Ein Teller Burrata mit Anwältin Kerek von Morrison & Foerster: „Warum haben Deutsche im Business so wenig Interesse an ihrem Nachwuchs?

Mit Monica Seles sprach Angela Kerek ungarisch, wenn sie gegen sie auf dem Tennisplatz antrat. Denn schon als Teenager gewann sie die rumänische Tennismeisterschaft, spielte später – nachdem sie mit ihrer Familie nach Deutschland umgesiedelt war – in der Tennis-Bundesliga. Und sie konnte sich damit ihr Jura-Studium verdienen.

Doch allein Tennis-Profi zu sein, hätte Kerek nicht genügt. Sie promovierte im Verfassungsrecht, schwärmt noch heute von den durchdachten Vorlesungen des Ex-Bundesverfassungsrichters Böckenförde in Freiburg und hält selbst ab und zu Uni-Vorlesungen in Ungarn. Gerade wurde sie Partnerin der US-Law-Firm Morrison & Foerster in Berlin, nachdem sie neun Jahre lang als angestellte Anwältin bei Linklaters in Frankfurt gearbeitet hatte. Ihr Thema da: Darlehen jedweder Art. Denn davon gibt es allerhand: Unternehmensübernahmen, die der Käufer mit Bankdarlehen finanziert, Immobilienkäufe oder die Finanzierung ganzer Autobahnen.

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Stand Angela Kerek bei Linklaters bisher meist auf der Bankenseite, so ist sie nun auf der Seite der Darlehensnehmer gelandet und will bei Morrison & Foerster einen Finance-Bereich aufbauen. Die Kanzlei mit den Wurzeln in San Francisco ist hierzulande noch nicht lange am Start, erst seit 2013. Insgesamt hat die Law Firm rund 1000 Anwälte weltweit, hierzulande sind es rund 40 – so groß ist bei Linklaters das Team, in dem Kerek arbeitete.

Wir sitzen im „Casa Luigi“ in der Düsseldorfer Altstadt und Kerek hat sich eine Burrata bestellt – das ist ein Kuhmilch-Käse, eine Art Mozzarella – mit Tomatenscheiben. Das reicht ihr. Denn inzwischen will sie wieder mehr Tennis trainieren, weil es sich „extrem gut anfühlt“. Auch wenn sie heute nicht mehr – wie früher – zweimal am Tag zwei Stunden trainieren will. Die knappe Freizeit, die Anwälte in Großkanzleien typischerweise haben, braucht sie heute für ihren Mann – auch ein Jurist und zwar ein Richter – und ihre zweieinhalbjährige Tochter.

 

Burrata im "Casa Luigi" in Düsseldorf

Burrata im „Casa Luigi“ in Düsseldorf

 

Warum britische Anwälte in Doppelzimmern sitzen

Sie kann mir erklären, wieso Londoner Anwälte oft in Doppelzimmern sitzen müssen und keine eigenen vier Wände spendiert bekommen von ihrer Kanzlei: Weil den Briten die Ausbildung ihrer jungen Leute sehr am Herzen liegt und weil immer ein Senior mit einem Greenhorn zusammen sitzt. Damit der Jüngere sich möglichst viel abgucken kann vom erfahreneren Kollegen – das gehört zur Unternehmenskultur. Vor allem aber stört es die Senioren nicht, denn sie haben Freude daran, ihr Wissen weiterzugeben an junge Kollegen.

Diese Kultur hat auf Kerek abgefärbt, als sie selbst in London bei Linklaters gearbeitet hat. Kaum zurück in Frankfurt, hat auch sie sich einen Trainee ins Zimmer geholt und den nächsten und wieder den nächsten. Mit der Folge, dass Kerek heute gute Drähte in alle möglichen Kanzleien landauflandab hat, wo es die jungen Leute ebenso hin verschlagen hat. Gut verdrahtet nennt man das.

 

Das Desinteresse der Deutschen, junge Leute aufzubauen 

Nur eins versteht sie, die gebürtige Rumänin, nicht: Warum so viele Deutsche so ein Desinteresse am Nachwuchs haben – ganz anders als beispielsweise die Briten? Es sei eine Einstellungssache meint die Wahl-Berlinerin. An mangelnder Zeit könne es nicht liegen, das bestreitet sie vehement. Und sie erzählt: auch die amerikanischen Universitäten seien darauf aus, den Studenten etwas mitzugeben für ihre Berufsleben. Das macht sie stolz. So wie ihr Professor Gad Allon an der amerikanischen Kellogg School of Management: „Zu jedem Unternehmensbereich sollt ihr drei Kernfragen stellen können“, klingt ihr noch heute im Ohr.  Allen US-Professoren sei es sehr wichtig, dass „ihre Studenten etwas fürs Leben mitnehmen, ständig reflektieren, sich selber stets verbessern, mutig weitergehen im Leben, ihrerseits den Leuten etwas mitgeben und immer das Beste im Menschen suchen, unternehmerisch denken, dabei stets ethisch handeln und auf unsere Gesundheit achten. Und: was immer passiert, die Familie steht an erster Stelle.“

Oder Dennis Patterson, der US-Professor, der Kerek für ihre Arbeit gleich ein ganzes Paket mit Büchern schickte – auf seine eigenen Kosten. Als sie ihn drauf ansprach, sagte er ihr: Geben Sie mir nur ihr Versprechen, dass sie dasselbe später auch mit jemand anderem machen.

Ihr Motto wurden daher dies: „Was ist, wenn wir unsere Mitarbeiter ausbilden und sie gehen weg? Und was ist, wenn wir sie nicht ausbilden und sie bleiben?“

 

 

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