#metoo: Sie sind Chef? Wussten sie dass Sie deshalb Fürsorgepflichten haben?

Der DFK Verband für Fach- und Führungskräfte hat zu Karneval einen „Karnevalsknigge für die Führungskräfte 2019“ mit einem Fünf-Punkte-Plan veröffentlicht:  https://www.lifepr.de/inaktiv/die-fuehrungskraefte-ev-dfk/Karnevalsknigge-fuer-Fuehrungskraefte-2019/boxid/741535
Interessant – und sicher überraschend für die allermeisten Führungskräfte und Manger dürfte besonders dieser Punkt sein:
„Vielen Arbeitgebern und Führungskräften ist nicht bewusst, dass sie bezüglich der Vermeidung von sexuellen Belästigungen nach gesetzlich verpflichtet sind, solche Verhaltensweisen von Beschäftigten zu unterbinden und zu sanktionieren (Abmahnung, Umsetzung, Versetzung, Kündigung). „Darauf“, so mahnt der Fachanwalt für Arbeitsrecht beim DFK, Oliver Flesch, „muss man als Chef/in achten. Das ist kein Kavaliersdelikt!“
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Und im Detail…. Bützje und anzügliche Witze“
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„In Karnevalshochburgen ist ein „Bützje“, ein Küsschen von Frauen auf die Wange von Männern. Als Mann sollte man ein solches Bützje und das diesjährige Karnevalsmotto von Düsseldorf („Gemeinsam Jeck!“) nicht fehlinterpretieren und sofort als Aufforderung zu „mehr“ sehen.

Die Betriebsfeier ist nicht geeignet, sich gehen zu lassen und sich haptische Eindrücke von Beobachtungen zu verschaffen. Gerade Führungskräfte sollten sich zurückhalten. Denn als sexuelle Belästigung sind nach § 3 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) zum Beispiel alle unerwünschten sexuellen Handlungen, zum Beispiel Begrabschen, Bemerkungen sexuellen Inhalts, anzügliche Witze, sexuell bestimmte körperliche Berührungen anzusehen.

So hat das Bundesarbeitsgericht entschieden, dass eine sexuelle Belästigung nach § 3 AGG eine Verletzung vertraglicher Pflichten darstellt und als wichtiger Grund für eine außerordentliche Kündigung geeignet sein kann (abhängig von Umfang und Intensität).

 

Im Klartext:

Erstens…

Mitarbeiter, die Kollegen sexuell belästigen, verletzen ihren Arbeitsvertrag und liefern ihrer Company einen Grund, sie fristlos zu feuern.

 

Und zweitens:

Umgekehrt sind die Vorgesetzten gesetzlich verpflichtet, solche Verhaltensweisen von Beschäftigten zu unterbinden und zu sanktionieren (Abmahnung, Umsetzung, Versetzung, Kündigung). „Darauf“, so mahnt der Fachanwalt für Arbeitsrecht beim DFK, Oliver Flesch, „muss man als Chef/in achten. Das ist kein Kavaliersdelikt!“

 

Chefs mit Schutzpflichten

Im Ergebnis bedeutet das: Chefs können nicht nur unbeschwert mitfeiern oder sich von ihrer Truppe entfernen, sondern müssen die Stellung halten und ihre nachgeordneten Mitarbeiter höchstpersönlich schützen, notfalls: Vor Tätlichkeiten und Zudringlichkeiten von Kollegen.

 

Ein Fremdwort für Vorgesetzte: Fürsorgepflichten

Diese Gedanken sind Abteilungs- und Projektleitern, Führungskräften und Managern ziemlich neu. Dass sie nicht nur qua Beförderung Arbeit abfordern dürfen, sondern – als Kehrseite der Medaille – auch Fürsorgepflichten gegenüber den Mitarbeitern haben.

Lange Jahre waren diese Pflichten von Vorgesetzten über all die Change-Projekte und Kündigungswellen irgendwie in Vergessenheit geraten. Zu gut die Konjunktur, zu erfreulich die individuellen Boni.

 

Bitte bewerben Sie sich hier nicht wieder

Kalt  erwischen kann es Übergriffige jedoch heute aus einer völlig anderen Stoßrichtung. Aus dem Recruiting. So erzählt kürzlich ein Top-Jurist aus einer Großkanzlei von einem Referendar, der in seiner Law Firm gearbeitet hatte. Der junge Mann war bei einer Kanzleifestivität auf der Tanzfläche gleich mehreren Frauen zu nahe getreten. Nicht wirklich schlimm, strafrechtliche Grenzen waren nicht überschritten, aber moralische. Immerhin. Die Quittung bekam der Mann dann später zusammen mit seinem Zeugnis: Er möge doch von einer weiteren Bewerbung in diesem Hause absehen. Das war´s dann.

 

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