Wenn der Chef ins Schweigekloster geht – Gastbeitrag von Vivelia-Chef Daniel Kollmann

Business Coach Daniel Kollmann (37) von Vivelia – sein Geschäftsmodell sind Coachings via PC für Firmenkunden aber auch Einzeltrainings ging für zehn Tage in ein Kloster in Brandenburg – Tharpaland Kadamka Meditationszentrum – und – brachte einiges an Einsichten mit. Zu Vivelias Referenzkunden gehören Unternehmen wie ImmoScout24, Idealo oder Movinga. (Gastbeitrag)

 

Kloster in Südfrankreich – Symbolfoto (Foto: S.Wollgarten)

 

Zehn Tage Schweigen – und was ich als Chef dabei gelernt habe

Geschäftsführer und Gründer eines Start-Ups in Berlin zu sein, ist grandios. Ich habe meinen Alltag selbst in der Hand: arbeite wann und von wo ich will, lerne jeden Tag neue, interessante Personen kennen, gehe auf spannende Events. Abends gibt´s Afterwork-Drinks mit meinem Team oder ein Essen mit Freunden. Ich habe die Freiheit, mir meine Zeit selbst einzuteilen. So sieht es von außen aus, soweit die Klischees.

 

Kein Glamour, stattdessen Stress und Erschöpfung

So richtig frei, glücklich und selbstbestimmt habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt. Die Realität und das Leben als Gründer habe ich immer weniger als glamourös empfunden. Ich war gestresst. Erschöpft. Leer. Jeden Tag hetzte ich zur Arbeit – nach dem Sport versteht sich – hangelte mich durch den Arbeitsalltag mit nahtlos ineinander übergehenden Meetings, schnellen Calls und Lunch-Terminen, die nicht dem Essen, sondern einem Business-Gespräch dienten. Abendveranstaltungen waren keine entspannten Abende mit Familie und Freunden, sondern Networking-Events mit potentiellen Kunden oder Investoren. Spätabends fiel ich unzufrieden und gestresst ins Bett.

„Ab der nächsten Woche wird´s besser, dann ist das Projekt abgeschlossen und der wichtige Meilenstein erreicht,“ sagte ich mir. Doch die gewünschte ruhigere Woche kam nicht und ich bemerkte, ich belüge mich selbst. Ich brauchte eine Pause.

 

Südfranzösisches Kloster – Symbolfoto (Foto: S.Wollgarten)

 

Zehn Tage im buddhistischen Schweigekloster – in Mecklenburg-Vorpommern

Dass eine Woche Urlaub in der Sonne nicht ausreicht, war mir schnell klar. Ich erinnerte mich an meine erste, dreitägige Meditations-Auszeit im vergangenen Jahr, zu der mich ein Bekannter schleppte. Damals eher aus Neugierde, als die Überzeugung, dass ich Ruhe brauchte oder das dieses Meditieren und Schweigen für mein Leben einen Mehrwert haben könnte. Jetzt war es anders und binnen weniger Stunden hatte ich alles gebucht. Zehn-Tage buddhistisches Schweigekloster also.

Viele haben mich gefragt, ob das denn so einfach sei – einfach zu gehen? Nicht erreichbar zu sein? Wie erklärst du deinem Team, dass du zehn Tage nicht verfügbar bist? Geht das? Ich hatte selbst Bedenken: Was, wenn ausgerechnet jetzt der große Deal reinflattert und ich bin weg? Schlussendlich traute ich meiner Intuition, dass es höchste Zeit war, meine Stopp-Taste zu drücken.

 

Irgendwo im Nirgendwo in Brandenburg

Da stand ich nun also, mit gepackter Tasche irgendwo im Nirgendwo in Brandenburg. Erstmal musste ich das Telefon abgeben – das war leichter als gedacht – befreiend ab der ersten Minute.

