Buchauszug Michaela Knabe: „Gute Führung braucht Haltung – 11 Kompetenzen, die Führungskräfte von Hunden lernen können“

Buchauszug: „Gute Führung braucht Haltung – 11 Kompetenzen, die Führungskräfte von Hunden lernen können“ von Michaela Knabe. 

 

Michaela Knabe (Foto: Wiley Verlag)

 

Kommunikation

„Die Sprache ist die Kleidung der Gedanken.“
(Samuel Johnson, Englischer Schriftsteller, 1709-1784)

Ein großer Konzertsaal mit Tradition und Geschichte füllt sich langsam mit festlich gekleideten Besuchern, die nach und nach ihre Plätze auf den rubinroten Samtsesseln einnehmen. Noch ist der Raum vom warmen Glanz antiker Kronleuchter erleuchtet. Das Licht bricht sich in den kostbaren Kristallen und wirft unzählige schimmernde Lichtreflexe auf pompöse Abendkleider und maßgeschneiderte Fracks. Das leise Raunen der Menschen mischt sich mit dem Rascheln edler Stoffe und dem dissonanten Summen der Instrumente, die von den Musikern im Orchestergraben sorgfältig gestimmt werden.

 

Eine Premiere steht an und die Presse überbot sich gegenseitig mit Vorschusslorbeeren einerseits, hämischer Kritik andererseits. Das gut eingespielte Orchester zeigt zum ersten Mal das Ergebnis der monatelangen Arbeit, die von einem neuen Dirigenten geleitet wurde. Seine Ideen und Forderungen waren nicht immer beliebt, seine Handschrift eher unkonventionell und seine Interpretation alter Meister unter Traditionalisten verpönt. Die Musiker brauchten eine ganze Weile, sich mit seiner temperamentvollen Art anzufreunden. Nach unzähligen Stunden des Probens, der Diskussionen und der Suche nach Perfektion sitzen sie nun auf ihren harten Stühlen, stimmen ihre Instrumente und konzentrieren sich auf ihre Noten.

 

Der Dirigent betritt sein Pult und wendet sich seinem Orchester zu. Er nickt jedem einzelnen Musiker zu und scheint in diesen wenigen Sekunden ein Zwiegespräch zu führen. Sein Blick versichert: „Ich verlasse mich auf Sie“, und die Musiker antworten ihm mit stiller Bestätigung: “Ich werde mein Bestes geben“.

 

Das Licht im Saal erlischt, die Gespräche verstummen und die Zuhörer halten erwartungsvoll den Atem an. Der Dirigent hebt seine Hände und die Musiker lassen die ersten Töne aus ihren Instrumenten fließen. Erst fein, dann immer kraftvoller klingt das Zusammenspiel des Orchesters und nimmt das Publikum mit in eine Welt voller Magie und wortlosem Zauber.

 

Der Mann mit dem Taktstock scheint mit jedem einzelnen Musiker zu verschmelzen und selbst der kühlste Kritiker vermag nicht mehr zu sagen, wo der eine aufhört und die anderen anfangen. Alles scheint eins zu werden in diesem Moment der vollendeten Harmonie, die der Dirigent zwischen all den einzigartigen Perfektionisten zu stiften vermochte.

 

Nachdem der letzte Ton verklungen ist, schaut er wieder in jedes einzelne Gesicht seiner Musiker, nickt kaum sichtbar und sagt: „Danke für Ihr Vertrauen und Ihre Leistung“, und die Musiker antworten: „Danke für Ihren Respekt“. Erst dann wendet er sich dem Publikum zu, verneigt sich dezent und genießt diesen Moment des Erfolges.

 

 

Michaele Knabe: „Gute Führung braucht Haltung – 11 Kompetenzen, die Führungskräfte von Hunden lernen können“, Wiley Verlag, 208 Seiten, 19,99 Euro  https://www.wiley-vch.de/de/fachgebiete/finanzen-wirtschaft-recht/gute-fuehrung-braucht-haltung-978-3-527-50989-8

 

Erfolge anerkennen, auch ohne Tusch und Taktstock

Die Erfolge unserer Arbeit sind selten so fulminant wie eine rauschende Opernpremiere. Wir müssen meistens ohne Publikum, ohne Orchester und vor allem ohne Champagner auskommen, wenn uns ein Projekt oder eine Aufgabe gelungen ist. Manchmal müssen wir sogar sehr genau hinschauen, damit wir nicht über die vielen kleinen Glücksmomente hinwegsehen. Und doch ist in Führungsarbeit eine ganze Menge „Musik“ drin, die nur mit dem richtigen Takt zum Erfolg werden kann.

