Fragebogen „Nahaufnahme“ mit Familienunternehmen-Experte Peter May, der sich „einen kleinen Besserwisser“ nennt

Den Fragebogen „Nahaufnahme“ beantwortet Peter May, Inhaber von Peter May Family Business Consulting, das auf die Beratung von Familienunternehmen spezialisiert ist.

 

Peter May (Foto: Privat)

 

Erklären Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen tut.

Wir lieben Familienunternehmen und helfen Unternehmerfamilien als Berater, ihrer unternehmerischen Verantwortung bestmöglich gerecht zu werden.

 

Womit beginnt Ihr Tag?

Gegen 6.30 Uhr mit einem festen Ritual: Espressomaschine anwerfen, Klassikradio einschalten, Zeitung lesen – immer noch Papier – und dann 20 Minuten Rückengymnastik.

 

Was unterscheidet Sie von anderen im Auftreten und im Behave?

Ich glaube, ich bin ganz gut im Zugewandtsein, ich mag Menschen und ich mag es, sie zu berühren. Und dann mag ich es, meine Standards selbst zu setzen – inhaltlich, aber auch im Äußeren: Ich habe schon keine Krawatte mehr getragen, als das in meinem Umfeld noch negative Reaktionen hervorgerufen hat. Ein Hamburger Unternehmer hat mir zu meinem 50. Geburtstag tatsächlich eine Krawatte geschenkt. Aber das war nie Attitüde, ich wollte es einfach bequem. Darum trage ich auch Pullover statt Jackett. Das Leben ist leichter, wenn man sich nicht zu vielen Zwängen unterordnet, sondern einfach versucht, man selbst zu sein.

 

… und was würden Ihre Mitarbeiter darauf antworten?

Dass ich auch ganz schön fordernd bin und manchmal – zunehmend weniger – sogar mal ausrasten kann, und dass das gar nicht zum schönen Selbstbild passt.

 

Tee oder Kaffee?

Beides, den Espresso zum Hochfahren und den Pfefferminztee zum Runterkommen …

 

Ihr Spitzname ist…?

Seit mich einmal eine führende deutsche Wirtschaftszeitung als „Familienversteher“ bezeichnet hat, werde ich den Beinamen nicht mehr los. Er gefällt mir auch ganz gut. Ich finde es einfach besser, mein Geld als Friedensstifter zu verdienen als damit, die Konflikte in Familien noch weiter aufzuheizen. Diese ganzen Familienstreitigkeiten sind eine Katastrophe.

 

Verraten Sie eine Marotte.

Ich schlafe gern und viel.

 

Was bringt Sie in Harnisch?

Wie selbst- und ichbezogen wir geworden sind, wie sehr wir andere Menschen immer mehr nach ihrem Geldwert beurteilen und wie ungleich Einkommen, Vermögen und Chancen auf dieser Welt verteilt sind. Wie wir unsere Natur zerstören, die Menschenwürde mit Füßen treten und wie wir mit anderen Lebewesen umgehen. Wie schnell wir Autokraten und Verschwörungstheorien nachlaufen und wie wenig wir aus der Geschichte lernen. All das macht mich wütend!

 

…und was bringt andere an Ihnen in Harnisch?

Ein gewisser Hang zum Oberlehrerhaften. Ich befürchte, ich bin wirklich ein kleiner Besserwisser …

 

Was möchten Sie gerne in Rente machen?

Bücher schreiben. Darüber, wie wir miteinander umgehen wollen, über einen gerechten und nachhaltigen Kapitalismus, über Gemeinsinn und Gemeinwohl und über das uralte Prinzip der Gegenseitigkeit. Es sollen optimistische Bücher sein. Ich bin ein wütender Optimist: Wir können es besser!

 

Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?

Den Wunsch, die Dinge besser zu machen und den Mut, dafür einzustehen. Dazu ein Schuss Unaufgeregtheit und Augenmaß: Ich bewundere Greta Thunberg und Angela Merkel.

 

Auf welche drei Dinge könnten Sie niemals verzichten?

Ein gutes Buch zur Inspiration, ein schönes Stück Musik für die Seele und etwas zum Schreiben.

 

Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten – welcher wäre das?

Ich wäre gerne einmal für einen Tag Bundeskanzler(in). Damit ich am eigenen Leib erfahren kann, wie es sich anfühlt, eine so unglaublich große Verantwortung zu tragen, immer wieder sein Bestes zu geben und trotzdem ständig angegriffen zu werden – von all den Unzufriedenen und Besserwissern. Ich möchte wissen, wie sich das anfühlt und warum man nicht einfach alles hinschmeißt. In diesem Sinne: Vielen Dank Frau Merkel!

 

(Foto: Privat/Peter May)

 

„Unser Wohnhaus, unser Büro und unser Ferienhaus sind vollgehängt mit Bildern. Vor zehn Jahren habe ich angefangen auch selbst zu malen, beeinflusst von der eigenen gut 30-jährigen Sammlertätigkeit. Einige Bilder habe ich im Büro – so wie das auf dem Bild – und zuhause aufgehängt, viele an Familienmitglieder und Freunde verschenkt. Öffentlich möchte ich diese Leidenschaft nicht machen. Die Kunst gehört für mich in meinen privaten Bereich – vielleicht auch, weil ich mich insoweit nur als einen „leidenschaftlichen Dilettanten“ empfinde.

 

 

 

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