Buchauszug Kazuo Inamori: „Der Kompass für das Leben. Mit Leidenschaft und Spiritualität zu einem Leben mit außerordentlichem Erfolg.“

Buchauszug Kazuo Inamori: „Der Kompass für das Leben. Mit Leidenschaft und Spiritualität zu einem Leben mit außerordentlichem Erfolg.“

Kazuo Inamori ist Managementexperte und Gründer von Kyocera, dem Anbieter von Hightech- und Elektronikprodukten.

 

Kazuo Inamori: „Der Kompass für das Leben. Mit Leidenschaft und Spiritualität zu einem Leben mit außerordentlichem Erfolg.“ 208 Seiten, 16,99 Euro, FinanzBuch Verlag https://www.m-vg.de/finanzbuchverlag/shop/article/17989-der-kompass-fuer-das-leben/

 

In Wahrheiten und Prinzipien denken

Einfache Wahrheiten und Prinzipien sind die besten

Die meisten Menschen halten alles für komplizierter als es ist. Das Wesen der Dinge ist einfach. Selbst Dinge, die kompliziert erscheinen, bestehen aus einfachen Komponenten. Unsere Gene enthalten zum Beispiel die unglaubliche Menge von drei Milliarden Chromosomensequenzen, aber der genetische Code, aus dem die einzelnen Sequenzen bestehen, enthält nur vier Buchstaben, die Abkürzungen der einzelnen Aminosäuren. Das Gewebe der Wahrheit ist aus einem einzigen Faden gewoben. Je mehr man daher die Erlebnisse oder Erscheinungen des eigenen Lebens vereinfacht, desto näher kommt man seiner ursprünglichen Form – der Wahrheit.

Wenn man sich etwas scheinbar Komplexem gegenübersieht, muss man es in möglichst einfache Teile zerlegen. Das ist ein Gesetz des Lebens, und es gilt auch im Geschäftsleben. Die Wahrheiten und Prinzipien des Geschäftslebens sind extrem einfach. Ich werde oft gebeten, die Tricks meiner Branche zu offenbaren, das Geheimnis meines Erfolges, aber wenn ich dann meine Ansichten mitteile, sehe ich oft Enttäuschung im Gesicht der Fragesteller. Sie glauben einfach nicht, dass ich mit solchen selbstverständlichen, einfachen und primitiven Grundsätzen ein Unternehmen führen kann.

 

Als ich mit 27 Jahren Kyocera gründete, hatte ich bereits Erfahrung als Ingenieur, wusste aber nichts von Unternehmensmanagement. Probleme tauchten auf, Entscheidungen waren zu treffen. Als Unternehmenschef von Kyocera trug ich letztlich die Verantwortung für alle Entscheidungen und Problemlösungen. Ich musste zeitnah entscheiden, auch wenn es sich um eine Abteilung wie Verkauf oder Buchhaltung handelte, von deren Arbeit ich gar nichts verstand. Unterlief mir ein Fehler auch nur bei einem der kleinsten Probleme Kyoceras, gefährdete ich womöglich die Zukunft des ganzen Unternehmens. Dabei war ich Ingenieur, kein Geschäftsmann. Ich wusste nicht, worauf ich meine Entscheidungen gründen sollte, und hatte keine Erfahrung, die mir sagte, wie der nächste Schritt aussehen könnte. Was sollte ich nur tun?

 

Nach viel Grübelei entschloss ich mich schließlich, meine Entscheidungen und Handlungen auf die einfachen Wahrheiten und Prinzipien zu gründen, die allgemein als Grundsätze menschlichen Anstands gelten. Wenn ich mich für das Richtige entscheide, sagte ich mir, müsste ich eigentlich damit weitermachen können und bis zum Ende immer das Richtige tun. Ich muss den Lebensregeln des gesunden Menschenverstands folgen, die mir meine Eltern und Lehrer beigebracht haben – die Wahrheit sagen und nicht lügen, freundlich statt gierig und rücksichtslos sein und so weiter.

 

Ich ging davon aus, dass die moralischen und ethischen Grundsätze, die Richtig von Falsch unterscheiden, gute Taten von schlechten und akzeptables von inakzeptablem Verhalten, auch auf Management und Entscheidungsfindung anzuwenden waren. Schließlich besteht Unternehmensführung im Grunde auch nur aus Kontakten mit anderen Menschen, und für geschäftliche Transaktionen sollten daher dieselben grundsätzlichen ethischen Standards wie für alle anderen menschlichen Kontakte auch gelten. Ich sagte mir, dass Leben und Geschäftsleben denselben Wahrheiten und Prinzipien folgen müssten, und wenn ich mich an die hielt, konnte ich nicht viel falsch machen – ein ganz einfaches Konzept.