 

Die innere Haltung, mit der Menschen durch ihr Leben gehen, ist so etwas wie ein Notenblatt in der Musik. Dort sind alle Informationen zusammengefasst, die für die Umsetzung eines Vorhabens relevant sind. Je deutlicher die Zeichen auf den Linien erkennbar sind, desto wahrscheinlicher ist die präzise Umsetzung. Und doch bleibt das Blatt mit den Punkten und Kringeln stumm wie ein Fisch und gibt bestenfalls ein leises Rascheln von sich, wenn es zur Hand genommen und in einen Notenständer gelegt wird. Erst durch die Hand eines Musikers, der die Zeichen erkennt und mit Hilfe eines Instrumentes in Töne verwandelt, erklingt eine Melodie. Die reinen Informationen werden transformiert und auch für diejenigen zugänglich gemacht, die weder Noten lesen noch ein Instrument spielen können.

 

Die Übertragung unserer Haltung, unserer Vorstellungen, Wünsche und Ziele erfolgt durch unsere Kommunikationsfähigkeiten. Sie sind die Instrumente, mit denen wir wichtige Informationen über uns und andere greifbar und lebendig werden lassen.

 

Ähnlich wie in der Musik gelingt dies mal harmonisch, mal eher dissonant. Während die einen Gespräche scheinbar mühelos dahinfließen, gestalten sich andere Dialoge unbefriedigend und stockend. Worin besteht also sowohl die Kunst als auch das Handwerk einer überwiegend gelungenen Kommunikation? Obwohl eine direkte Antwort auf diese Frage sehr verlockend wäre, lohnt sich die Annäherung auf einem gedanklichen Umweg.

 

Der Mensch ist, was er denkt

Wir gestalten unser Leben durch unsere Einstellung, durch unsere Sichtweise und durch unsere Kommunikation. Mit all unserem Denken, Reden und Handeln geben wir eine Antwort auf die Dinge des Lebens. Diese ganz persönliche Antwort erzeugt eine Resonanz, die entsprechende Energien und Informationen zu uns zurückwirft. Dieses allumfassende Feedback ist eine wertvolle Quelle, aus der wir reichhaltige Anregungen schöpfen können. Dafür brauchen wir jedoch die Bereitschaft, diese Rückmeldungen offen und selbstverantwortlich anzunehmen. Die Versuchung, unbequeme oder unerwünschte Reaktionen anderer pauschal abzuwehren ist so groß wie nachvollziehbar, denn sie stellen häufig unsere vertrauten Überzeugungen und Denkmuster in Frage.

 

Unserem Denken sind grundsätzlich keine Grenzen gesetzt. Wir sind entweder Entdecker neuer Möglichkeiten oder Gefangene der eigenen Zweifel. Wir können Empathie und Begeisterung auslösen, oder auch Ängste, Ärger und Neid.
Am deutlichsten drücken wir, überwiegend unbewusst, unsere inneren Überzeugungen mit unserer Körpersprache aus. Sie ist wie ein Verstärker, der auch leiseste Regungen in die Außenwelt überträgt und meist unmittelbar gelesen und verstanden wird. Viel stärker als das gesprochene Wort sorgen unsere Körper dafür, dass unsere Gedanken ihren Weg zu anderen Menschen finden. Häufig decken kleinste Gesten Widersprüche auf und sorgen auf diesem Weg für Unklarheit und Irritation. Eine betont laute, entschlossene Stimme passt genauso wenig zu schützend hochgezogenen Schultern wie zu unsicherem Stand oder zu Händen, die sich Halt suchend an einen Stuhl klammern.

 

Solche Unstimmigkeiten lassen sich natürlich zu einem gewissen Grad wegtrainieren, um die Außenwirkung zu optimieren. Dabei bleibt jedoch das elementare Veränderungspotenzial ungenutzt, das unter den widersprüchlichen Gesten und Signalen verborgen ist. Sie sind ja nicht Ursache, sondern Auswirkung einer Unstimmigkeit und liefern somit wertvolle Hinweise auf Themen, die eine achtsame Betrachtung verdienen.

