Tobias Woydich, 26, studiert Wirtschaftswissenschaften in Wuppertal, macht seinen Master und absolviert für drei Monate ein Auslandssemester am Management Development Institute (MDI) in Gurgaon, einer Satellitenstadt 20 Kilometer von New Delhi entfernt. Folge 6.
Gerade wurde in Indien Diwali gefeiert, ein Lichterfest und es ist der höchste hinduistische Feiertag – vergleichbar mit Weihnachten für Christen. Gefeiert wird der Sieg des Lichts über die Dunkelheit. Früher war es dann üblich, in jedes Fenster Öllampen oder Kerzen zu stellen, damit keine einzige Straße dunkel bleibt. Aus den Kerzen sind heute bunte, blinkende Lichterketten geworden. Außerdem gibt es ein ordentliches Feuerwerk. Dabei, ein Feuerwerk stimmt eigentlich nicht: Seit fast zwei Wochen knallen jeden Abend Raketen und Böller. Und obwohl Diwali seit zwei Tagen vorbei ist, sieht man auch jetzt noch einzelne Raketen starten.
Im Eingangsbereich unserer Mensa war ein sehr großes Symbol aus Blüten auf dem Boden ausgelegt. Als ich früh morgens ins Gebäude ging, noch etwas müde war und auf mein Handy sah, hätte ich um ein Haar den gesamten Blütenschmuck über den Boden gewischt.

Lichterketten an Bäumen und sogar an Schildern
Das ganze Wochenende wird gefeiert
Es ist üblich, Diwali mit Familie und Freunden übers ganze Wochenende zu feiern, doh die eigentlichen Feierlichkeiten finden am Sonntag statt. Ich hatte das große Glück, dass ich zusammen mit anderen Austauschstudenten von einer indischen Kommilitonin zur Feier mit ihrer Familie in ihr Haus eingeladen wurde.

Der Wohnzimmerboden unserer Gastgeber-Familie war mit Decken ausgelegt und ein Tisch zu einem Altar umfunktioniert. Die Bilder und Statuen sind Abbildungen verschiedener indischer Gottheiten. Der Blütenschmuck ist kunstvoll zu Symbolen geformt oder entlang der Fußbodenleisten ausgelegt.
Nach und nach kamen immer mehr Familienmitglieder dazu, das Wohnzimmer wurde irgendwann ziemlich voll. Als dann ein Priester kam, setzten wir uns alle im Schneidersitz auf die Decken, die auf dem Boden lagen. Unsere Gastgeber, die Eltern unserer indischen Freundin, nahmen ganz vorne, direkt vor dem Altar und neben dem Priester Platz. Es ist so üblich, dass die Zeremonie mit dem Ehepaar des Hauses durchgeführt wird – alle anderen werden später eingebunden.

Nach der Zeremonie mit dem Segenspunkt
Die Zeremonie – 90 Minuten Stunden Schneidersitz
Die Zeremonie war absolut eindrucksvoll, ich bin meiner Kommilitonin sehr dankbar für die Einladung. Insgesamt dauerte es etwa 90 Minuten – im Schneidersitz auf dem Boden. Der größte Teil davon bestand aus Gebeten, die gesungen wurden und der Zubereitung von Farbe für den Segenspunkt vom Priester auf der Stirn und Essen zur Opfergabe. Die Mutter unserer indischen Freundin versuchte, uns zwischendurch auf Englisch zu erklären, was gerade warum geschah. Gebetet wird in erster Linie für Gesundheit und Glück von Familie und Freunden. Man bittet um Buße für die Sünden aus dem letzten Jahr und bedankt sich für das Gute im Leben.
Segenspunkte vom Priester
Zwischenzeitlich tupfte uns der Priester einen Segenspunkt auf die Stirn. Am Ende der Zeremonie trat einer nach dem anderen nach vorne und ein Tablett vor dem Altar schwenken, auf dem ein brennender Pokal stand. Genauer gesagt, brannte der Pokal nicht selbst, sondern wurde mit Öl gefüllt, das angezündet wurde. Das Tablett-Schwenken wurde durch die ziemlich hohe Flamme und der Angst, etwas zu verschütten, zur echten Konzentrationsaufgabe.
Nach der eigentlichen Zeremonie gab es eine Menge indischer Köstlichkeiten. Zum Abschied bekamen jeder von uns Austauschstudenten sogar ein Geschenk: eine traditionelle Diwali-Öllampe.

Fire Food
Indien ist berühmt für die scharfe Küche – und so heiß habe ich noch nie in meinem Leben gegessen: dieses Feuer-Gericht, Fire food, bekam ich an einem Straßenstand in Delhi. Zubereitet wurde es, indem irgendeine Masse – der Verkäufer sprach leider kein Englisch – auf einem Pflanzenblatt verteilt und angezündet wurde. Bevor er es mir dann mit einem Happs in den Mund steckte, legte er noch eine dünne Spur Eis vor – und nicht: auf – die brennende Masse.
No Guns allowed
Das Tragen von Waffen ist in Indien überall verboten, wie mir immer wieder versichert wurde. Und es würde auch wenig Sinn haben, da man weder in größere Geschäfte noch in öffentliche Gebäude und nicht mal in die U-Bahn käme, denn man wird einfach überall kontrolliert. Dennoch, diese Bar in Gurgaon empfand es als hilfreich, das nochmal deutlich zu machen. Da fühle ich mich gleich sicherer.

Waffen nicht erlaubt
Der klassische Blick auf Gurgaon, Wohnhäuser, gläserne Hochhäuser und, überall gegenwärtig: Smog. Die ersten Tage und Wochen habe ich immer ein kratziges Gefühl im Mund gespürt, wenn ich lange entlang der Straßen gelaufen oder mit den offenen Tuk-Tuks gefahren bin. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. Ich bin gespannt, ob ich in dann in Deutschland den Unterschied, mit weniger Smog, wahrnehme.
Der Ticket-Kauf dauert
Beim Fahren mit der Metro sollte man fürs Kaufen des Tickets ein wenig Zeit mitbringen. Insofern man nicht ohnehin vorhat häufiger zu fahren und sich eine sogenannte SmartCard kauft, die man auflädt und mehrmals benutzen kann, steht man beim Ticketverkauf immer sehr lange an. Das liegt nicht nur an den langen Schlangen vor den Schaltern, sondern auch an der Arbeitsmotivation der Menschen an den Schaltern. Das ist allerdings nicht nur in der Metro so, sondern in Museen, Sehenswürdigkeiten und ganz besonders im Supermarkt, wo es so scheint, als ob die Verkäufer den Barcode der Produkte nach dem erfolgreichen Einscannen nochmal genau kontrollieren.

Schlange-Stehen am Ticket-Schalter
Tax Collection Points
Von der Maut, die auf privaten Straßen erhoben wird, habe ich bereits erzählt. Zusätzlich zur Maut auf Privatstraßen, wird in Indien aber eine Steuer fällig, wenn man die Grenzen eines States, also eines Bundeslandes, überquert. Bezahlen muss man die Steuer aber nicht an Straßenbarrieren, wie man das von Mautstationen kennt, sondern in sogenannten Tax Collection Points. Das sind kleine, unscheinbare Hütten abseits der Straße.