 

Dieser Ansatz gab mir das Selbstvertrauen, bei allen Geschäftstransaktionen stets offen und fair zu bleiben, und ich glaube, genau dadurch ist Kyocera dann so erfolgreich geworden.

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Eine Lebensphilosophie als Richtschnur

Die einfachen Wahrheiten und Prinzipien, die uns sagen, wie man sich als Mensch richtig verhält, bilden eine Lebensphilosophie, die aus der praktischen Erfahrung stammt anstatt aus verwickelten Spekulationen von Schreibtischgelehrten. Diese Philosophie gibt uns die Richtlinien an die Hand, um unseren Weg durch Ungewissheit, Verzweiflung und Schwierigkeiten zu finden.

 

Im Leben steht man ständig Situationen gegenüber, die eine Entscheidung erfordern. Ob zu Hause oder bei der Arbeit, ob man einen Job oder einen Lebenspartner sucht, ständig muss man sich entscheiden. Das Leben ist die Ansammlung solcher Entscheidungen, ein ständiger Auswahlprozess. Die Gegenwart ist das Ergebnis der Entscheidungen, die wir bisher getroffen haben, und die Entscheidungen, die wir ab jetzt treffen, bestimmen den Rest unseres Lebens. Mit festen Wahrheiten und Prinzipien als Richtschnur haben wir es sehr viel leichter, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Sich ohne Leitlinien entscheiden zu müssen, ist wie das Navigieren ohne Kompass, und ohne eine grundlegende Philosophie zu handeln, bedeutet, ohne Licht durch das Dunkel zu laufen. Eine Philosophie – man kann sie auch ethische oder moralische Werte nennen – dient als Orientierung im Leben, als Ausgangspunkt, an den wir zurückkehren können, wenn wir uns verirren.

 

KDDI ist heute einer der größten Telekommunikationsanbieter in Japan. Er entstand Ende 2000 aus der Verschmelzung dreier Firmen: DDI (Daini Denden), der Firma, die ich ursprünglich gegründet hatte, KDD (Kokusai Denshin Denwa), dem größten internationalen Telekommunikationsanbieter Japans, und IDO (Nippon Idou Tsushin Corporation), einer Toyota-Tochter. Nach diesem Merger konnten wir mit NTT (Nippon Telegraph and Telephone Corporation) konkurrieren, einem ehemals staatlichen Branchenriesen.

 

Zuvor hatten DDI und IDO dasselbe Mobiltelefonnetz betrieben. Weil sie aber den japanischen Markt unter sich aufgeteilt hatten und jeder der beiden nur das halbe Land abdeckte, konnten weder DDI noch IDO jemals als ernsthafte Konkurrenz für die Mobilsparte von NTT auftreten, NTT DoCoMo, die allein durch ihre schiere Größe den Markt kontrollierte. Dadurch hatte NTT DoCoMo praktisch ein Monopol und setzte das Konkurrenzprinzip außer Kraft. Den Kunden wurden so die Vorteile verbesserter Services und niedrigerer Kosten vorenthalten. Deshalb hatte ich den Unternehmenszusammenschluss vorgeschlagen.

 

Welche Art Merger aber war hier am besten? Sollte eines der Unternehmen die anderen beiden schlucken, oder sollten sich alle drei gleichberechtigt zusammenschließen? Beispiele gleichberechtigter Zusammenschlüsse von Banken und anderen Unternehmen in der Vergangenheit zeigten mir, dass die Beteiligten gleichberechtigter Zusammenschlüsse gewöhnlich in lange Kämpfe um die Vorherrschaft im neuen Unternehmen gerieten. Nach langem Nachdenken schlug ich schließlich vor, dass DDI die Koalition anführen sollte, und zwar nicht, weil ich für mich selbst eine Machtposition anstrebte oder meinem eigenen Unternehmen einen Vorteil verschaffen wollte. Der Vorschlag beruhte vielmehr auf der objektiven Einschätzung, dass DDI von den drei Beteiligten die besten Geschäftsergebnisse und das stärkste Management hatte.

