Anwalt Thomas Klindt erfindet einen neuen Vorstandsposten: Data Asset Manager. Ein Gastbeitrag

 

 

Thomas Klindt, Industrie- und Technikanwalt bei Noerr und Professor an der Uni Bayreuth, verlässt die juristischen Gefilde und schlägt eine neue Vorstandsposition vor: Den Data Asset Manager, der – wie ein zweiter Vertriebsvorstand – dafür verantwortlich sein soll, dass die Daten, die das Unternehmen Tag für Tag generiert, zu Geld gemacht werden.

Klindt meint in seinem Gastbeitrag: Unternehmen verschenken jeden Tag bares Geld – und sich dessen nicht bewusst, weil sie den Datenschatz, auf dem sie sitzen, nicht heben.

 

 

Hauptamtlicher Datenkümmerer gesucht: Data Asset Manager

Auf den Datenservern und den Clouds der Unternehmen liegen in riesigen Mengen ganz alltägliche und banale Daten, die beim Geschäftsbetrieb oder der Produktion quasi nebenbei anfallen. Und für die sich bislang niemand verantwortlich fühlt, geschweige denn daraus neue Einnahmequellen generiert.

Schlimmer noch: Wenn sie ungenutzt bleiben oder sogar unentgeltlich weiter gegeben werden. Dafür brauchen Unternehmen in Zukunft einen hauptamtlichen Kümmerer, den Data Asset Manager. Zumal viele Daten nicht personenbezogen sind, der Datenschutz also kein Problem ist.

 

Sind Autodaten bald teurer als die Fahrzeuge selbst?

Unternehmen nutzen heute nur einen Teil ihres Datenschatzes, auch wenn Vernetzung und künstliche Intelligenz die Geschäftsmodelle von Unternehmen gerade rasant umkrempeln. Wer früher nur Autos baute, vermarktet jetzt auch Mobilitätskonzepte. Oder verkauft Daten, die beim Betrieb der Fahrzeuge anfallen und aus denen andere Unternehmen dann zum Beispiel Verkehrs-Apps basteln. Schon bald sind die Autodaten teurer als die Fahrzeuge selbst, orakeln Branchenkenner. Klingt verrückt? Das ist erst der Anfang.

Denn erst die Vermarktung nahezu aller anfallenden Unternehmensdaten zeigt das wahre revolutionäre Ausmaß des digitalen Wandels. Dafür braucht es aber ganz neue Vertriebskonzepte. Der Data Asset Manager wird als zweiter Vertriebsvorstand nicht das klassische Produkt des Unternehmens vertreiben, sondern eben die intern anfallenden, alltäglich generierten Daten aller Art und Güte.

 

Schokoladenproduzenten ebenso wie Reiserücktrittsversicherer

Dabei ist unbedeutend, was das Hauptvertriebsprodukt des Unternehmens ist: Ich denke ebenso an einen Hersteller von Schokolade wie von Winterreifen wie für den Vertrieb von Reiserücktrittsversicherungen oder von Damenstrümpfen.

 

Der rund um die Uhr intern erzeugte Datenberg betrifft sämtliche Daten des gesamten Beleuchtungsmanagements eines Unternehmens: Alle Benutzungslängen, Benutzungszeitpunkte, Benutzungsorte und (überflüssige) Beleuchtungsdauern – ein hochinteressanter Datensatz für Unternehmen mit just dem Geschäftsmodell, Energiekosten durch effizientes Lichtmanagement zu steuern.

 

Stadtortsuche mit den Daten der Zahlungsarten – von einem Warenhaus

Konkretes Beispiel gefällig? Ein bundesweit tätiges Warenhausunternehmen kennt für jeden einzelnen Standort die Zahlungsarten der Kunden im Detail. Mehr Bargeldzahlung? EC- oder Kreditkarten? Wo wird viel mit dem Smartphone gezahlt? Diesen Datenschatz kann das Warenhaus anderen Unternehmen verkaufen, die dann beispielsweise mit der Einführung neuer Zahlungssysteme an den geeigneten Standorten beginnen können.

 

Oder: Stellt das Unternehmen in eigenen Werkhallen Produkte her, generiert es im Maschinenpark zudem unzählige Maschinendaten etwa über Kühlmittelstände, Auslaufdauern, Erhitzungs- und Temperaturwechsel oder Schmierölverbrauch – ein riesiger Datenschatz für jedes Geschäftsszenario im Zusammenhang mit Kostensenkungen bei Betriebsmitteln wie auch für die Vorhersage von Störungen. Auf englisch predictive maintenance.

 

Ausbildung? Kompetenz? Am besten Vertriebsprofi

Ein Data Asset Manager sollte am besten aus dem Vertrieb kommen. Als Datenkümmerer kann er – systematisch vermarktet – signifikant zum Umsatz des Unternehmens beitragen. Je nach Art und Güte der Daten beziehungsweise der weiteren Einsatzmöglichkeiten kann sich aus dieser Tätigkeit eine eigene Sparte des Unternehmens entwickeln: Der Unternehmensbereich Data Assets.

Anders als Digitalvorstände beschäftigen sich Data Asset Manager mit der Transformation von analogen in digitale Geschäftsmodelle und sie entwickeln neue digitale Geschäftsmodelle. Sie checken anfallenden Daten im Hinblick auf weitere Verwertungsmöglichkeiten.

 

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