Nur absurd (2): Security? Nicht, wenn die Schuhe drücken (Gastbeitrag Matthias Goeken)

Wenn Security-Maßnahmen noch so schön ausgedacht sind – und dann aber leider irgendwie nicht hinhauen. Aus Versehen. Oder weil´s eben doch überall menschelt. Oder weil Loriot überall ist. Ein weiterer Gastbeitrag von Matthias Goeken, Hochschullehrer für Wirtschaftsinformatik an der Frankfurt School of Finance & Management.

 

Matthias Goeken, Hochschullehrer

Matthias Goeken, Hochschullehrer

Bei einem Termin einer – ich will hier niemanden anprangern und lasse es deshalb lieber im Ungenauen – Großkanzlei, WP-Gesellschaft oder ähnlich hochseriösen Gesellschaft, wo es viel Wissen zu hüten gibt – bekam ich neulich tiefe Einblicke in die Unternehmenssicherheit.
Erst in den Tiefen der Park-Katakomben, im soundsovielten Parkdeck, entdeckte ich freien Platz für mein Auto und marschierte dort zur nächsten Tür, in der Hoffnung, schnell zu der klangvollen Company zu gelangen. Nachdem die erste Tür fest verschlossen war, fand ich eine weitere – ebenfalls verschlossen -, aber mit Klingelknopf zum Empfang. Doch auf mein „Guten Tag, Matthias Goeken hier, ich habe einen Termin mit Frau Soundso“ scholl mir ein entrüstetes „Wie sind Sie denn in dieses Stockwerk gekommen?“ entgegen. Ich: „Mit dem Auto.“ Sie: „Das Stockwerk, in dem Sie sind, ist nicht für Gäste. Da hätten Sie gar nicht hingelangen dürfen.“ Schon recht, doch wie hätte ich das wissen können? Aufmachen könne sie nicht, vollkommen ausgeschlossen. Aber immerhin: „Wir müssen Sie abholen lassen, in dem Bereich dürfen Sie sich nicht alleine bewegen. Bitte warten Sie, bis der Herr von der Security bei Ihnen eingetroffen ist“. Ich fühlte mich wie ein Einbrecher. Gute zehn Minuten später holte mich dann der Herr von der Security durch die Tür aus dem verbotenen Bereich.
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Vereinzelungsanlage an der Tiefgarage
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Auch er fragte mich eindringlich, wie ich denn dahin gekommen war und wohin ich wollte. Ich wiederholte, dass ich mit dem Auto reingefahren war, keine Schranke durchbrochen hatte und eigentlich nur zu Frau Soundso wollte. Irgendwie schien die ganze Situation gleich mit einer großen Anzahl an Security-Richtlinien zu kollidieren.
Doch nach reiflicher Überlegung entschloss er sich mutig, dass von mir keine größere Gefahr ausginge und ich wahrscheinlich keine Bombe dabei habe und keinen Anschlag planen würde und er entschied, dass wir zum Empfang gehen könnten. „Prima“ fand ich und wollte gleich mit ihm durch die Tür nach oben gehen, aber weit gefehlt, er stoppte mich, ich solle weiter vor der Tür warten: „Vereinzelungsanlage “. OK. Also erst er durch die Tür, Tür hinter ihm zu, Tür nach ein paar Sekunden vor ihm auf, er tritt durch eine weitere Tür in den erlaubte Bereich. Dann ich hinterher: Tür auf, ich in die Anlage, Tür hinter mir zu, nach ein paar Sekunden, Tür vor mir auf und auch ich befand mich endlich wieder in der Legalität.
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Eskortieren
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Am Empfang bekam ich dann den obligatorischen Besucherausweis, wurde von einer Sekretärin in einen noblen Besprechungsraum zwischen vielen Büros mit schweren Schreibtischen eskortiert. Zu meiner Überraschung erwarteten mich dort drei weitere Besucher – nur die Gastgeberin war leider krank. „Ist aber kein Problem, Sie können gerne die Besprechung gern hier abhalten – rufen Sie mich nur kurz an, wenn Sie fertig sind, damit ich Sie zum Empfang begleiten kann, sie wissen schon, die Security-Richtlinien“, sagte die freundliche Sekretärin und bot uns Tee, Kaffee und Kekse an.
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Herumirren
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Versteht sich, dass ich auf der Suche nach einer Toilette später an vielen offenen Büros mit vielen vertraulichen Unterlagen mit Klienteninformationen vorbeikam – ohne dass mich jemand fragte, wohin ich wollte oder irgendwie Misstrauen hegte.
Als dann in der Besprechung alles besprochen war, griff ich zum Telefon, wählte die Nummer der freundlichen Sekretärin, um zu sagen, dass wir nun fertig seien. Sie hätte ja gesagt, sie würde uns zum Empfang begleiten. Doch dann kam die Überraschung: Sie druckste ein bisschen rum und bat dann. wir sollten doch einfach alleine rausgehen. Zum Empfang würden wir ja sicher alleine finden, der Weg von ihrem Büro zu unserem Besprechungsraum sei so weit – und sie habe heute so unbequeme Schuhe an ….
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… Security-Richtlinien?

 

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