Ein Teller Frikadellen mit den Orrick-Chefs@Orrick-Haus

Orrick Herrington Sutcliffe in Düsseldorf

Orrick, Herrington & Sutcliffe in Düsseldorf

Einen so kargen Konferenzraum wie bei Orrick, Herrington & Sutcliffe habe ich selten gesehen, keine einzige Grünpflanze steht in ihrem Konferenzraum, kein einziges Bild ist an der Wand. Mit Absicht  – nur mit dem Blick auf den Düsseldorfer Hofgarten, die Oper und die Kunstsammlung NRW. Der ist allerdings ganz prima. Statt dass wir uns im Restaurant treffen, luden mich Oliver Duys und Wilhelm Nolting-Hauff hierher an die Heinrich-Heine-Allee an ihre relativ neue Adresse ein.

 

Zum Lunch gab´s Platten vom Caterer: Tomaten mit Mozzarella, eingelegtes Gemüse, Putengeschnetzeltes und zu meiner Freude so etwas Seltenes wie Frikadellen. Die beiden Anwälte sind das Führungs-Duo der früheren Kanzlei Hölters & Elsing, die inzwischen nach der Fusion Orrick Herrington & Sutcliffe heisst – und mit einem so langem Namen viele Möglichkeiten zu Tippfehlern bietet.

 

 

Managing-Partner-Duo von Orrick

Managing-Partner-Duo von Orrick, Herrington & Sutcliffe: Oliver Duys (l.) und Wilhelm Nolting-Hauff (r.)

 

 

Die Kanzlei-Chefs folgten auf ein Urgestein: Auf den Arbeitsrechtler Arno Frings – den Lesern hier im Management-Blog bestens bekannt durch seine Gastbeiträge – und zwar vor einem Jahr. Beide, Duys und Nolting-Hauff, sind M&A-Experten und arbeiten trotz ihrer Managementaufgaben im Anwaltsgeschäft auch weiter – voll. Sie haben keinen ihrer Mandanten – und zu denen zählen EADS, Axa, Metro oder Edeka – abgegeben, sagen sie. Und dass ihre Büros nebeneinander liegen. Sie sähen sich täglich und haben sich auch nicht die Arbeit aufgeteilt oder irgendwie abgegrenzt, erzählen sie. Nolting-Hauff ist ein Eigengewächs der Kanzlei, Duys kommt von der Sozietät Hengeler Mueller, die kaum 500 Meter entfernt sitzt. Orrick – die Kanzlei mit den Wurzeln in San Francisco und der Silicon-Valley-Historie – hat weltweit rund 1100 Anwälte, also 750 angestellte Juristen plus 340 Partnern. Mitsamt Assitentinnen, Marketingleuten undsoweiter kommen sie auf 2500 Leute. Düsseldorf ist der größte deutsche Standort. 870 Millionen US-Dollar betrug der Umsatz im Jahr 2013.

 

Morgens um sieben im Büro

 

Wie es die beiden schaffen, Management wie Mandatsgeschäft unter einen Hut zu bringen? „Alles eine Frage der Organisation“, behauptet Duys. Morgens um sieben Uhr sitze er schon im Büro, erzählt er. Aber dass er trotzdem die Zeit findet, selbst auf dem Karlsplatz in der Altstadt das Fleisch und Gemüse einzukaufen, das er Samstagsabends dann zuhause mit seiner Frau kocht. Wild etwa.   Was die beiden Managing-Partner umtreibt? Das Branding etwa. Denn in den USA sei die Strahlkraft der Marke Orrick hoch, hierzulande dagegen „gebe da es noch Herausforderungen“. Welche Maßnahmen und welche Botschaften in Deutschland angezeigt sind, da hat das Duo keine Zweifel. Zum Beispiel die interne Veranstaltungsreihe für Mandanten mit Themen wie Managerhaftung auszubauen oder „externe Events in Kombination mit Kunst und Kultur“. Und, was auch für andere Kanzleien keine üble Idee wäre: Die Webseite zu überarbeiten. Deren Optik hat in der Tat zuweilen mehr den Charme eines Telefonbuchs denn den einer Visitenkarte einer führenden Wirtschaftskanzlei.

 

Antworten für Mandanten in Bullet Points

 

Mandante hätten am liebsten Antworten in Bullet Points, erzählen Duys und Nolting-Hauff. Und sie erwähnen die Big Four, die großen WP-Gesellschaften EY, KPMG, Deloitte und PWC, die ihren Kunden oft eher Steine statt Brot gäben. Weil sie so strenge Haftungsvorgaben hätten, dass sie keinen Rat mehr geben könnten. Dabei: Mandanten hätten schließlich keine Rechtsprobleme, sondern wirtschaftliche Ziele. Wie wahr. Würde sich diese Erkenntnis mal auch bei den vielen mittelgroßen Kanzleien durchsetzen, in denen Anwälte lieber vermeintlich kluge Rechtsausführungen machen und sich als zweiter Richter aufspielen, statt den eigenen Mandanten erst mal das Gefühl zu vermitteln, ihnen – alleine im dunklen Wald – solidarisch zur Seite zu stehen.

 

Probleme-aufspüren und Angst schieben

 

Was falsch läuft, wissen die beiden: Schon die Unis belohnten Studenten fürs Aufspüren von Rechtsproblemen, später kommt dann die Angst vor der eigenen Haftung dazu. Das alles lähmt gewaltig. Dann entstehe die Tendenz, dem Mandanten viel zu viel zu schreiben, aber leider ohne eine konkrete Handlungsanweisung. Doch Duys und Nolting-Hauff versichern, Kanzleien wie Orrick hätten das Problem nicht. Sie gingen die Kundenbindung unternehmerischer an – und zwar mit dem Wahlspruch „von Unternehmer zu Unternehmer“ – als Berater mit dem Schwerpunkt Recht.

 

Mails vom großen US-Boss

 

Und sie geraten ins Schwärmen, wenn sie von ihrem eigenen Unternehmen sprechen: Vom CEO Mitch Zuklie in den Vereinigten Staaten, der selbst twittert. Oder der die deutschen Kollegen mit persönlichen Mails, gar mit Lob, überrasche. Dass Orrick auf der amerikanischen A-List der zehn besten Law Firms auf Platz neun steht. Oder der Diversity-Tag bei Orrick. Wenn alle zusammen einen halben Tag lang die Arbeit Arbeit sein lassen und so etwas unternehmen wie zum Beispiel die jüdische Synagoge in Düsseldorf zu besuchen. Einmal im Jahr macht jeder Standort weltweit an diesem Tag mal etwas Besonderes. Besonders ist jedenfalls auch, dass diese Projekte in der Arbeitszeit stattfinden. Das ist nicht selbstverständlich für Kanzleien, woanders müssen die Mitarbeiter wie Partner für solche Projekte ihr Wochenende opfern – wo ihren Familien ohnehin leidgeprüft genug sind durch die langen branchenüblichen Arbeitszeiten.

 

Orrick Deutschland: http://www.orrick.de/DE/About/Seiten/default.aspx

Oliver Duys: http://www.orrick.de/DE/Lawyers/Oliver-Duys/Seiten/default.aspx

Wilhelm Nolting-Hauff: http://www.orrick.de/DE/Lawyers/Wilhelm-Nolting-Hauff/Seiten/default.aspx

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