Fragebogen „Nahaufnahme“ mit myRight-Chef Andresen: „Nur Steuermänner bringen kein Schiff nach vorn“

Den Fragebogen „Nahaufnahme“ beantwortet Jan-Eike Andresen, der Mit-Gründer und Chef von  myRight.de – dem Onlineportal, bei dem sich VW-Dieselgate-Geschädigte registrieren können, damit myRight ihre Rechte mit einer Sammelklage durchsetzt und dafür eine Erfolgsbeteiligung von 35 Prozent einbehalten darf. 

Das Modell dieser Rechtsdienstleistung funktioniert wie das Fluggastrechteportal flightright.de, das der Rechtsanwalt mit aufgebaut hat. Da können Geschädigte bei Airline-Verspätungen via Online-Formular schon seit drei Jahren Schadenersatz von Fluglinien – ebenso gegen Erfolgsbeteiligung – einfordern lassen. 

 

Andresen von Myright.de

Jan-Eike Andresen von myright.de und flightright.de

 

Erklären Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen tut.

Wir setzen Recht durch, und zwar einfach, per Mausklick, ohne Angst vor Gerichtsterminen und Hemmschwellen vor zugeknöpften und überteuerten Anwälten.

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Womit beginnt Ihr Arbeitstag?

Variante eins: Die Kinder (sieben Monate und drei Jahre) schlafen aus bis sieben Uhr, zuvor – ab sechs Uhr – Tagesvorbereitung am Rechner, von sieben bis 8.30 Uhr Brei jeglicher Couleur kochen, frühstücken, rauf auf’s Fahrrad, Kindergarten undsoweiter und um 9.30 Uhr Start in den Tag im Cafe´ mit „Handelsblatt“, Cappucino und, hoffentlich, Sonne.

Variante zwei: Die Kinder sind ab 5.30 Uhr wach. Tagesvorbereitung mit Handy in der einen Hand, Kind eins auf dem Arm und Kind zwei in der Lego-Kiste. Die Hoffnung: Schlafen sie wohl nochmal ein? Die Wirkung des Kaffees scheint jedensfalls fast nicht mehr existent, man mäandert sich durch offene Kühlschranktüren und Kochtöpfe, dank zu wenig Schlaf ist die Stimmung bei den Kids weit unterhalb der X-Achse auf der Sinus-Kurve des Lebens. Ab 8.30 Uhr rauf auf’s Rad, Flucht in die Ruhe des Büros mit Quickstop an der Kita. Den Tagesanfang retten, wie immer, „Handelsblatt“-Lektüre und Kaffee. Und hoffentlich nicht schon wieder die Kunstbeilage…

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Wie würden Sie sich selbst als Chef beschreiben?

Pragmatisch, anpackend, keine Angst vor nichts. Mit den Jahren aber zunehmend reflektierter. Quasi Altersweisheit. Ich lasse meinen Mitarbeitern viel Verantwortung und Freiraum, bin eher ergebnis- als prozessorientiert.

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… und was würden Ihre Mitarbeiter darauf antworten?

Muss er immer direkt und ohne den obligatorischen diplomatisch-sozialen Filter sagen, was er denkt? Eike? Der ist unterwegs…

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Tee oder Kaffee?

Vor den Kindern Earl Grey, seit dem nur noch und zu viel Kaffee. Den kaufe ich übrigens immer bei meinem Studienkumpel Boris, der das Leben der Großkanzlei gegen die Gründung von RoastMarket.de eingetauscht hat. Ich bin ihm jeden morgen dankbar, dass er mich über Wasser hält.

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Ihr Spitzname ist…?

Gibt’s nicht. Privat kurz Eike, zu Zeiten mütterlicher Obhut und im Falle, das was ausgefressen wurde, auch Jan-Eike, wobei der Ernst der Lage  stets durch besondere Betonung der ersten Silbe unterstrichen wurden.

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Verraten Sie eine Marotte?

Ich werde hibbelig auf meinem Schreibtischstuhl, wenn draußen der Wind die Äste schwingen lässt und man die formidablen Windbedingungen weder für einen Segeltörn noch eine Runde auf dem Surfbrett nutzen kann. Da drehe ich innerlich durch. Und ja, ich werde seekrank, aber raus muss ich da trotzdem – zuletzt im Mai-Sturm vor Helgoland.

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Was kann Sie in Harnisch bringen?

Wenn die Dinge nicht auf den Tisch kommen! Sei es aus Höflichkeit, Angst, berechtigter Sorge oder was auch immer. Und ja, ich habe eine tiefe innerliche Abneigung gegen Ungerechtigkeit. Wenn etwas ist, wie es nicht sein darf, laufe ich zu Höchstform auf! Oder um es in den Worten meines geschätzten Kollegen Phillip Kadelbach zu sagen: „Der glüht an beiden Enden!“

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…und was bringt andere an Ihnen in Harnisch?

Kann er nicht einmal die Dinge akzeptieren, wie sie sind???

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Was möchten Sie gerne im Ruhestand machen?

Wieder da sein, wo man als Student schon lange war: Strand, die Sonne geht auf, die Energie schießt in die Adern. Auf dem Segelboot, Surfbrett oder Kite. Vielleicht eine Segelschule, aber mehr Richtung Teambuilding und Events und nicht das ewig gleiche Gesabbel von „Klar-zur-Wende-Ist-klar-Ree!“ Oder eine kulinarische Bretterbude, siehe unten.

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Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?

Unterschiedliche Meinungen, Herkünfte, Erfahrungen. Nur Steuermänner bringen kein Schiff nach vorn.

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Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten – welcher wäre das?

Pizzabäcker in einer kleinen Bretterbude. Morgens einkaufen, ab Mittags verkaufen, das ist mal nah am Cash. Außer Miete kein Working Capital und selbst die läßt sich mit einer Umsatzkomponente für den Worst Case auf nahe null drücken. Risiko also überschaubar. Aber das Beste: Direkt am Kunden, vis-á- vis, keine Ausreden, keine Agenturen, wahre Leistung zählt. Und das Produkt erst, je simpler in der Zubereitung, desto besser das Ergebnis. Wenig statt viel, dafür gut, Fokus auf das Wesentliche. Und wichtig, die Pizza hat in ihrem sozialen Kern eine wahrhaftig dienende Funktion. Wer Pizza kann, kann Wirtschaft! Ich habe höchsten Respekt vor jedem erfolgreichen Pizzabäcker.

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andresen.myright.2

Mit diesem Rad fährt Fahrrad-Fan Jan-Eike Andresen jeden morgen seine Kinder in die Kita auf dem Weg zu seinem Büro.

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