Exklusiv: BBC-Produzentin Ruth Shurman über die besonderen Schwierigkeiten beim Dreh einer BBC-Doku über die Bankenskandale

Bankers ist eine dreiteilige Dokumentarreihe auf BBC World News , die in Interviews mit Bankenchefs, Regulierungsbeamten und Politikern herauszufinden versucht, was in einer Branche schief lief, die für unsere Gesellschaft von zentraler Bedeutung ist. BBC-Journalistin Ruth Shurman berichtet exklusiv im Management-Blog von den besonderen Schwierigkeiten bei den Dreharbeiten mit den Verantwortlichen und Zeitzeugen.

 

Ruth Shurmann von der BBC

Ruth Shurmann von der BBC

Ruth Shurman ist Produzentin im BBC-Produktionsteam für Geschichts- und Wirtschaftsthemen. In jüngster Zeit arbeitete sie an Dokumentationen über Steve Jobs, Toyota, über “Frauen in der Wirtschaft” und zum Thema “Welche Lehren man aus Fehlern in der Wirtschaft ziehen sollte“.

 

 

Wenn ich Kollegen davon erzählte, dass ich eine dreiteilige Serie über die Bankenkrise produzieren werde, runzelten sie auf besorgte Art und Weise die Stirn und wünschten mir „viel Glück.“

Komplex, juristisch problematisch, und ohne visuell darstellbare Action ist das Thema kaum geeignet fürs Fernsehen zur besten Sendezeit. Mehr noch, die Entwicklungen, die wir nachzeichnen wollten, setzten sich noch während der Produktionszeit in nicht vorhersehbaren Wendungen fort.

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Wie erklärt man normalen Bankkunden die Skandale?

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Unser Plan war es, die in den letzten Jahren aufgetretene ungewöhnliche Serie von Skandalen, nämlich die Libor-Manipulation bei Investment-Banken in aller Welt und den großangelegten „Misselling-Skandal“ von Finanzprodukten, ganz normale Bankkunden zu erklären. Was wir dabei allerdings vermeiden wollten, war ein simples „Bank Bashing“. Wir wollten die Ereignisse in den größeren Kontext stellen, der zu dieser Entwicklung führte. Was dabei auffiel, war die Tatsache einer immer größer werdenden Abhängigkeit vom Bankensektor, die sich in den letzten 30 Jahren manifestiert hatte.

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Zum Glück waren die meisten Top-Akteure der Bankenwelt aufgeschlossen, als wir ihre mögliche Teilnahme bei der Serie ansprachen. Für manche, so stellte es sich heraus, war das Thema dann doch zu heiß. Aber auch die, die sich grundsätzlich zu einer Teilnahme bereit erklärt hatten, wollten sich nicht auf einen Termin für die Fernsehinterviews festlegen lassen.

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Alle warten darauf, dass sich der Staub wieder legt.

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Banken, Behörden, Zentralbanken, Ermittler und Kommentatoren – alle warteten ungeduldig auf die Veröffentlichungen der Behördenberichte, auf die Verhängung von Strafen, die Einreichung von Klagen. Und darauf, dass sich der Staub wieder legte.

Wenn sie sich nicht darüber Sorgen machten, wie sie die Auswirkungen der desaströsen Serie von Skandalen eindämmen könnten, waren sie emsig damit beschäftigt, ihre seit  dem Finanzskandal schwer angeschlagenen Organisationen neu zu strukturieren und wieder aufzubauen.

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Die Drehtermine wurden permanent verschoben – wegen der Banken

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Monatelang hatte es den Anschein, dass jedes mögliche Drehdatum, das in unserem Produktionsbüro auf dem White-Board notiert wurde, unweigerlich mit der Abkürzung “to be confirmed“ (tbc)” versehen werden musste. Das Produktionsteam übte sich in Geduld und beschäftigte sich mit dem Dreh von Stadtansichten, Gesprächen mit Analysten  und dem Grübeln über Fußnoten.

Ein sehr erfahrener Produzent, der berufsbedingt oft in Kriegsgebieten und gefährlichen Staaten unterwegs ist, kam zu dem Schluss, dass bisher kein Projekt in seiner Laufbahn von so großer Unsicherheit geprägt war. Weitere mögliche Drehtermine folgten, und sie wurden wieder und wieder verschoben.

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In diesem Jahr musste sich nicht nur der Bankensektor Skandalen und kritischen Fragen im Hinblick auf seine Glaubwürdigkeit stellen, auch die Kirche, die Politik und sogar die Medien waren betroffen. Die ohnehin konfliktreiche Frage, ob die Banken der Gesellschaft Schaden zugefügt hatten, gewann damit noch an Signifikanz. Jeder vom Schatzkanzler bis zum Erzbischof von Canterbury hatte eine Meinung dazu.