Gesprochen wurde nur am ersten und dann wieder am letzten Tag. 30 Leute waren in unserer Gruppe. Die Atmosphäre? Beeindruckend. Eine buddhistische Nonne mit kahlgeschorenem Topf mit lila Tüchern unterwies uns in einem Spiegelsaal, einem alten Ballsaal mit zwei bis drei Meter hohen Buddha-Statuen. In Notfällen sollten wir Briefe schreiben, oder eben doch bei ihr anklopfen.

 

Auch nicht in die Augen schauen

Wie es man sich zehn Tage im Schweigekloster vorstellen muss? Man schweigt und guckt sich nicht mal gegenseitig in die Augen. Man kommuniziert gar nicht. Es gab vegetarisches Essen: Müsli, Obst, Käse, Brot zum Frühstück. Mittags und abends hat eine Köchin warm gekocht.

Für mich war es so gar kein Problem, zehn Tage lang zu schweigen. Ebenso tabu waren übrigens außer dem Handy auch Bücher – mit einer Ausnahme: die Bücher im Kloster über Buddhismus und Mediation. Ich habe dann lieber selbst begonnen zu schreiben, in ein Notizbuch – und das zu vielen Dingen, die mich so umtrieben wie eine Erkenntnisliste.

 

Kollmans Notizen im Kloster (Foto: D.Kollmann)

 

Schweigend neue Freunde gewinnen

Übrigens kann man sogar im Schweigekloster neue Freunde gewinnen. Am ersten und am letzten Tag kam ich ins Gespräch mit einem Mann und einer Frau. Uns drei verband die ganze Zeit über eine gemeinsame Vorliebe. Wir waren die einzigen, die anders als alle anderen frühstückten: Draußen in der Sonne. Erst am Ende erfuhr ich, wer die zwei waren: Eine Berliner Psychotherapeutin und ein holländischer Techno-DJ, wir drei haben uns auch schon in Berlin wieder getroffen.

 

Doch der Reihe nach und zurück zu einem Erleben: Die ersten Tage waren befremdlich – und entspannend. Zeitweise war ich übermannt von der Müdigkeit und dem nicht aufhörendem Lärm in meinem Kopf. Meine Gedanken wollten einfach nicht verschwinden. Es war laut, sehr laut.

 

Äußere Ruhe führt zu innerer Ruhe

Ab dem dritten Tag wurde es ruhiger und die Gedanken um meine Firma und die Welt da draußen wurden leiser. Ich fühlte mich immer besser. Irgendwie leichter. Ich kam endlich zum Durchatmen und drang langsam wieder zu mir durch. Neben dem Meditieren und Spazieren in der Natur gab es viel Zeit. Zeit zum Nachdenken. Was mache ich da eigentlich jeden Tag, dass mein Akku dauerhaft nur im Stromsparmodus, aber nie voll aufgeladen läuft?

Nach fünf Tagen lernte ich für mich, dass die äußere Ruhe zu einer inneren Ruhe führt. Ich erkannte, dass ich meine innere Ruhe im Alltäglichen verloren hatte. Dass ich sie aber brauche, um zu fokussieren und zu priorisieren. Um auch mal Nein zu sagen, wenn das Fass wieder droht überzulaufen, oder wenn mal nicht kann, weil ich Zeit für mich brauche.

 

Zurück in die Wirklichkeit, ausgeglichen wie lange nicht

Nach zehn Tagen in der Stille bin ich ruhig und fühle mich ausgeglichen – ich würde sogar sagen, ich war innerlich so glücklich und zufrieden, wie schon lange nicht mehr. Ich denke klarer, bin fokussierter und bin zufrieden. Nach der Zeit im Schweigekloster habe ich eine, fast vergessene Lebensqualität zurückgewonnen und mein Leben hat eine neue Tiefe erreicht. Das bedeutet aber auch, dass ich etwas verändern muss. Dieser Zustand wird nicht von Dauer sein, wenn ich einfach weitermache wie vorher. Als Sportler weiß ich, dass Kontinuität und Routine zum Erfolg beziehungsweise zur Aufrechterhaltung meines Wohlbefinden führen – daher habe ich mir meinen persönlichen Maßnahmenkatalog notiert:

 

Daniel Kollmann (Foto: Vivelia)

 

Meine Top-Seven-Maßnahmen

1) Meditiere zweimal am Tag 30 Minuten. Tägliche Routine zur Entspannung und Schärfung des Geistes. Morgens und abends.

