Exklusiv aus Davos 2019 (5) WEF: CNN-Anchorwoman Becky Anderson über den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Ernährungssicherheit (Gastkommentar)

Exklusiv aus Davos 2019 (5) vom WEF – Gastkommentar von Von CNN-Anchorwoman und Redaktionsleiterin Becky Anderson von CNN International in Abu Dhabi: „Den Garten Eden gibt es nicht mehr“ – Warum ein neuer Dialog über die größten Probleme der Welt notwendig ist.

 

Becky Anderson (l.) und Mariam Al Mehairi (r.), Staatsministerin für Lebensmittelsicherheit der Vereinten Arabischen Emiraten (Foto: CNN International)

 

Wiederkehrende WEF-Themen: Umwelt und Ernährungssicherheit

Die meisten Gespräche beim diesjährigen Weltwirtschaftsforums befassten sich mit Handelsabkommen – insbesondere zwischen den Vereinigten Staaten und China. Auch der rekordbrechende Shutdown der US-Regierung und natürlich das ewige Rätsel um den Brexit standen im Mittelpunkt. Aber inmitten des Händeringens und der Besorgnis darüber, wer in der Schweiz erschienen war und wer nicht, fielen mir zwei hartnäckige Themen auf: die Umwelt und die Ernährungssicherheit.

 

„Den Garten Eden gibt es nicht mehr“

Am ersten WEF-Tag führten Prinz William und Sir David Attenborough eine der am bestbesuchtesten und denkwürdigsten Diskussionen der Woche, die sich mit der Notlage der natürlichen Welt beschäftigte. „Den Garten Eden gibt es nicht mehr“, erklärte der weltweit geschätzte Naturforscher den Delegierten. Extreme Wetterereignisse, steigende Meeresspiegel, Dürren, Waldbrände und andere Naturkatastrophen standen in den vergangenen Jahren ganz oben auf der Nachrichtenagenda, während sich Politiker darüber streiten, was sie dagegen tun sollen.

 

Die fehlende Erkenntnis über den Klimawandel

Dahinter verbirgt sich auch eine gewisse Ironie: Der biblische Garten Eden ging der Menschheit verloren, nachdem Eva von der verbotenen Frucht aus dem Baum der Erkenntnis gegessen hatte. Heute steht die Erkenntnis – oder besser gesagt, der Mangel an Erkenntnis beziehungsweise die Uneinigkeit über die Fakten – im Mittelpunkt des Klimawandelthemas. Wissenschaftler mögen sich zwar weitestgehend über die Rolle der Menschheit in Bezug auf den Klimawandel einig sein, in der Politik hingegen herrscht wenig Einheit.

Gleichzeitig stellt sich eine damit verbundene, grundlegende Frage: Wenn der Garten Eden langsam zerstört wird, was bleibt dann übrig, wovon die Menschen essen und trinken können?

 

Der Zusammenhang zwischen Klimawandel und Ernährungssicherheit

Viele – darunter auch das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WEP) – haben ausdrücklich auf den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Ernährungssicherheit hingewiesen. Jede zweite Notfallmaßnahme des WEP in den vergangenen zehn Jahren war auf klimabedingte Katastrophen zurückzuführen. Die Organisation schätzt, dass 23 Milliarden US-Dollar für klimabedingte Lebensmittelkrisen ausgegeben wurden.

In der vergangenen Woche haben wir auch von der Notlage derjenigen erfahren, die im Jemen unter Hunger leiden und deren Zugang zu Nahrungsmittelhilfe laut dem WEP von den Houthis im Konflikt als Druckmittel benutzt wird. Etwa 18 Millionen Jemeniten – rund 60 Prozent der Bevölkerung des Landes – seien von der Ernährungsunsicherheit betroffen. Es ist eine verzweifelte Situation.

 

Auch wohlhabendere Länder betroffen

Im Rahmen meiner Sendung auf CNN habe ich darüber diskutiert, dass ein erschwerter Zugang zu sicheren, nahrhaften und erschwinglichen Lebensmitteln nicht nur ärmere Länder betrifft. Im Gespräch mit Mariam Al Mehairi, der Staatsministerin für Lebensmittelsicherheit der Vereinten Arabischen Emiraten (VAE), öffnete mir insbesondere eine Statistik die Augen: Die Vereinigten Arabischen Emirate importieren 90 Prozent ihrer Lebensmittel. Es mag zwar auf den ersten Blick überraschend klingen, dass das Land einen Minister für Ernährungssicherheit eingestellt hat, aber die Zahl verdeutlicht die Notwendigkeit.

 

Neue Technologien und traditionelle Nutzpflanzen als Lösung

Mit Blick auf die Ernährungssicherheit treiben laut Al Mehairi die Vereinigten Arabischen Emirate die Einführung von Technologien und die Weiterentwicklung der Forschung und Entwicklung stetig voran. So stehen die Agrartechnologie und die mögliche Wiedereinführung traditioneller Nutzpflanzen im Mittelpunkt der Strategie des Landes. Es geht darum, die eigenen Ressourcen und den Zugang zu Nahrungsmitteln zu stärken.

 

Große Herausforderungen erfordern Zusammenhalt

Natürlich verfügt ein wohlhabendes, politisch stabiles und relativ agiles Land wie die VAE über die notwendigen Mittel, um einen solchen Ansatz zu verfolgen. Für andere erweist sich die Situation als deutlich schwieriger. Sie sind oftmals abhängig von zu vielen Faktoren, die sie einfach nicht kontrollieren können.
Was mich am meisten getroffen hat, ist die Erkenntnis, dass die Welt vor großen Herausforderungen steht, die sie nur gemeinsam bewältigen kann. Es ist zwar interessant zu beobachten, dass ein Land wie die VAE bei der Ernährungssicherheit und dem Klimawandel die Führung übernimmt, aber es wird weltweit koordinierte Anstrengungen erfordern, um das umfassendere Problem zu lösen.

 

Umsetzbare Pläne benötigt

In einer zunehmend fragmentierten Welt erscheint es wichtiger denn je, dass Veranstaltungen wie das WEF in der Lage sind, klare und umsetzbare Pläne zu erarbeiten. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das diesmal der Fall war. Vielleicht kann der bevorstehende Weltregierungsgipfel in Dubai konkretere Ergebnisse liefern.

TV-Tipp: „Connect the World“ mit Becky Anderson läuft werktags um 16:00 Uhr auf CNN International.

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