ist in der Lage, sich auf unterschiedliche Aufgaben und Menschen einzustellen. Aufgrund seiner hohen inneren Flexibilität und Anpassungsfähigkeit ist dieser Mitarbeiter auch geeignet, zu vermitteln. Im Gegensatz zu Mitarbeitern mit starken Motivausprägungen – ganz gleich ob blau oder rot – ist dieser Mitarbeiter in der Lage, tatsächlich einen neutralen Standpunkt einzunehmen.

Aufgrund seiner hohen Flexibilität werden die Führungsherausforderungen im Umgang mit diesen Mitarbeitern weniger groß sein. Die Herausforderung liegt eher darin, die stärkeren Tendenzen in den Motivausprägungen zu erkennen und daraus ableitend entsprechende Akzente zu setzen. Sie sollten als Führungskraft darauf achten, den Mitarbeiter nicht kontinuierlich mit gleichbleibenden Aufgaben zu betrauen. Unterschiedliche Aufgaben, die den Fähigkeiten des Mitarbeiters entsprechen, werden eine gute Motivationsgrundlage sein.

Die vorgestellten Profile sind zum Teil komplex und vielschichtig. Ich habe sie bewusst ausgewählt, um Ihnen ein paar interessante Beispiele zu geben. Sie dürfen aber davon ausgehen, dass nicht alle Ihre Mitarbeiter über vergleichbar vielfältige Motivausprägungen verfügen.

Wenn Sie Ihre eigenen Mitarbeiter einschätzen wollen, lassen Sie sich Zeit dabei und gehen Sie schrittweise vor. Vielleicht haben Sie zu einzelnen Mitarbeitern für ein oder zwei Motive einen klaren Eindruck. Dann schätzen sie erst einmal diese ein. Sie sollten, wie gesagt, nicht den Anspruch haben, alle Motive in der Fremdeinschätzung erfassen zu können. Das würde ich mir selber nicht zutrauen. Vielleicht gewinnen Sie mit der Zeit mehr Eindrücke durch Beobachtungen und aus Gesprächen mit den Mitarbeitern. Dann ergänzen Sie diese in Ihren Profilen. In der Führung können Sie sich erst einmal auf einzelne ausgeprägte Motive beschränken. Wenn Sie damit erfolgreich sind, fragen Sie sich, welche Ableitungen Sie aus bestimmten Kombinationen für Ihr Führungshandeln treffen können.

 

 

 

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