 

Eine nachhaltige Angleichung von innerer Einstellung und äußerer Ausdrucksform erreicht man vor allem dann, wenn man bereit ist, sich die zu Grunde liegenden Gedanken, Gefühle und Wertvorstellungen anzuschauen und zu reflektieren. Nur daraus kann sich eine natürliche und stimmige Körpersprache entwickeln. Der Schlüssel dazu ist die grundsätzliche Fähigkeit, selbst die Verantwortung für unser Denken und Handeln zu übernehmen.

 

Je mehr wir für unsere Gedanken, unsere Überzeugungen und unsere innere Haltung einstehen, desto freier und selbstbestimmter können wir unser Leben gestalten. Unsere Kommunikation gewinnt an Klarheit, unsere Handlungen werden souverän und stimmig.

 

Natürlich passiert das nicht über Nacht und schon gar nicht ohne beharrliches Engagement. An welchen Stellen es Möglichkeiten zum Lernen und Wachsen gibt, zeigt uns das ganz normale Leben mit seiner Fülle an Begegnungen und Erlebnissen.

 

Reden ist Silber, Verstehen ist Gold

Bei der Betrachtung einiger vollkommen alltäglicher Situationen fällt auf, dass Menschen scheinbar kommunizieren, um sich NICHT zu verstehen. Die einen geben Statements ab, während die anderen diese widerlegen. Es wird abwechselnd gesprochen, aber nicht zugehört. Eigene Interessen werden mit Hilfe von Kommandos, Anweisungen oder Manipulationen durchgesetzt. Gegensätzliche Bedürfnisse bemühen sich mit Trotz, Widerstand oder Resignation um Gehör. Wozu soll also diese Art der Kommunikation hilfreich sein?

 

Der verbale und nonverbale Austausch dient in erster Linie dem Zugänglichmachen von Informationen. Jede Spezies profitiert davon, sich untereinander wichtige Hinweise zu geben. Für unsere Vorfahren waren diese Eckdaten existenziell: Wo gibt es Nahrung und Wasser? Welche Gefahr droht möglicherweise und aus welcher Richtung kommt sie? Wer kümmert sich wann um wichtige Aufgaben? Diese Art der Kommunikation sorgt dafür, dass grundsätzliche Fragen geklärt und zum Wohle der Gemeinschaft beantwortet werden.

 

Der zweite wichtige Aspekt des Miteinanderredens ist der Erhalt und die Gestaltung von sozialen Verbindungen. Dies ist die elementare Keimzelle, aus der jegliche Gemeinschaft ihre Überlebens- und Entwicklungsfähigkeit gewinnt.

 

„Ein einziges Wort, gesprochen mit Überzeugung in voller Aufrichtigkeit und ohne zu schwanken während man Auge in Auge einander gegenüber steht, sagt bei Weitem mehr als einige Dutzend Bogen beschriebenes Papier.“
(Fjodor Michaijlowitsch Dostojewskij, Russischer Schriftsteller, 1821-1881)

 

Verbindung entsteht aus Verbindlichkeit, also aus der Klarheit über Positionen und Bedürfnisse. Der Anfang jeder gelungenen Kommunikation liegt im inneren Dialog, in dem Gespräch mit sich selbst. Das beinhaltet unbedingt den Aspekt der Selbst-Empathie, da neben den Sachthemen die eigene Gefühlswelt eine große Rolle spielt. Insbesondere in schwierigen, konfliktbetonten Situationen übernehmen Emotionen gern die Solistenrolle und spielen, meist unbewusst, die erste Geige. Starke Gefühle nehmen viel Raum ein und verhindern ein aufmerksames, wertfreies Zuhören ebenso wie das empathische Einfühlen in den Gesprächspartner. Genau hier kann die Selbst-Empathie uns wieder leisere und harmonischere Töne finden lassen. Ein kurzes Innehalten und Hineinhören gibt uns die Möglichkeit, das Gefühl zu erkennen und angemessen einzuordnen. Auf diese Weise bleiben wir selbst im Takt. Wir können proaktiv und lösungsorientiert zwischen unseren eigenen Positionen und den Interessen des anderen hin und her wechseln.

 

Ohne diese Art der „Vorleistung“ wird Kommunikation immer nur an der Oberfläche stattfinden und keine echte Verbindung schaffen. Unabhängig von gekonnter Rhetorik oder ausgefeilter Methodenkompetenz werden derart getroffene Vereinbarungen und Absprachen höchstwahrscheinlich auf tönernen Füßen stehen. Ohne echte Verbindung gibt es keine Verbindlichkeit.

