Wenn der verlassene Arbeitgeber die Karriere der Ex-Managerin beschädigt – um selbst eine bessere Figur zu machen

Die Karriere ist ein Investment, vergleicht Headhunterin Sabine Hansen. Die Ausbildung war womöglich sehr teuer, jahrelang muss die Karriere hart erarbeitet werden – und man muss meistens auf vieles verzichten, um weit zu kommen. Viel Vergnügen, Freizeit, Privatleben mit der Family und den Freunden, statt dessen Arbeiten open end und viele Dienstreisen. Womöglich Pendeln über Jahre und getrennt leben müssen von der Familie. Dafür gibt es – so ist der Deal – gut Geld, Reputation, vielleicht auch spannendere Aufgaben und ganz zu schweigen von der Macht, so Hansen.

Sabine Hansen (Foto: C.Tödtmann)

 

Und schwupps, kann die Karriere in einer Sackgasse enden

So eine Karriere will deshalb auch gut beschützt sein: Wer den falschen Karriereschritt tut und sich versehentlich ins Aus oder in eine Sackgasse manövriert, erleidet einen handfesten Schaden. Quasi wie bei Monopoly: Gehen sie ins Gefängnis – so das Spiel -,  gehen Sie nicht über Los und ziehen Sie keine 4000 Euro ein. So kann es gehen, wenn man in eine Firma wechselt, die einem als Manager falsche Versprechungen gemacht hat. Das kommt häufiger vor, und wem´s passiert, der redet nicht unbedingt drüber, sondern versucht unauffällig und schnell zu korrigieren. „Ach, war´s doch nicht so doll bei der neuen Firma?“ kommen dann die leicht spöttischen Fragen.

 

Die Sorge um den Aktienkurs veranlasst zu Intrigen

Eine andere Karrierebeschädigung kann einem heute blühen, wenn die Ex-Company um ihren Aktienkurs fürchtet. Beispielsweise. So liefs im Fall einer Top-Managerin im  Fashion-Business. Die Frau, ein Finanzvorstand, wollte vorzeitig aus seinem Vertrag, um zu einem anderen Unternehmen zu wechseln. Sie glaubte nicht an die Neuausrichtung, die der CEO ausrief, und wollte lieber rechtzeitig von Bord gehen.

Doch was passierte? Der CEO heckte zusammen mit dem Private-Equity eine Intrige aus. Damit die Anteilseigner nicht aufgeschreckt würden, wenn ausgerechnet der Finanzvorstand von Bord geht, aus freien Stücken. Ein fatales Signal für die Märkte.

Der CEO selbst griff zum Hörer und steckte einem Wirtschaftsjournalisten dieses Märchen: Die Finanzvorständin habe er kurzfristig gefeuert, sie habe keine Erfahrung gehabt im Umgang mit Private-Equity-Unternehmen als Anteilseigner und eine schlechte Performance habe sie obendrein abgeliefert. Man glaubte dem Top-Manager, die Meldung ging schwuppdiwupp online. In wenigen Stunden übernahmen mehrere andere Medien die Ente vom Rauswurf der CFO. Der Ruf als Loserin war in die Welt gesetzt.

 

Ein uralter Trick

Sie denken, so etwas gibt´s gar nicht? Weit gefehlt, der Trick mit der gezielten Fehlinformation ist uralt. Diesen Kratzer bekommt die Finanzvorständin auch nicht mehr dadurch weg, dass der Aufsichtsrat ihrer neuen Firma nur eine Woche ihre Inthronisierung vermeldete.
Dass solch ein Wechsel nicht in wenigen Tagen über die Bühne geht, sondern schon monatelang vorbereitet worden und durchaus kein Rauswurf ist, war nur erfahrenen Lesern sofort klar.

Was die CFO hätte tun können? Vermutlich nur dem Ex-Unternehmen mit einem Anwalt auf den Pelz rücken, der ganz enge Fristen für die offizielle Rücknahme der Lügen setzt – und hohe Schadenersatzanforderungen und persönliche Strafanzeigen wegen Verleumdung undsoweiter androht. Wie gesagt, die Karriere ist ein Investment und die Reputation kann auch vorsätzlich beschädigt werden. Stillhalten ist dann die falsche Devise, so Personalberaterin Sabine Hansen.

 

 

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