„Die Schranken setzen wir uns im Kopf“ findet Hogan Lovells neuer Managing-Partner Burkhart Göbel

Der künftige Managing-Partner von Hogan Lovells ist Burkhart Goebel aus Madrid, der gerne durch südamerikanische Höhlen kriecht, am liebsten bis morgens um sechs feiert – und für außerordentlichen Erfolg gut ist. Und er ist stolz, wenn er vorneweg läuft, um zu zeigen, „es geht doch“.

 

Burkhart Goebel, Managing Partner von Hogan Lovells

Burkhart Goebel, neuer Managing Partner von Hogan Lovells

Im Gespräch mit Burkhart Goebel fallen sympathische Vokabeln, die einen aufhorchen lassen. Weil man sie so selten aus dem Mund von Top-Anwälten hört. Zum Beispiel  Gastfreundschaft, die er und seine Familie groß schreiben. Und dass er gerne feiert, von 21 Uhr bis sechs Uhr früh und immer als letzter die Partys verlässt. Dazu passt, dass Goebels ein „geselliges Haus pflegen“ und sich auch „über Hausgäste freuen“. Und dass es schon mal vorkommt, dass sie vier Wochen lang Kinder von Freunden beherbergen, weil die ein Praktikum in Madrid absolvieren.

 

„Personifizierter Kulturtransfer“

In Madrid? Richtig, Madrid. Denn Goebel – der künftige Managing Partner der Großkanzlei Hogan Lovells für 14 Büros in Kontinental-Europa mit rund 1800 Mitarbeitern (Deutschland, Polen, Niederlande, Belgien, Luxemburg,
Frankreich, Italien, Spanien, Russland, Ungarn und Kroatien) – lebt mit seiner Frau seinen drei Kindern seit zehn Jahren in der spanischen Hauptstadt.

Dort hat er – als „personifizierter Kulturtransfer“, wie er sagt – zusammen mit drei spanischen Anwälten das Madrider Büro von Hogan Lovells aufgebaut: Starteten dort zunächst sechs Mitarbeiter, so arbeiten dort heute beachtliche 85 Juristen von insgesamt 125 Leuten. „Gleich mehrmals war es seitdem das profitabelste Büro der ganzen Sozietät“, erzählt Goebel stolz. Und dass es ihm riesigen Spaß gemacht hat. Goebel ist es wichtig, dass auch seine Frau – sie ist als Betriebswirtin bei Montblanc – voll berufstätig ist. Sie ist seine liebste Gesprächspartnerin, erzählt er. Ihre Kinder im Alter von zwölf, zehn und sieben Jahren wachsen in Madrid zweisprachig auf, besuchen aber die deutsche Schule. Zuhause spricht die Familie die Sprache gesprochen, die nicht die Ortssprache ist, also deutsch.

 

Tracking durch die Mongolei

Abenteuerlich wird es dann in den Ferien, wenn die fünf  auf Tracking-Tour in der Mongolei gehen, durch Höhlen in Costa Rica kriechen oder nach Jordanien fahren in unruhigen Zeiten, wenn sich andere schon längst nicht mehr dorthin trauen. Für diesen Sommer steht eine vergleichsweise harmlose Radtour durch Polen auf dem Programm. Doch fürs Zuhause-Bleiben und Briefmarken-Sammeln sei er nun mal nicht der Richtige, das Projekt mit den Briefmarken seines Onkels sei damals grandios gescheitert.

 

Managen aus der Ferne funktioniert

Ungewöhnlich, aber typisch für Goebel: Madrid bleibt auch künftig der Wohnsitz der Family: Er selbst verbringt schon jetzt immer dreieinhalb bis vier Tage im Monat in Hamburg, an acht bis zehn Tagen ist er auf Reisen  und den Rest des Monats ist er zuhause in Madrid. Und dass Managen aus der Ferne funktioniere, versichert der gebürtige Westfale. Zu seinem Heimatort Hagen bekennt er sich auch von der spanischen Metropole aus: es sei eine Perle unter deutschen Städten – neben Dortmund – , nur werde das nicht von jedem so wahrgenommen.

Goebels Büro in Hamburg

Goebels Büro in Madrid

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Man muss es nur wollen, dann geht alles – auch Teilzeit-Anwälte

Genauso funktioniert es, dass in seinem Hamburger Team drei Teilzeit-Anwälte arbeiten. „Man muss es nur wollen, dann geht alles – die Schranken setzen wir uns selbst im Kopf“, so der 48-Jährige. Der einzige Haken: Er ist als Chef mehr gefragt, weil die Dinge oft wieder auf seinem Schreibtisch landen. Aber das verdrießt ihn nicht, im Gegenteil: „Seit zehn Jahren laufe ich vorneweg und sage, guck mal, es geht“, beschreibt Goebel.

 

Was macht einen Managing-Partner bei Hogan Lovells aus?

Warum gerade er jetzt zum Managing-Partner gewählt wurde, der mit seinem Temperament und seiner Lebhaftigkeit so anders ist als die meisten Top-Anwälte?  Sein Vorgänger im Amt, Christoph Küppers, verrät die entscheidende Kriterien: Erstens hat Goebel den Respekt der Mitpartner und muss allein deshalb erfolgreich sein. Zweitens hat er gezeigt, dass er sich um sein Team kümmert, andere ausbildet und an sein Umfeld denkt. Vier von Goebels Leuten wurden zu Partnern ernannt, das kann kein anderer vorweisen. Drittens hat er Managing-Erfahrung und viertens auch grenzüberschreitende Perspektiven.

Büro von Burkhart Goebel von Hogan Lovells

Goebels Büro bei Hogan Lovells in Madrid

 

Goebel über Goebel: „Ich bleibe anderen meist als leidenschaftlicher Redner in Erinnerung und bekomme dabei auch meistens noch einen Witz rüber.“ Wenn er in einen Raum trete, sei er voll – auch wenn er nicht groß sei. Seine Devise: „Ich stehe immer 200-prozentig hinter meinen Mandanten, auch wenn´s stürmisch wird und auch, wenn das Schiff unter geht.“ So viele Sorgen muss er sich da aber gar nicht machen, denn seine Klienten sind die Deutsche Telekom, das Bankhaus Santander, PepsiCo oder die Brauerei Anheuser-Busch InBev.

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