Ein Teller Nudeln mit M&A-Anwältin Kristina Klaaßen: Je weniger Schlaf, umso mehr gelbe Post-It-Zettel am PC

Kristina Klaaßen, M&A-Anwältin bei Linklaters

Kristina Klaaßen, M&A-Anwältin bei Linklaters

 

Abends geht Kristina Klaaßen nicht aus der Kanzlei, ohne zwei Dinge gecheckt zu haben: Sie sieht nochmal in ihrem Account nach, ob sie tatsächlich jede eingegangene Mail gelesen hat. Und ob es bei irgendeiner Mail noch jemanden gibt, den sie hierzu informieren muss. Das hat sich die Düsseldorfer Anwältin bei Linklaters zur Regel gemacht, denn 150 Mails bekommt sie sicher am Tag, schätzt sie.

Dass ihr Arbeitstag lange dauern kann ist klar. Ist sie doch dabei, wenn Linklaters ThyssenKrupp bei der Trennung von seinem italienischen Edelstahlwerk berät oder der chinesische Solarkonzern LDK Solar sich am deutschen Wettbewerber Sunways beteiligt. Das sind die Deals, wo Anwälte manchmal nur noch auf sechs Stunden Schlaf in einer ganzen Woche kommen.

Doch das ficht sie nicht an, „eine Stunde Schlaf ist besser als gar nichts“, sagt sie. Woran sie bemerkt, dass sie langsam aber sicher zu wenig Schlaf bekommt? An den gelben Post-It-Zetteln an ihrem PC. Die werden dann nämlich immer mehr, weil sie sich dann immer weniger merken kann.

In ihrem Job muss man dauernd auf der Hut sein. Konnten Wirtschaftsanwälte früher noch die überarbeiteten Entwürfe ihrer Kollegen auf der Gegenseite übernehmen und nahtlos daran weiterarbeiten, das klappt heute nicht mehr. Nun übernimmt Klaaßen vorsichtshalber jede Änderung selbst in ein neues Dokument – damit niemand an unvermuteter Stelle klammheimlich Änderungen vornehmen kann. Dann lieber Old School und auf Nummer Sicher gehen.

Bestellt hat sich Kristina Klaaßen hier im „Casa Luigi“ auf der Hohe Straße – wo prompt am Nachbartisch ein Kollege gesichtet wird und auch sonst Anwälte anderer Top-Kanzleien in Fußnähe hier gerne rasch etwas zu Mittag essen – einen Teller Nudeln mit Steinpilzen.

Nudeln mit Steinpilzen im "Casa Luigi" in Düsseldorf

Nudeln mit Steinpilzen im „Casa Luigi“ in Düsseldorf

Und sie erzählt beiläufig, in welch drollige Situation frau manchmal als Top-Anwältin so geraten kann. Etwa als eine Verhandlung in Korea noch bevor sieh losgehen konnte, erst mal unterbrochen wurde. Die Unternehmensvertreter waren allesamt Männer, die sich erst mal entschuldigten, dass man nicht erkannt habe auf der Teilnehmerliste, dass eine Frau dabei sei. Und die Herren dann eilends eine Frau aus ihrem Unternehmen herzitierten, die wie ein Statist dann bei dem gesamten Meeting mit am Tisch saß. Wortlos wie unbeteiligt.  Warum das genau so sein mußte, hat keiner der Gastgeber je aufgeklärt.

Wenn´s sein muss, geht Klaßen dann auch in einer Karaoke-Bar aufs Podium: Als sie bei dem bewußten Einsatz in Korea abends zusammen mit dem Mandanten, einem Banker und den Koreanern als Gastgeber in diese Bar mitgehen musste. Dass in dieser Bar auch mehr als gesungen wurde, machten ihr die Gastgeber klar und entschuldigten sich, dass man auf die Schnelle ihr keinen entsprechenden Herrn für sie habe besorgen können. Doch weil auch die anderen zwei nicht in verfängliche Situationen geraten wollten endete es damit, dass der Mandant am Klavier spielte und Kristina Klaaßen mit dem Banker ans Mikrofon ging und schmetterte. Um ja nicht am Tisch in Verlegenheit gebracht werden zu können.

 

 

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