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Die Komplexität war die Herausforderung

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Während die Wochen vergingen, behielten wir die Nerven und konzentrierten uns auf die Herausforderung der Komplexität. Von großer Wichtigkeit war es, die Ereignisse vollständig zu verstehen, damit wir uns unserer Fairness und journalistischen Exaktheit sicher sein konnten. Genauso wichtig war es, richtig darüber zu entscheiden, wie viele Detailinformationen unsere Zuschauer brauchen würden oder verarbeiten wollten.

 

Eine weitere Frage, die sich stellte war: Wie konnten wir die Konzeption der Serie am besten visualisieren? War die Zerstörung der Küste von New Jersey durch den Hurrikan Sandy eine passende Metapher, um die globalen Auswirkungen der Finanzkrise zu symbolisieren? Wir hatten das Gefühl, damit richtig zu liegen. Hatte doch Alan Greenspan die Tumulte an den Märkten mit einem Tsunami verglichen. Wie konnten wir die schwindelerregende Größenordnung der riskanten Bondkäufe von MF Global darstellen?

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Mengen chinesischer Laternen anzünden – zum Visualisieren

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Die Lösung brachte eine große Warenlieferung chinesischer Laternen, die wir anzündeten und filmten, während sie unaufhaltsam höher und höher in den Nachthimmel über einer verlassenen Royal Airforce Base entschwanden. Die etwas abgelegene Ortswahl wurde durch verschiedene Gesundheits- und  Sicherheitsregelungen der BBC im Zusammenhang mit pyrotechnischen Gefahren bedingt.

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Geplatzte Deadlines in Serie

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Dankenswerterweise hatten die Entscheider bei der BBC akzeptiert, dass dieses Projekt den Deadlines trotzte. Nach vielen Monaten wurden endlich alle relevanten Berichte im Vereinigten Königreich und in den USA veröffentlicht. Kontrolleure und Banker konnten sich endlich vor die Kamera stellen und reden. Das Warten hat sich gelohnt.

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Folge 2 ‘Bankers – Risking it all’ erzählt die Geschichte  zweier in jüngster Zeit aufgetretener Milliarden Pfund schwerer Börsendesaster in der Finanzmetropole London.  Jon Corzine, von MF Global, früherer CEO von Goldman Sachs und Gouverneur von New Jersey, und JP Morgans so genannte „Whale Trades“ zeigen, wie risikofreudig Banker nach dem Crash vor fünf Jahren immer noch sind.

 

Auf BBC World News am Samstag, den 16.November um 02.10, 16.10 Uhr MEZ und Sonntag, 17.November um 10.10 und 21.10 Uhr MEZ.

 

 

Folge 3 ‘Bankers – Payback time’ erklärt, wie es zu dem Multi-Milliarden Pfund schweren „Misselling“-Skandal (Verkauf von Versicherungspolicen unter Vorgabe falscher oder irreführender Behauptungen) in Großbritannien kam. Anhand mehrerer persönlicher Schilderungen von Bankenchefs, Verkäufern, Politikern und Kunden macht der Film deutlich, wie sehr sich britische Großbanken in den letzten 30 Jahren verändert haben.

 

Sendetermine: BBC World News am Samstag, den 23.November um 02.10, 16.10 Uhr MEZ und Sonntag, 24.November um 10.10 und 21.10 Uhr MEZ.

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Folge 2 ‘Bankers – Risking it all’ erzählt die Geschichte  zweier in jüngster Zeit aufgetretener Milliarden Pfund schwerer Börsendesaster in der Finanzmetropole London.  Jon Corzine, von MF Global, früherer CEO von Goldman Sachs und Gouverneur von New Jersey, und JP Morgans so genannte „Whale Trades“ zeigen, wie risikofreudig Banker nach dem Crash vor fünf Jahren immer noch sind.

Folge 3 ‘Bankers – Payback time’ erklärt, wie es zu dem Multi-Milliarden Pfund schweren „Misselling“-Skandal (Verkauf von Versicherungspolicen unter Vorgabe falscher oder irreführender Behauptungen) in Großbritannien kam. Anhand mehrerer persönlicher Schilderungen von Bankenchefs, Verkäufern, Politikern und Kunden macht der Film deutlich, wie sehr sich britische Großbanken in den letzten 30 Jahren verändert haben.

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Die Serie kann auch unter diesem Link mitverfolgt werden: http://www.bbc.co.uk/programmes/n27vnh45

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