 

Die Wahrheiten und Prinzipien, nach denen sich Unternehmen richten, sollten nicht Gewinnstreben oder den Wunsch nach Ruhm zum Ziel haben, sondern den Menschen und der Gesellschaft zum Vorteil dienen. Der Öffentlichkeit die besten Produkte und Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen, sollte stets das Grundprinzip des Managements sein. Wenn die künftige KDDI dieses Prinzip einhalten wollte, würde ein einfacher Zusammenschluss aller drei Beteiligten nicht genügen. Wir würden die Verantwortlichkeiten im Management deutlich festlegen müssen, um sicherzustellen, dass das neue Unternehmen so schnell wie möglich in Gang kam, und wir würden für eine langfristig stabile Geschäftsführung sorgen müssen. Ohne diese wesentlichen Voraussetzungen wären wir nicht konkurrenzfähig und könnten den Kunden und der Gesellschaft nicht dienen.

 

Diese objektive Ansicht war die Grundlage meiner Schlussfolgerung, dass es die beste Lösung wäre, wenn DDI die Initiative ergriff und beim Merger führte. Ich legte den anderen Beteiligten die Gründe für meinen Vorschlag offen und ernsthaft dar, einschließlich meiner Vision für die Telekommunikationsbranche in Japan. Weiter schlug ich vor, dass Kyocera einen etwas größeren Anteil an den Aktien bekommen solle, obwohl der größte Anteilseigner sowohl bei IDO wie bei KDD Toyota war. Weil alle Beteiligten mit Ernst und Leidenschaft bei der Sache waren, kam der Zusammenschluss zustande, und das neue Unternehmen KDDI wuchs rasch. Diesen Erfolg hatten wir dem Prinzip zu verdanken, die Interessen anderer an die erste Stelle zu setzen.

 

Stehen Sie zu Ihren Prinzipien, ohne auf Trends zu achten Eine solide Philosophie, die auf Wahrheiten und Prinzipien beruht, zu entwickeln und sich nach ihr zu richten, führt am Ende zu Erfolg und einem nutzbringenden Leben, aber der Weg dorthin ist alles andere als leicht und locker. Im Gegenteil, es ist ein steiniger Weg, der Selbstdisziplin und Beherrschung erfordert und oft mit Leiden, manchmal sogar mit Verlust verbunden ist. Wenn man den steinigen Weg geht und an eine Kreuzung gelangt, muss man die Abzweigung nehmen, die auf den richtigen Weg führt, auch wenn er dornig und weit entfernt von jeder persönlichen Belohnung ist, selbst wenn das bedeutet, sich ungeschickt und in dämlicher Ehrlichkeit durchs Leben zu arbeiten. Auf lange Sicht jedoch führt Handeln, das auf einer soliden Philosophie beruht, nie zu Verlusten. Auch wenn sie unvorteilhaft erscheinen mögen, werden Sie am Ende von ehrlichen Handlungen profitieren. Mit diesem Ansatz weichen Sie kaum je vom richtigen Weg ab.

 

Um dieses Konzept zu illustrieren, betrachten wir die Auswirkungen der Immobilienblase auf Japan. In den Jahren vor dem Platzen der Blase, das so viel Schaden anrichtete, dass wir die Nachwirkungen noch heute spüren, gerieten viele Firmen in Immobilienspekulationen. Diese Spekulationsgeschäfte trieben die Bodenpreise in die Höhe, und Firmen liehen sich große Summen, um sie in Immobilien zu investieren und die erwarteten hohen Gewinne zu kassieren. Wenn man sich die wirtschaftlichen Prinzipien hinter dem raschen, überproportionalen Anstieg der Immobilienpreise in Japan kühl und vernünftig ansieht, scheint es sehr seltsam, dass der Wert dieser Anlagen ohne jede eigene Anstrengung ständig steigen sollte, aber damals verhielten sich alle so, als sei das völlig normal.

Als die Blase dann platzte, wurden die Grundstücke und Häuser, auf deren Wertsteigerung man gebaut hatte, oft genug zu Verbindlichkeiten, und viele Unternehmen fanden sich plötzlich tief verschuldet wieder. Im Nachhinein sieht man, dass die Verantwortlichen der Unternehmen, die sich in diese hemmungslose Bodenspekulation gestürzt hatten, eine starke Philosophie als Richtschnur gebraucht hätten, um die richtigen Entscheidungen für ihre Firmen zu treffen, ohne sich von kurzfristigen Trends mitreißen zu lassen.

