Mit einem Young Global Leader in Davos: Insa Klasing berichtet vom WEF

Suppenküche in Davos

Insa Klasing ist Mitgründerin und CEO des Digital-Coaching-Unternehmens TheNextWe. Zuvor war sie erfolgreiche Deutschland-Chefin von KFC und wurde 2017 als eine von zwei Deutschen vom World Economic Forum in Davos als Young Global Leader ausgezeichnet. Dieses Jahr war sie zum ersten Mal beim WEF in Davos, für 24 Stunden. Für den Management-Blog hat sie ihre Eindrücke aufgeschrieben und auch gleich fotografiert. 

 

Insa Klasing

 

Bei schönstem Sonnenschein und tief verschneiter Bergkulisse erinnert die szenische Zugfahrt nach Davos eher an Anreise in den Skiurlaub als an Weltwirtschaftsgipfel. Aber das ändert sich schnell nach Ankunft: der Skiort ist nicht wiederzuerkennen. Die Pisten sind leer und die Läden und Restaurants entlang der Hauptstrasse verschwunden – an ihrer statt haben nun Salesforce, Google und Co ihre Lounges aufgebaut und es sich dabei nicht nehmen lassen, ganze Häuserfassaden in ihrem corporate design neu zu verkleiden.Da wo sonst die Pizzeria da Tonio ist, findet man derzeit das Crypto Currency Zentrum.

 

 

Und auch die Schweizer Armeefahrzeuge auf der Straße, die Helikopter in der Luft und die vielen Sicherheitsschecks machen schnell klar, dass es hier nicht um Wintersport geht. Nach der Registrierung stürzte ich mich direkt in mein erstes Davos-Abenteuer. Viel Zeit blieb nicht, genau genommen 24 Stunden: die Anreise hatte sich verzögert, da meine Unterkunft wegen heftigen Schneefalls und Lawinengefahr bis Mittwoch unzugänglich und Davos ansonsten restlos ausgebucht war. Dies ist der Weg zu meiner Unterkunft:

 

 

Mit drei Stunden Schlaf erlebte ich 21 Stunden Davos at it’s best: diese einmalige Zusammenkunft von Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft im Austausch über die dringendsten Fragen unserer Zeit.

Schnell wurde klar: so unterschiedlich diese drei Bereiche sind, die entscheidenden Themen sind für alle gleich und lassen sich nur gemeinsam lösen: Wie gewinnen wir das Vertrauen in die Politik zurück? Wie versöhnen wir eine fragmentierte Welt? Was machen wir mit Arbeitnehmern, die zukünftig nicht mehr gebraucht werden? Die Panel Diskussion darüber fand mit fünf Young Global Leaders statt – unter anderem Prinz Haakon von Norwegen

 

 

Egal ob Kofi Annan, Joe Kaeser, ein NGO-Leader aus Uganda oder Prinz Haakon von Norwegen zu Wort kamen, in einem waren sie sich einig: Nicht-handeln ist keine Option.

Das ist eines meiner Résumés. Und das ist auch der Spirit der Young Global Leader (YGL) Community, die mich herzlich aufnahm und weltweit in den unterschiedlichsten Themen so engagiert ist, dass ich inspiriert und mit einigen Ideen im Gepäck nach Deutschland zurückkehrte. Die besten Ideen entstanden übrigens an der Piano-Bar des Hotel Europa, wo Barry – der legendäre kanadische Piano Man – die sonst so ernsthaften Delegierten dazu brachte, lauthals mitzusingen.

 

 

Es ist bekannt wie exorbitante die Preise während des WEF in Davos sind. Das Sofa, was ich in einer Ferienwohnung gemietet hatte, gehört zu den teuersten Hotelbetten meines Lebens – und das mit eigenem Schlafsack. Dafür aber habe ich nicht einen einzigen Franken für Essen und Getränke ausgegeben – die vielen Corporate-Sponsoren verpflegen großzügig und es gibt sogar eine Suppenküche für Delegierte. Der Anblick der Damen mit Schneeketten an den Füßen und den High-Heels in der Handtasche war schon lustig.

 

 

Die Wahrnehmung des WEF ist auch in diesem Jahr kritisch. Der Vorwurf: Die Elite der Welt kommt ein paar Tage zusammen, um die Welt zu verbessern und danach passiert wieder nichts. Angesichts der Lage unserer Welt muss man sagen: Es geschieht zu wenig, zu langsam. Und doch passiert wegen des WEF mehr, als man von außen vermutet. Ohne den Global Compact würden Unternehmen heute nicht ganz selbstverständlich ihre Sozial- und Umwelt-Bilanz offenlegen und das aktuelle Thema Impact Investing – Investieren mit gutem Gewissen – nähme auch keine Fahrt auf.

Unter den YGLs kann von Tatenlosigkeit keine Rede sein, aber das geschieht abseits der Kameras und auch das ganze Jahr über. Die YGL-Community basiert auf der Bereitschaft zu Handeln, um die Welt zu verbessern. So wurde vor einigen Jahren beim WEF von YGLs die Initiative Global Dignity gegründet, die mittlerweile 1,5 Millionen Menschen erreicht hat. Ich habe in Davos zugesagt, diese Initiative mit unserer Digital-Coaching-Firma TheNextWe zu unterstützen. Denn Würde ist auch eine Frage des Mindsets. Das WEF 2018 endet heute, die Arbeit beginnt.

 

Wer Ins Klasing über das WEF auch im Radio hören mag:

http://www.thenextwe.com/

 

 

 

 

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