 

(Foto: Wiley Verlag)

 

Mit Pauken und Trompeten: Nähe und Distanz

Sich auf eine echte Verbundenheit einzulassen ist sicher nicht ganz einfach und kostet einige Überwindung. Schließlich gilt die sachlich-kühle Distanz in der Führungsarbeit nach wie vor als wichtiger Erfolgsfaktor. Zu große Nähe kann tatsächlich Objektivität, Urteilsvermögen und Konsequenz beeinträchtigen, wenn sie auf einzelne Personen beschränkt oder nicht ausreichend reflektiert wird. Wie auch bei allen anderen Führungsaspekten geht es um ein achtsames Ausloten möglicher Ungleichgewichte.

 

Die Suche nach Verbindung und Verständigung sollte auf keinen Fall als einseitiger Bringdienst der Führungskraft verstanden und als alleinige „Dienstleistung“ angeboten werden. Für ein gutes Zusammenspiel muss jeder zu hören und zu sehen sein, auch wenn die Harmonie noch nicht perfekt ist. Jeder Mensch ist in gewissem Maße für sich selbst verantwortlich und sollte seine Wünsche, Bedürfnisse und Bedenken zum Ausdruck bringen. Das erfordert selbstverständlich ein wenig Mut und die Bereitschaft, mit entsprechenden Antworten umgehen zu können. Dies ist das Wesen des Dialoges. Erst der Wechsel zwischen hören und gehört werden lässt aus einzelnen Tönen eine kraftvolle Sinfonie entstehen.

 

Es geht in der Kommunikation nicht um perfektes, technisches Funktionieren, denn eine Garantie für das Gelingen kann es nicht geben. Zu verschieden sind manchmal Charaktere, Motivationen und Bedürfnisse einzelner Persönlichkeiten. Es geht vielmehr um gleichwertiges Bemühen, um Augenhöhe und Respekt. Es geht darum, auch und gerade in kontroversen Interessenlagen einen bestmöglichen Kompromiss zu finden, der eine konstruktive Zusammenarbeit und fairen Umgang miteinander möglich macht. Der Weg dorthin lohnt sich für alle Beteiligten, die nach gemeinsamen Zielen und Erfolgen streben.

 

Experte Hund und die Kommunikation

„Wir Hunde sind sehr empfindlich gegenüber Dissonanzen. Schräge Töne tun uns ebenso weh wie zu große Lautstärke oder permanente Berieselung. Wir merken sofort, wenn Menschen aufgeregt oder unsicher sind, denn dann reden sie noch mehr als ohnehin schon. Wussten Sie, dass unser Bellen wahrscheinlich eine Anpassung an die menschliche Sprache ist? Unsere Vorfahren, die Wölfe, bellen überhaupt nicht. Aber wir haben uns gedacht, dass das Gebell sicher hilfreich sein wird im Zusammenleben mit den zweibeinigen Sprachkünstlern. Es ist verblüffend, wie oft unsere Menschen uns dann richtig verstehen. Sie können zum Beispiel an unserem „Wau“ hören, ob ein Fremder oder ein lieber Freund an der Tür steht.

 

Dafür verwirren sie uns oft mit Einzelsignalen, die überhaupt nicht zusammenpassen. Der Mensch benutzt gern Kommandos und feuert die manchmal ab wie Gewehrkugeln, laut und erschreckend. Gleichzeitig schaut er aber sonst wohin, denkt ans Abendessen und versucht dabei, sich mit einer Hand das Hemd zuzuknöpfen. Ehrlich, da weiß ich nicht mehr, was ich machen soll. Auf den PLATZ! gehen? Mich aufs Futter freuen, das ich immer nach dem Abendessen meiner Leute bekomme? Oder zuschauen, was er mit den Knöpfen macht? Ein einziges Durcheinander. Klare Signale sind was anderes.