 

Als die Bodenpreise noch stiegen, wurde Kyocera von vielen Seiten gedrängt, die finanziellen Reserven, die wir durch harte Arbeit geschaffen hatten, in Immobilien anzulegen. Ein Banker, der glaubte, ich verstünde die Vorteile einfach nicht, die es brachte, in Immobilien zu investieren, erklärte mir detailliert, wie ich riesige Profite einsacken könne. Ich aber glaubte nicht daran, dass solche enormen Gewinne zustande kamen, einfach indem Land den Besitzer wechselte. Selbst wenn der Gewinn real war, stand er mir nicht zu. Ich wies solche Investmentangebote immer zurück, weil ich glaubte, dass leicht gewonnenes Geld auch genauso schnell wieder verschwindet. Echter Gewinn, so meine Überzeugung, lässt sich nur durch ehrliche harte Arbeit erzielen.

 

Das war ein einfacher Grundsatz, aber er beruhte auf den Leitlinien, die anständiges Verhalten definieren. Ich musste mich zwar sehr beherrschen, um nicht der Profitgier zu verfallen, aber es gelang mir, mich nicht von Geschichten über riesige Investmentgewinne einwickeln zu lassen. Wahren Erfolg erreicht man nur mit Rechtschaffenheit, und ob man ihn erreicht, hängt davon ab, ob man einer Philosophie folgt, die es wert ist, sich an sie zu halten, auch wenn man dabei Verluste in Kauf nehmen muss, und ob man entschlossen genug ist, um das Leiden zu akzeptieren, das dazugehört.

Wissen allein genügt nicht: Lebe nach deiner Philosophie Nach einer Lebensphilosophie, die man als richtig erkannt hat, auch tatsächlich zu leben, ist leichter gesagt als getan. Anfälligkeit für Versuchungen und Selbstsucht gehören zur menschlichen Natur, außer man verfügt über große innere Stärke und Disziplin.

 

Vor vielen Jahren, als Kyocera seinen Managern zum ersten Mal Firmenwagen mit Chauffeur zur Verfügung stellen konnte, stellte einer der Manager, als er zum Feierabend nach Hause gefahren werden wollte, fest, dass der Wagen nicht da war. Der verantwortliche Werksleiter hatte angenommen, dass der Manager Überstunden machen würde, und den Wagen in der Zwischenzeit einem überlasteten Verkaufsrepräsentanten zur Verfügung gestellt, der sonst nicht alle Termine geschafft hätte. Der Manager war wütend und wollte wissen, wieso ein einfacher Verkaufsrepräsentant seinen Wagen bekam.

 

Als ich davon erfuhr, bat ich den Betreffenden zu mir. »Den Firmenwagen haben Sie nicht wegen Ihres Rangs im Unternehmen«, erklärte ich ihm. »Wir haben diesen Service eingeführt, damit Leute, die besonders wichtige Aufgaben für das Unternehmen ausführen, sich ganz auf ihren Job konzentrieren können, ohne sich mit Alltagsroutinen belasten zu müssen. Überlegen Sie mal: Sie wollten den Firmenwagen, um zum regulären Feierabend nach Hause zu fahren. Glauben Sie wirklich, dass es richtig ist, wenn Sie den Verkaufsrepräsentanten kritisieren, der den Wagen brauchte, um alle Termine rechtzeitig zu erreichen?«

 

Ein Manager mag zwar bevorrechtigt sein, wenn es um die Nutzung des Firmenwagens geht, aber es ist eben ein Firmenwagen, kein Privatfahrzeug. Für leitende Angestellte und Angehörige der Unternehmensführung ist es allerdings schwierig, das so zu sehen. Ich weiß das, weil es mir selbst auch schon passiert ist. Als wir Kyocera gründeten, war das Firmenfahrzeug ein Motorroller, natürlich ohne Chauffeur. Später investierten wir in einen winzigen Subaru 360, den ich anfangs auch noch selbst fuhr. Aber ich merkte, dass ich beim Fahren ständig an die Arbeit dachte, und als mir aufging, wie gefährlich das war, stellte ich einen Chauffeur ein. Etwas später konnte sich Kyocera dann einen größeren Wagen leisten, und ich wurde jeden Tag zur Arbeit gefahren. Eines Morgens wollte meine Frau gerade in die Stadt aufbrechen, als der Wagen vorfuhr. Ich bot ihr an, sie mitzunehmen und unterwegs abzusetzen, aber sie lehnte ab: »Wenn es dein Auto wäre, gerne, aber es ist ein Firmenwagen. Du hast mir selbst gesagt, dass die nicht für Privatfahrten sind, und darauf bestanden, dass wir Geschäft und Privatleben klar trennen.« Da hatte sie natürlich recht, und ihre Ermahnung brachte mich zum Nachdenken über meine eigene Einstellung.