2) Stopp das Multitasking. Push-Benachrichtigungen aus- beziehungsweise nur ab und zu einschalten. WhatsApp nur für Freunde und Familie – Mails, Slack & Co. für die Firma

3) Reduziere die Erreichbarkeit – Mach Feierabend
Keine beruflichen Telefonate oder Business-Dinner nach Feierabend an drei Abenden in der Woche.

4) Keine E-Mails vor zwölf Uhr
Zeit für Strategie, Planung und Update-Meetings. Hol dir den benötigten Input: Wer macht was? Wer braucht wo Unterstützung? Wie laufen die einzelnen Projekte und zahlen diese auf das eigentliche Ziel ein?

5) Priorisierung & To Do-Liste
Priorisiere am Abend die wichtigsten To Do´s des nächsten Tages und blocke dir die Zeiten für die Bearbeitung im Kalender. Frage dich vor jeder möglichen Verschiebung, ob diese auf deine gemachte Priorisierung und dein Ziel einzahlt.

6) Zeit fürs eigene Team
Ohne mein Team bin ich nichts. Ich nehme mir mehr Zeit für kurze, auch informelle, Mitarbeitergespräche.

7) Reflektion
Begib dich in die Satellitenposition und spreche mit Außenstehenden. Nimm dir regelmäßig Zeit zum Reflektieren. Verfolge ich meine Top-7? Passen sie noch? Wo habe ich Ausnahmen gemacht und Warum?

 

 

Zurück in der Company

In der ersten Woche zurück in der Firma und geht es mir ausgezeichnet. Meinem Team auch. Entgegen meiner Angst, ich könnte fehlen, verlief alles reibungslos. Nicht nur ich habe von der Auszeit profitiert, sondern auch das Team. In meiner Abwesenheit wurden Entscheidungen gemeinsam getroffen und Aufgaben noch besser priorisiert.

Hinter vorgehaltener Hand höre ich, ich hätte schon viel früher gehen sollen. Stimmt vermutlich – Ich habe wieder gelernt, dass ich nicht Teil jeder Entscheidung sein muss, wenn mein Team den Weg kennt. Um dies zu erreichen, ist es wichtig, dass ich den Weg ebne und mir regelmäßig Zeit für die unternehmerischen und strategischen Themen nehme. Ich halte mich an die Top Seven und jetzt Zeit dafür. Meine Tage fühlen sich länger und intensiver an. Ich hetze weniger hinterher und schaffe doch mehr.

 

Die Top Four für die Kollegen

Sowohl meine persönlichen Top Seven als auch unsere neue Fokus-Arbeitszeit von zehn bis zwölf Uhr, sowie die täglichen Meditations- und Achtsamkeits-Runden im Team haben zu Veränderungen im Unternehmen geführt:

 

Fokussiertes Arbeiten – führt zu einer stark erhöhten Produktivität. In weniger Arbeitszeit wird mehr erreicht.

Geringeres Stressempfinden  – dank klarer Priorisierungen und Beschränkung auf konkrete Aufgaben.

Steigerung der allgemeinen Zufriedenheit – da Erfolgserlebnisse schneller erzielt werden. Dadurch steigen der generelle Antrieb und die intrinsische Motivation. Die Mitarbeiterzufriedenheit wird bei uns im Team monatlich erfasst.

Lerneffekt und Verinnerlichung – Eigene Erfahrungswerte können Kunden viel leichter näher gebracht werden.

 

 

Blogger-Relevanz-Index 2018

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