Exklusiv Davos 2019 (1): CNN-Kultmoderator Richard Quest über das WEF ohne Rockstars auf dem Programm

Im Management-Blog berichtet exklusiv Richard Quest, Wirtschaftsmoderator bei CNN, vom Weltwirtschaftsgipfel (WEF) in Davos 2019: Dieses mal ohne Rockstars – aber dennoch mit Schwergewichten. 

 

Richard Quest von CNN (Foto: CNN International)

 

Das WEF früher ein Spektakel mit Stars wie Charlize Theron, heute ohne US-Präsident und britische Premierministerin

In einer unschuldigeren Zeit war Davos ein edelgesinntes Treffen für Intellektuelle, die versuchten, die Probleme der Welt zu lösen. Doch das Weltwirtschaftsforum wurde nach und nach zu einem Zirkus aus Rockstars, Hollywood-Größen, hochrangigen Staatsoberhäuptern und ihrem Gefolge. Die wichtigen Themen werden zwar noch diskutiert – doch es kann sich durchaus so anfühlen, als seien sie dem Spektakel untergeordnet. Man kann schon mal den Zustand der Welt vergessen, wenn man gerade Charlize Theron gesichtet hat.

Der große Rockstar des letzten Treffens war natürlich Donald Trump. Der US-Präsident weiß sehr wohl, wie man einen Auftritt inszeniert. Seine Ankunft in Davos im vergangenen Jahr – inmitten der erschütterten, glotzenden, und Selfies schnappenden Elite-Delegierten – war eine der unvergesslichsten seiner politischen Karriere.

 

WEF 2019 ohne Rockstars

Er weiß aber auch, wie man einen Abgang macht, manchmal noch bevor er überhaupt richtig angekommen ist. Im Gegensatz zu seiner „Tut er es, tut er es nicht”- Routine vor dem Singapur-Gipfel mit Kim Jong Un blieb er nicht nur bei seiner Entscheidung, sich aus Davos zurückzuziehen. Er ging einen Schritt weiter und zog seine gesamte Delegation ab. Nach einer qualvollen Woche im Parlament schloss sich Theresa May ihm diese Woche an. Der arme alte WEF-Gründer Klaus Schwab ist vielleicht der Einzige, der eine noch schlechtere Woche hatte als die britische Premierministerin. Plötzlich stehen die Rockstars nicht mehr auf seinem Programm.

Das WEF 2018 war eine Veranstaltung, die nach einem schwach besuchten und schlagzeilenarmen Davos-Forum 2017 förmlich nach Aufmerksamkeit schrie. Die lieferte Trump, und zwar nicht zu knapp. Das WEF fühlte sich wieder frisch und relevant an.

Verpasste Chance für Trump?

Dieses Jahr ist es zwar vielleicht nicht genau umgekehrt, aber das WEF hätte der Ort sein können, um die Präsidentschaft von Trump wiederzubeleben. Während seiner gesamten Amtszeit konnte Trump eine US-Wirtschaft vorzeigen, die nach wie vor ein weltweit unübertroffenes Kraftpaket ist. Von einer beflügelten Börse bis hin zu robustem Arbeitsplatzzuwachs hat er, manchmal zu Recht, die Lorbeeren beansprucht für jenen wirtschaftlichen Erfolg, den er den Wählern versprochen hatte.

 

WEF in Davos (Foto: CNN International)

Angespannte Situation in den USA

Im Moment sieht das Kraftpaket jedoch so aus, als ob es tatsächlich in Flammen stehen könnte. Mit einem Haushaltsdefizit, das bald die Ein-Billionen-Dollar-Marke zu überschreiten droht, und einer Börse, die in den letzten Wochen rekordverdächtige Volatilität gezeigt hat, war ein Shutdown der Regierung das Letzte, was die Vereinigten Staaten brauchten. Aber genau das führt jetzt zu mehr Unsicherheit und vertieft die ohnehin schon gewaltige politische Kluft zwischen den einzelnen Zweigen der Regierung.

USA: Schwache Aussichten trotz starker Wirtschaft

Der US-Kongress wird nun von den Demokraten kontrolliert, so dass Trump in seiner Heimat im Vergleich zum Vorjahr deutlich schwächer unterwegs ist. Wenn auch die Fundamentaldaten der US-Wirtschaft weiterhin stark sind: Der Ausblick ist eher trüb. So hat die Ratingagentur Fitch kürzlich vor einer Herabstufung des AAA-Status der Vereinigten Staaten gewarnt und die Veräußerungen von US-Schulden durch den Hauptabnehmer China dauern weiterhin an.

Im vergangenen Jahr fragten sich viele, ob Trump nach Davos marschieren und eine metaphorische Handgranate in das Geschehen werfen würde. Aber anstatt den Globalisten seine „America First”-Agenda unter die Nasen zu reiben, fühlte sich sein Auftritt eher wie eine Charme-Offensive an – zwar mit wenig Substanz, aber dafür zumindest leicht beruhigend. Jetzt haben sich die Dinge geändert. Ein geringerer Einfluss im eigenen Land, ein schwankender Aktienmarkt und Unruhen in Teilen der für Trump wichtigen Arbeiterklassen – ganz zu schweigen die verblüffenden Enthüllungen von Michael Cohen – könnten den US-Präsidenten dazu bringen, sich wieder auf alte Allianzen und sichere Häfen zu konzentrieren.

 

Auch ohne Trump genügend Schwergewichte

Mit seiner einzigartigen Kombination aus politischen, wirtschaftlichen und intellektuellen Schwergewichten und Schlagkraft hätte Davos die ideale Gelegenheit für Trump bieten können, die Initiative zurückzugewinnen, die im beschränkten Fokus seiner Regierung verloren gegangen ist. Wenn das WEF am Dienstag in Gang kommt, wünscht er sich womöglich, er wäre dabei. Und offen gesagt wird sich Theresa May wahrscheinlich wünschen, sie wäre überall nur nicht in Westminster.

All das hat jedoch auch eine positive Seite. Ihre Namen sind vielleicht nicht so bekannt, aber es gibt immer noch jede Menge Schwergewichte, die am diesjährigen Forum teilnehmen. Sie sind ernstzunehmende Persönlichkeiten, die sich auf das Wesentliche der Debatte und auf Lösungen konzentrieren, anstatt auf politische Foto-Gelegenheiten oder großspurige Reden zu setzen. Also entspann‘ Dich, Klaus: Vielleicht ist die Abwesenheit des Zirkus ein Gewinn für Davos.

Die gesamte CNN-Berichterstattung aus Davos kann auf CNN International oder auf www.cnn.com/davos verfolgt werden.

 

 

 

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