 

Das sind zwar triviale Beispiele, aber sie illustrieren doch, dass vieles leichter gesagt als getan ist. Deshalb sind Wahrheiten und Prinzipien bedeutungslos, wenn wir uns nicht mit großer Willenskraft bemühen, ihnen zu folgen. Sie sind zwar die Quelle für Rechtschaffenheit und Kraft, aber schnell vergessen, wenn einem Disziplin fehlt. Man sollte immer darauf achten, über sein Handeln nachzudenken und Selbstbeherrschung zu üben. Es ist wichtig, diese Angewohnheiten in die Richtlinien der Lebensführung einzubauen.

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Der Vektor der Einstellung bestimmt die Richtung des Lebens

Die Lektionen aus meinen Erfahrungen bei der Arbeit und als Manager, die Lebensprinzipien – das alles erscheint sehr einfach. Aber gerade diese Einfachheit macht sie, so finde ich, allgemeingültig. In diesem Kapitel möchte ich einige dieser grundlegenden Prinzipien darlegen.

 

Das erste Prinzip, mit dem ich mich befassen möchte, ist meine Lebensformel, die ich im Prolog aufgeführt habe: Die Ergebnisse, die wir bei der Arbeit und im Leben erzielen = Einstellung × Bemühen × Können. Der wichtigste Faktor in dieser Gleichung ist die Einstellung. Ich fand zu dieser Formel, als ich herauszufinden versuchte, wie jemand, der wie ich nur mittelmäßig begabt ist, das Außergewöhnliche erreichen und damit den Mitmenschen und der Gesellschaft nützen kann. Seit ich diese Formel geschaffen habe, ist sie die Grundlage meiner Lebensführung.

 

Der Schlüssel zu dieser Gleichung ist, dass die Ergebnisse durch Multiplikation zustande kommen. Wenn jemand zum Beispiel für die Fähigkeit, klar zu denken, 90 von 100 Punkten bei Können erzielt, aber dann allzu stolz darauf wird und es bei Bemühen nur auf 30 von 100 Punkten bringt, weil er nicht hart arbeitet, ist das Endergebnis nur 2700 Punkte. Wenn dagegen jemand mit einer durchschnittlichen Denkfähigkeit von nur 60 Punkten besonders hart arbeitet, um sein Defizit auszugleichen, und mehr als 90 Prozent Bemühen auf seine Arbeit verwendet? Dann zeigt das Endergebnis 5400 Punkte. Wer sich besonders bemüht, kann daher doppelt so viel mit seiner Arbeit erreichen wie jemand, der begabt, aber nicht fleißig ist.

 

Auch die Einstellung multipliziert die Punktzahl. Die Einstellung ist besonders wichtig, weil sie die Richtung des Lebens bestimmt. Manche Menschen konzentrieren ihr Bemühen und Können auf eine positive Richtung, andere auf eine negative. Einstellung ist daher der einzige Faktor in der Gleichung mit positiven und negativen Werten. Wenn man negativ denkt, ist das Endergebnis der Gleichung (also das Ergebnis des Lebens oder der Arbeit) immer negativ, auch wenn man bei Bemühen und Können hohe Werte erzielt. Begabte Menschen, die ihr Bemühen auf Betrug oder Diebstahl richten, mögen darin sehr fleißig sein, aber weil ihre Lebenseinstellung negativ ist, können sie nie gute Ergebnisse erzielen.

 

Weil die Faktoren dieser Formel miteinander multipliziert werden und daher direkt aufeinander einwirken, muss man sich bemühen, seine Gedanken in die richtige Richtung zu lenken, sonst gehen Können und Bemühen, wie groß auch immer, verloren und schaden womöglich sogar der Gesellschaft. Yukichi Fukuzawa (1835–1901), Gelehrter und Erzieher, beschrieb in einem Vortrag gegen Ende seines Lebens die Merkmale eines wirklich großen Menschen. Laut Fukuzawa können wir nur dann den Zustand der Reife erreichen und einen Beitrag zur Gesellschaft leisten, wenn wir das tiefe Denken eines Philosophen, das reine Herz eines Kriegers, die scharfe Intelligenz eines Beamten und die körperliche Zähigkeit eines Bauern besitzen. Wenn ich Fukuzawas Worte lese, fällt mir auf, dass das, was er tiefes Denken und reines Herz nennt, der Einstellung in meiner Lebensformel entspricht, Intelligenz entspricht dem Können, und die körperliche Zähigkeit dem Bemühen. Seine Worte bestätigen also, wie wichtig Einstellung, Können und Bemühen im Leben sind.

 

 

 

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