 

Wir Hunde kommunizieren immer miteinander und sind dabei laut, leise, dezent oder deutlich, je nachdem, was gerade in dieser Situation passend ist. Jeder hat jeden im Blick und erkennt sofort, was gerade wichtig ist. Dabei geht es uns nicht nur darum, Informationen und Botschaften auszutauschen. Wir teilen uns auch mit, wie wir uns gerade fühlen. Die Stimmung im Rudel ist ausschlaggebend für das, was wir tun. Wir sind nur gemeinsam stark und machen keine Alleingänge. Deshalb ist es für uns besonders wichtig zu sehen, wie die anderen „drauf sind“. Wenn wir Althunde gerade tiefenentspannt vor uns hin träumen, wird kein Jungspund auf die Idee kommen, jagen zu gehen. Sie orientieren sich an der Gefühlslage, die zwischen uns herrscht und die sie an unserer Haltung und Mimik ablesen können. Wenn da nichts auf Unternehmungslust hindeutet, werden auch die jungen Wilden sich entspannen und sich entweder miteinander beschäftigen oder sich ebenfalls ein Nickerchen gönnen.

 

Unsere Körpersprache ist universell, deshalb brauchen wir auch keinen Dolmetscher, wenn neue Kumpel aus Spanien, Marokko oder Polen um die Ecke kommen. Wir sehen sofort, ob jemand entspannt oder aufgeregt ist, ob er spielen will oder Streit sucht. Menschen tun oft freundlich, sind es aber nicht. Wir merken das sofort und fragen uns immer wieder, wozu die Tarnung wohl gut sein soll? Unsere Lebensqualität im Rudel hängt sehr wesentlich davon ab, klar und deutlich zu sein. Ein Gasthund fixiert meinen Kauknochen? Aber nur ganz kurz, denn ich sage ihm gleich, wie ich das finde. Was hätte ich denn da von Höflichkeit? Genau. Keinen Knochen mehr. Also fix geknurrt mit zusammengezogenen Brauen und schon weiß der Bengel, woran er ist. Marschiert er deshalb beleidigt zur Tür hinaus? Nein, im Gegenteil. Er zeigt Respekt und beschäftigt sich entweder mit etwas anderem oder dackelt zu seinem Menschen und „erzählt“ ihm theatralisch von seinem unerfüllten Wunsch nach einem Snack. Erstaunlicherweise verstehen Menschen uns in dieser Hinsicht sehr gut und besorgen umgehend einen zweiten Kauknochen – geht doch.“

 

Was wir von Hunden über Kommunikation lernen können

Wissenschaftliche Untersuchungen zur menschlichen Sprache ergaben, dass die Modulation, die „Melodie“ des Redens, immer flachere Ausprägungen zeigt und somit immer monotoner wird. Diese Ausprägungen sind es jedoch, die unsere Emotionen hörbar machen und somit unseren Sozialpartnern wichtige Hinweise auf unsere Gestimmtheit liefern. Möchten Sie zwei Stunden lang zuhören, während ein Orchester immer die gleichen Töne spielt? Sicher nicht.

 

Hunde zeigen uns, wie lebendig und vielfältig Kommunikation sein kann. Sie nutzen immer ihr ganzes Repertoire an Signalen und Gesten, passen sich ihrem Gegenüber und der jeweiligen Situation blitzschnell an und sind jederzeit offen für die Zwischentöne und Feinheiten im Austausch. Sie beziehen immer alle sicht- und hörbaren Mitteilungen ein, ohne sich die „Rosinen“ herauszupicken und in ihrem Sinne zu interpretieren. Ein Knurren ist nicht einfach ein Knurren, das unmittelbar mit lauterem Knurren beantwortet werden muss. Manchmal sagt es auch: „Ich brauche mehr Abstand bitte, dann kann ich mich entspannen.“ Da hilft dann ein Schritt zurück viel mehr als eine Drohung, oder?

 

Auch wir Menschen haben eine Menge Instrumente, mit denen wir uns verständigen können. Um alle gleichermaßen sicher nutzen zu können, ist es wichtig, unserem Gesprächspartner mit allen Sinnen zugewandt zu sein und echtes Interesse zu zeigen. Zuhören ist eine elementare Qualität erfolgreicher Führungskräfte. Viele Menschen verstehen darunter, mit Mühe abzuwarten bis sie etwas erwidern können. Manchmal reicht es nicht einmal dazu und schlimmstenfalls wird die bewusste Unterbrechung taktisch eingesetzt, um einen Gesprächspartner zu verunsichern.

