Fragebogen „Nahaufnahme“ mit PSD-Banken-Chef Jurgeit, dem sein Melitta-Porzellanfilter lieb und teuer ist

Den Fragebogen „Nahaufnahme“ beantwortet Dieter Jurgeit, Vorstandsvorsitzender der PSD Banken.

 

 

 

Erklären Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen tut.

Unser Verband der PSD Banken vertritt die Interessen der Mitgliedsbanken zum Beispiel gegenüber dem BVR (Bundesverband der Deutschen Volksbanken Raiffeisenbanken), der Politik und der Bankenaufsicht. Als strategischer Berater realisiert der Verband mit den Vorständen seiner Mitgliedsbanken Digitalisierungs- und strategische Projekte.

 

Womit beginnt Ihr Arbeitstag?

Mit dem täglichen Lauftraining in den Bonner Rheinauen. Dabei kann ich gedanklich den Tag gut strukturieren und große Themen durchdenken. Danach gibt´s Müsli und frisches Obst zum Frühstück, lese Dienstliches und bei der Nachrichtenagentur Reuters die Nachrichten.

 

Wie würden Sie sich selbst als Chef beschreiben?

Ich bin ein Freund der alten Management-Schule von der Uni St.Gallen, wo ich studiert habe: Meine Ideen formuliere ich klar und die Ziele drücke ich in Bildern aus. Damit meine Begeisterung auf meine Führungskräfte überspringt. Ein Beispiel: Ich habe das Thema neue Agilität spürbar und erlebbar gemacht, indem ich bei einem Führungskräfte-Workshops eine Trainingseinheit mit einem Box-Europameister angesetzt habe.

 

… und was würden Ihre Mitarbeiter darauf antworten?

Dass sie in keinem Job früher so intensiv gefordert wurden. Aber auch: Dass ich jederzeit für Ihre Themen ein offenes Ohr habe und sie sehr viel mitgestalten können.
Ich gebe bei wichtigen strategischen Projekten nur die Leitplanken vor. Die Teams haben dann – mit viel Kompetenz und ausreichend Budget – große Entscheidungs- und Gestaltungsmöglichkeiten.

 

Tee oder Kaffee?

Selbst gebrühter Filterkaffee mit meinem Melitta-Porzellanfilter. Ein Schuss Milch dazu, fertig. Klingt für junge Menschen mit ihrem Soja Latte vielleicht ein bisschen nach Kaffee wie zu Omas Zeiten, aber mir schmeckt ein einfacher Kaffee am besten.

 

Ihr Spitzname ist…?

Meine Klassenkameraden nannten mich den „kleinen Netzer“. Ich hatte die gleiche Frisur und die gleiche Schuhgröße wie er und wollte die Eckbälle immer so in den Strafraum bringen wie Netzer. Er war – neben dem Mittelfeldgenie Wolfgang Overath – einer meiner Fußballidole der frühen 70er-Jahre.

 

Verraten Sie eine Marotte.

Mein Stolz auf die goldene Schallplatte von AC/DC. Die hängt gerahmt in meinem Büro und niemand außer mir darf sie entstauben. Ich liebe gute handgemachte Hard-Rock-Musik sehr. Noch heute gehe ich zu Konzerten von Bands wie Guns n‘ Roses oder Ozzy Osbourne.

 

 

Was bringt Sie in Harnisch?

Es bringt mich auf die Palme, wenn jemand unzuverlässig ist. Und wenn jemand zu spät kommt, könnte ich aus der Haut fahren. Ich empfinde das als eine unglaubliche Geringschätzung demjenigen gegenüber, der warten muss.

 

…und was bringt andere an Ihnen in Harnisch?

Mein langer Atem, an der Lösung von Problemen so lange dran zu bleiben, bis ein optimaler Weg gefunden wurde. Das ist für einige sehr anstrengend.

 

Was möchten Sie gerne mal machen, wenn Sie in Rente sind?

Ich möchte den Pilotenschein machen und dann einen Hubschrauber fliegen. Seit meinem ersten Helikopterflug, bei dem der Pilot – wie im Kinofilm „Das fliegende Auge“ – versuchte, einen Looping zu fliegen, bin ich von diesem Fliegen begeistert. Man sollte dafür einen sehr gesunden Kreislauf haben, Nebenwirkungen sind nicht ausgeschlossen.

 

Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?

Zuverlässigkeit und Standhaftigkeit. In schwierigen Situationen für eine Position einzutreten, imponiert mir sehr. Wie es zum Beispiel die 68er-Generation oder die Friedensbewegung getan haben. Der Einsatz für mehr Demokratie und die Bereitschaft, sich für die eigenen Ideale einzusetzen, ist für eine politische Gesellschaft unabdingbar. Das kommt mir in unserer heutigen Gesellschaft zu kurz, sie ist zu sehr vom Kommerz getrieben.

 

Auf welche drei Dinge könnten Sie niemals verzichten?

Erstens: Ich liebe Fußball so sehr, dass ich mir nicht vorstellen kann, irgendwann nicht mehr aktiv selbst zu spielen. Ich durfte sehr lange zusammen mit den Ex-Profis des FC St. Pauli trainieren. Das war großartig. Das ist etwas, was ich an Hamburg sehr vermisse, den Kick am Donnerstag mit den Ex-Profis.

 

(Foto: Privat)

 

Zweitens: Lange Waldspaziergänge mit meiner Ehefrau und unserem Hund. Ohne geht es nicht. Dabei kann ich meine Akkus wieder auffüllen.

Drittens: Ganz wichtig: Motorrad fahren. Ich bin seit meinem 15. Lebensjahr zweirädrig motorisiert unterwegs. Mit 18 Jahren fuhr ich meine erste 900-er Kawasaki – Z1. Dieses Gefühl von unendlicher Freiheit lässt einen nicht mehr los.

 

Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten – welcher wäre das?

Es war immer mein Kindheitstraum, Profi-Fußballer zu werden und würde gerne mal ein Champions-League-Endspiel vor 80.000 Zuschauern spielen: Ob es der Job von Cristiano Ronaldo oder Manuel Neuer ist, wäre mir vollkommen egal. Einfach raus, die Atmosphäre aufsaugen und das Finale spielen. Ich glaube, das wäre der Adrenalin-Kick des Lebens. Und sicher etwas, von dem ich noch meinen Urenkeln erzählen würde.

 

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