Exklusiv aus Davos (4) – Gastkommentar von CNN-Moderator Richard Quest : Keine Eishockeymannschaft würde so aufs Eis treten wie die Delegierten des WEF

 

Exklusiv aus  Davos 2019 vom WEF (4): CNN-Richard Quest über Eishockey in Davos – Die Kämpfe auf dem Eis als Metapher für die Weltwirtschaft

 

CNN-Kultmoderator Richard Quest (Foto: CNN International)

 

Direkt neben dem Kongresszentrum in Davos liegt das wahre Herz dieser Schweizer Bergstadt. Es ist bei weitem nicht so edel wie das WEF – man findet hier nicht viele Louboutin-Schuhe oder Hermès-Schals – aber es gibt doch Parallelen. Im Inneren werden auch hier Strategien ausgearbeitet und umgesetzt, Ziele erreicht, Chancen verpasst. Es gibt Dramatik und einen harten Wettbewerb, Positionen werden energisch verteidigt und Schwächen rücksichtslos ausgenutzt. Man findet hier Hoffnung, Enttäuschung, Genugtuung, und vielleicht sogar ein paar aufbrausende Temperamente.

 

Führungskräfte in Davos: Tricks vom Nachbarn abschauen

Die Vaillant Arena ist die Heimstätte des Davoser Eishockey Clubs, und die Kämpfe hier auf dem Eis könnten als Metapher für die Weltwirtschaft dienen. In der Tat könnten politische und wirtschaftliche Führungskräfte hier in Davos ein paar Tricks vom WEF-Nachbarn nebenan lernen.

 

Eishockey ist für viele hier in Davos eine Leidenschaft – die Vaillant Arena verfügt über 6.000 Sitzplätze – doppelt so viele Besucher wie das WEF. Das Niveau ist hoch: der Torhüter von HC Davos, Anders Lindbäck, spielte in der NHL, und der Verein baut eine talentierte junge Mannschaft um ihn herum auf.

 

Man würde sich nicht mal im Traum mit diesen Typen aufs Eis wagen, ohne gut trainiert und vorbereitet zu sein. Doch drüben im WEF-Kongresszentrum ringen die Delegierten mit Problemen, die sie allein nicht lösen können. Wichtige Teammitglieder sind nicht anwesend. Brexit ist ein verwirrendes Rätsel, das nur die Briten selbst lösen können, und die wichtigsten Entscheidungsträger sind nicht vor Ort.

 

Davoser Eishockeey Club in der Vaillant Arena (Foto CNN International)

 

Die Wirtschaft steckt in der Klemme, doch versucht, auf den Beinen zu bleiben

Wie die Spieler auf dem Eis liefern sich Amerika und China Schläge und konfrontieren sich gegenseitig auf direkte, kompromisslose Weise. Aber hier in Davos sind weder Donald Trump noch Xi Jinping erschienen, um die Dinge voranzutreiben – die Weltwirtschaft steckt in der Klemme und versucht, auf den Beinen zu bleiben.

 

Wie auf dem Eis ist auch hier die Geschwindigkeit wichtig: China, das seit vielen Jahren das schnellste Wirtschaftswachstum verzeichnet, kämpft darum, sein Tempo beizubehalten. Wenn China und andere Wachstumsregionen zum Stillstand kommen, könnten die Folgen für den Welthandel verheerend sein.

 

Teamgeist ist entscheidend – doch wenn Schlüsselpersonen fehlen…

Davos ist dann am besten, wenn es seine verschiedenen Delegiertengruppen zusammenbringt und versucht, die Verständigung zu fördern. Wie bei vielen Problemen liegt der Schlüssel zur Lösung der drängenden Probleme der Welt darin, dass alle in die gleiche Richtung drängen, anstatt versuchen, die Dinge auseinander zu reißen. Teamgeist ist entscheidend – zu wissen, was die Teamkollegen machen und seinen Teil zum Plan beizutragen, ist der Weg zu gewünschten Ergebnissen. Da die Schlüsselpersonen jedoch nicht vor Ort sind, erweist sich die Erreichung einer solchen Verständigung hier in Davos leider als äußerst schwierig.

 

 

 

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