Personaler im Elfenbeinturm und die überfällige Erkenntnis, dass Menschen keine Maschinen sind

40 Prozent der Arbeitnehmer würden nicht mit Sack und Pack für einen Job umziehen, empört sich mal wieder eine Umfrage. Diesmal hat der Personaldienstleister ManpowerGroup Solution 1400 Leute gefragt – mit der eindeutigen Botschaft: Wer bleibt, statt auf Fingerschnipp springt ist unflexibel und damit bäh.

 

Treue zum Unternehmen – gern. Umgekehrt? Nö

Warum sollten sie auch, ist auf dieses Ergebnis richtige Frage. Nur weil sich Unternehmen wünschen, dass Menschen so einfach zu versetzen sind wie Maschinen – so sind sie trotzdem nicht, weil sie eben keine Maschinen sind. Es ist eher drollig, dass Personalabteilungen und Top-Manager immer noch diese Grundeinstellung haben nach all den vielen Entlassungsrunden der vergangenen 15 Jahre. Oder sind sie es, die im Elfenbeinturm sitzen?

Dass Top-Manager mit Millionengehältern für ihre Karriere einiges tun, auf ihre Familie verzichten und ihre Lebenszeit hergeben, geschenkt. Doch anders als die Arbeitnehmer erkennen sie offenbar immer noch nicht, was die Belegschaften verstanden und vor allem gelernt haben. Treue zum Unternehmen kann man haben, umgekehrt darf man aber nichts erwarten. Schon gar keine Dankbarkeit im Nachhinein. Im Zweifelsfall sind die Chefs längst andere und wissen nichts von den vollbrachten Leistungen einzelner.

 

Bleiben wollen, wo man ist, kann gute Gründe haben

Doch die vorgeworfene Immobilität ist nachvollziehbar: menschlich wie wirtschaftlich: Wer eine Wohnung mit älterem Mietvertrag in der einen Stadt hergibt, bekommt in einer anderen Stadt kaum mehr eine neue zu demselben Mietpreis und muss kräftig draufzahlen. Die Fixkosten steigen also meist kräftig.

Wer Ehepartner hat, geht ein doppeltes Risiko ein: zwei neue Jobs – wenn man überhaupt einen zweiten passenden Job findet. Und Ehepartner die angesichts des geänderten Scheidungsrechts nicht auf ein eigenes Einkommen Wert legen, müssen einen verdammt guten Ehevertrag haben – um sich das leisten zu können. Von Kindern, die sich beispielsweise mit schwäbischem Dialekt in Hamburg auf dem Pausenhof schwertun, mal ganz zu schweigen.

 

Zuerst muss gehen, wer am kürzesten da ist

Ist man erst mal in der neuen Company, ist man bei der ersten Restrukturierung auch als erster wieder draußen. Mancher passt auch einfach nicht in die neue Firma oder übersteht die Probezeit nicht. Und hat dann am vorherigen Wohnort alles aufgegeben.

 

Wer baut schon auf Sand, wenn er eine Familie unterhalten muss

Eins lässt sich ja heute sagen: Jobs sind nirgendwo sicher nach früheren Maßstäben. Firmen sind nicht nur dauernd mit Kostenrunden beschäftigt, werden sie übernommen, steht von jetzt auf gleich ebenso alles infrage. Jede Delle wird eins zu eins an die Belegschaft weitergereicht. Die langfristige Denke, dass bei Auftragsverlusten trotzdem die Mitarbeiter mehrere Jahre gehalten werden – der Zukunft zuliebe – sind perdu. Große Werbeagenturen erzählen auf ihren Pressekonferenz ganz selbstverständlich, wie viele Mitarbeiter sie gerade gefeuert haben, nachdem ein Werbekunde abhanden kam. Sprich: Das Unternehmerrisiko trägt wer? Der Arbeitnehmer.

 

Ganz abgesehen davon, dass es für Rheinländer nicht so einfach ist, sich auf der schwäbischen Alp ins soziale Leben einzufinden – und akzeptiert zu werden. Das kann schon ein Problem für Hamburger in Berlin werden, so dass die Frau mit Kindern notfalls alleine wieder zurückzieht. Abgesehen davon, dass es ja auch oft handfeste Vorteile hat wie kostenlose Kinderbetreung durch die Großeltern, wenn man  am Heimatort bleibt.

https://www.manpowergroup.de/neuigkeiten/studien-und-research/

 

 

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