Ein Teller Brokkoli-Huhn mit L´Occitane-Chef Dejan Loncaric: „Keine Standpauken für kleine Zebras“

 

Loncaric

Dejan Loncaric, Deutschland-Chef von L´Occitane Deutschland

Seine Visitenkarten wirft Dejan Loncaric nicht weg, nur weil sich bei ihm die Position oder etwas an der Anschrift geändert hat. Die werden aufgebraucht. Das hat Größe, das bringt nicht jeder. Dazu ist er viel zu sehr Schwabe, sagt der 39-jährige Deutschland-Chef der Kosmetikmarke L´Occitane Deutschland – zu der auch Melvita gehört – über sich selbst. Obwohl er in Reims studiert hat – der Schwabe steckt drin und zwar seit seiner Geburt in Nagold. Und er korrigiert auf seiner Visitenkarte mit dem Kugelschreiber die Straße von Rathausufer in Königsallee, weil sich L´Occitane Deutschland inzwischen wieder mal vergrößert und neue Räume bezogen hat. Loncaric ist jetzt zehn Jahre bei dem französischen Unternehmen, das ihn mit 29 Jahren schon zum Deutschland-Geschäftsführer machte – nachdem er gerade mal eineinhalb Jahre in der Produktentwicklung in Paris gearbeitet hatte.

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Mit Rückfahrticket zum alten Job

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Doch er hatte ein Rückfahrticket für seinen alten Job bekommen und das gab ihm die nötige Sicherheit für solch einen verantwortungsvollen Job. Sechs Monate durfte er´s ausprobieren, wie sich für ihn als Marketingmann so eine Position anfühlte. Doch gebraucht hat er es nicht.loncaric.limonade

Begonnen hatte Loncaric seine Karriere bei L `Oreal in Paris, nachdem er in Reims studiert hatte. Und bei L ´Occitane hatte er in den ersten Tagen erst mal starke Zweifel, ob die neue Company ihn überhaupt wollte. Es gab kein Büro für ihn, nicht mal einen festen Sitzplatz, denn die ganze Firma war kurz vorm Umzug. Er wurde einfach an den Schreibtisch von einem Kollegen mit dran gesetzt, vor Kopf. Damals war er im Marketing-Team der Kosmetikmarke aus der Provence, die 1978 in der kleinen Stadt Volx gegründet wurde und sich – laut Wikipedia – durch ihre traditionelle ökologisch nachhaltige Produktionsweise auszeichnet.  Heute hat L ´Occitane mehr als 2000 Filialen in mehr als 85 Ländern und einer Milliarde Euro Jahresumsatz, davon 20 Millionen Euro in Deutschland. 450 verschiedene Produkte stellt das Unternehmen her von Mandelpflegeöl, Lavendelhandwaschgel über Feigen-Raumduft bis Anti-Aging-Cremes.

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Topinambur

Topinambur

Hier im Mokey´s East bestellt sich Loncaric eine Minze-Limonade und als Vorspeise eine Tempura-Rolle mit Thunfisch und grünem Spargel. Als Hauptgericht nimmt er Huhn mit Broccoli. Ihm scheint´s zu schmecken, die Teller werden leer gegessen. Beschwerden gab´s auch keine.

Hähnchen

Huhn mit Broccoli

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Nicht nur auf den ersten Gewinn achten

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Als Loncaric nach eineinhalb Jahren in Paris dann für L ´Occitane nach Düsseldorf ging, hatte er keine geringere Aufgabe, als das Deutschland-Geschäft aufzubauen. Obwohl er eigentlich kein Vertriebsmann war. „Wahrscheinlich überrasche ich mit meiner Denke deshalb noch heute so manchen Vertriebsprofi“, überlegt er laut. Etwa mit der Ansage, dass er nicht nur auf den ersten Gewinn achten solle.

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Damals gab es nur ein winziges Büro, ein kleines Team mit drei Vertrieblern und vier Boutiquen in Deutschland. Heute hat Loncaric daraus 44 eigene L´Occitane-Boutiquen quer durch ganz Deutschland aufgebaut plus 22 Mitarbeitern in seiner Zentrale. Die Cremes, Düfte und Seifen aus der Provence sind zudem inzwischen vertreten in rund 480 Apotheken sowie Parfümerien und 67 Kaufhäusern.

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Die Firma mit Seele

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Und er schwärmt vom Klima in seinem Unternehmen: Dass der Unternehmensgründer Olivier Bausan und Reinhold Geiger als CEO und Hauptanteilseigner  „da sind, dass man mit ihnen reden kann und dass die Firma eine Seele hat“. Dass er in Paris mit Birkenstock-Sandalen in die Firma kommen konnte – die in Frankreich wahrlich keinen Beliebtheitspreis gewinnen. Und zwischendurch einen Bart trug, der rot, blond, schwarz und grau war – und dass Kollegen und Chefs es einfach aushielten. Dass er in kein Raster passen muss, das findet er souverän. Wenn er sagt „ich liebe meinen Beruf“, nimmt man´s ihm ab.

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Keine Standpauken für kleine Zebras

Und wenn er von seinem Büro-Leben erzählt, ahnt man, dass er nicht allzuviel freie Zeit mehr hat. Er sprich zum Beispiel von der Kehrwoche, die er  eingeführt hat Die heißt hier im Rheinland aber Küchendienst. Ersonnen hat es Loncaric, weil er´s „kindisch findet, wenn erwachsene Leute ihre Küche nicht sauberhalten können.“ Und weil er weder „ein Spielverderber-Gefühl haben will, „noch kleinen Zebras Standpauken halten will“. Und weil er es nicht leiden kann, wenn sich manche Leute dafür zu gut finden – von ihrer Position in der Hierarchie her.

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Hat er früher noch neben seinem Beruf Theater gespielt und getanzt, so pflegt der Kosmetikmanager heute nur noch eine Leidenschaft, das Singen. Eine Kundin hatte ihm von ihrer Gesangslehrerin vorgeschwärmt, für die auch er nun jedesmal 100 Kilometer Fahrt auf sich nimmt. Weil sie ihm so viel beibringt über die richtige Atmung, das Loslassen und klassische Musik, die er so liebt. „Heute hole ich nach, dass ich als Kind kein Instrument hatte“, erzählt Loncaric. Seitdem muss er auf sämtlichen Hochzeiten im Freundeskreis das „Ave Maria“ singen.

Dessert: Gebackene Banane

Dessert: Gebackene Banane

 

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