 

Möglicherweise kann man auf diese Art kurzfristig etwas erreichen. Eine langfristige, erfolgreiche und harmonische Zusammenarbeit wird so nicht entstehen können. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihrem Gegenüber wirklich Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Hören Sie nicht nur, was er sagt, sondern auch wie. Ist seine Stimme laut, leise, beherrscht oder frei? Passt die Stimmlage zur Körperhaltung und zum Gesichtsausdruck? Signalisieren Sie ihm, dass Sie gedanklich bei ihm sind. Fragen Sie nach, wenn Ihnen Signale widersprüchlich erscheinen. Im Gegenzug erweisen Sie dem anderen Respekt, indem Sie auch Ihr eigenes Anliegen oder Ihre Meinung in allen Facetten zeigen. Haben Sie Vertrauen in die richtige Dosis, Sie werden ziemlich sicher das richtige Maß finden. Die Sorge vor zu viel Emotionalität ist meistens unbegründet.

 

Mit Herz bei der Sache

„Wie klar ist doch die Kommunikation von Hunden: direkt, unverblümt, frei von ‚politischer Korrektheit‘ oder Diplomatie. Ohne Papperlapapp, ohne Schnick und Schnack. Und vor allem: immer authentisch.“
(Maximilian Pisacane, Publizist)

 

Der Schlüssel zu Klarheit, Glaubwürdigkeit und Verständigung in der Kommunikation liegt nicht in geschliffener Wortwahl oder überbetonter Höflichkeit. Echter Austausch entsteht durch Einfachheit im Sinne einer Konzentration auf das Wesentliche. Was ist jetzt und hier wichtig für uns? Missverständnisse und Fehlinterpretationen ergeben sich zuverlässig aus unserer zutiefst menschlichen Eigenschaft, alles auf einmal thematisieren zu wollen. Wir vermischen Erlebnisse aus der Vergangenheit, Erfahrungen mit anderen Menschen und diffuse Bedürfnisse miteinander und erwarten, dass der andere doch bitte die entscheidenden Botschaften dort herausfischt wie ein Tiefseetaucher. Das kann nicht funktionieren und hinterlässt Frust auf beiden Seiten.

 

Hunde machen es uns vor: sie machen sich ein Gesamtbild, filtern situationsbezogen jeweils die wichtigste Botschaft heraus und übermitteln diese unmissverständlich. Zu anderer Gelegenheit signalisieren sie ganz allgemein ihre Stimmung und Befindlichkeit. Und insbesondere nach Auseinandersetzungen versichern sie sich gegenseitig, dass sie nicht nachtragend und weiterhin respektvoll verbunden sind.

 

Wir können diese Art von Einfachheit als Inspiration nutzen, indem wir uns immer wieder fragen: „was ist mir gerade wichtig? Was soll der andere jetzt im Moment über mich wissen? Was brauche ich, um mich verständlich zu machen?“ Darüber hinaus sollten wir uns immer wieder die Gelegenheit schaffen, in anderer Situation erneut in Kontakt zu kommen und abzuklären, wie sich eine Sachlage, eine Stimmung oder ein Bedürfnis verändert haben. Vieles stellt sich schon am nächsten Tag anders und meist entspannter dar. Chancen und neue, vielversprechende Ansätze zeigen sich oft dadurch, dass wir Vertrauen zu anderen und vor allem zu uns selbst haben.

 

Eine verbindende, vertrauensvolle Kommunikation besteht aus vielen Aspekten. Wir selbst haben jedes erdenkliche Potenzial in uns. Die Fähigkeit, miteinander in Kontakt zu treten, ist elementar in unserer Veranlagung abgespeichert. Als Mensch unter Menschen erkannt, gehört und verstanden zu werden, ist ein entscheidendes Grundbedürfnis, das durch nichts anderes ersetzt werden kann. Die Rückbesinnung auf die Nutzung aller Facetten, die uns zur Verfügung stehen, ist logisch und natürlich. Aus dem Mut, sich zu zeigen und der Bereitschaft, den anderen erkennen zu wollen, entsteht der volle Klang eines gut eingespielten Orchesters, das seine Zuhörer in andere Dimensionen entführt. Genau diese Energie macht es uns möglich, gemeinsam ambitionierte Ziele zu erreichen. Kommunikation ist viel mehr als die Summe einzelner Instrumente – sie ist die Ganzheit all unserer Gedanken, Gefühle, Erfahrungen und Absichten. Mit etwas Mut und gesunder Reiberei wird ein kraftvolles Gesamtwerk daraus, das jeden Zuhörer in seinen Bann zieht.

 

 

 

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